Heidelbeerwein und Viktoriawasser

WITTLICH. An Besonderheiten aus der Geschichte des Eifelvereins Wittlich hat Willi Waxweiler anlässlich einer Ausstellung im Casino erinnert. Für den TV hat er daraus eine "Stadtgeschichte" geschrieben.

Der Eifelverein Wittlich kommt in die Jahre. Ein Anlass, auch zwischendurch einmal einen Blick in die Geschichte zu werfen, die zugleich Stadtgeschichte ist. Die Gründungsversammlung des Eifelvereins fand am 29. Juli 1888 im Saale von Joseph Berres in der Burgstraße statt, woran heute eine Metalltafel erinnert, die zum 100-jährigen Bestehen angebracht wurde. Es war einmal die Kaiser-Wilhelm-Brücke

Peter Kremer schreibt am 12. Juli 1928 im Wittlicher Tageblatt über "40 Jahre Ortsgruppe Wittlich des Eifelvereins": "Dreißig Bürger erwarben sofort die Mitgliedschaft und drei Wochen später zählte die Ortsgruppe schon 75 Mitglieder. Noch im Gründungssommer wurden vier Bänke aufgestellt: auf dem Pichterberg, auf dem Afferberg, am Steinbruch und auf der großen Rommelsbach." Schon im zweiten Jahr war mit Hilfe der Orte Plein und Minderlittgen an der alten Pleiner Mühle eine feste Brücke fertig gestellt. Ihre Gesamtkosten betrugen 1800 Mark. Auf Vorschlag von Bürgermeister Bottler taufte man sie auf den Namen Kaiser-Wilhelm-Brücke. Zu den ersten vier Bänken gesellten sich bald viele andere. An allen landschaftlich schönen Punkten der Umgebung wurden sie aufgestellt. Dorthin wurden nun auch Wege gebaut, so ein Pfad auf der rechten Lieserseite zur Kaiser-Wilhelm-Brücke. Neben dieser wichtigeren Aufgabe der Erschließung und Verschönerung der Umgebung pflegte man im Verein auch die Geselligkeit. Auf kurzen und ausgedehnten Wanderungen betrieb man in froher Gemeinschaft Heimatkunde. Es wird berichtet von einer Fahrt ins Heckenland, bei der die Viktoriaquelle besichtigt wurde: Zur Stillung des Durstes hatte Pastor Knopp aus Heidweiler als gastfreundlicher Wirt eine ansehnliche Zahl Flaschen seines vortrefflichen Heidelbeerweins dorthin schaffen lassen, der sowohl pur als auch mit dem Viktoriawasser vermischt ein ausgezeichnetes Getränk ergab, welchem von allen Teilnehmern kräftig zugesprochen wurde. 1891 wurde der Afferberg verschönert. Ein Weg hinauf wurde gebaut, es wurden Bänke aufgestellt und eine Hütte errichtet. Auf der Hauptversammlung zu Monschau beantragte die Ortsgruppe Wittlich unter anderem den Bau eines Fußweges durch das Liesertal bis nach Manderscheid. Brücke an der Neumühle

Schon in den ersten Monaten des Jahres 1892 wurde von der Kaiser-Wilhelm-Brücke bis Manderscheid ein Pfad angelegt, und man rüstete für die große Tagung des Hauptvereins. Dieses erste große Eifelfest in unserer Stadt war am 29. Mai. Am dritten Tag wurde eine Wanderung durch den Kondelwald nach Bertrich unternommen. Es muss ein großer Verkehr an diesem Sonntag geherrscht haben. Denn die Eisenbahn hatte besondere Züge eingesetzt. Das Fest ergab einen Über-schuss von 85,95 Mark. Damit bezahlte die Ortsgruppe die auf dem Afferberg erbaute Schutzhütte. 1897 wurde die Brücke an der Neumühle gebaut. Die Stadt stiftete zu den Baukosten100 Mark; die Ortsgruppe hatte infolgedessen nur noch zehn Mark zu tragen. Fortsetzung folgt. Willi Waxweiler,Wittlich

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