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Heidenburger Bäckerei Schander schließt nach 25 Jahren

Handwerk : Ab Dezember bleibt der Ofen aus

Die Heidenburger Bäckerei Schander schließt nach 25 Jahren. Es wurde kein Nachfolger gefunden.

Positive Nachrichten gab es immer wieder. So etwa als die Bäckerei ihr Angebot um Grundnahrungsmittel ergänzte, nachdem der Dorfladen schloss. Oder vor zwei Jahren, als die Bäckerei Schander mit dem Landesehrenpreis im Bäckerhandwerk ausgezeichnet wurde. Doch das ist nun Geschichte. Am 13. Dezember, einem Sonntag, öffnet die Heidenburger Bäckerei zum letzten Mal ihre Türen. Fast auf den Tag genau 25 Jahre nach der Eröffnung am 11. Dezember 1995.

Bäckermeister Helmut Schander (66) und Ehefrau Anita (64) fiel die Entscheidung, die sie mit ihrem Alter, aber auch mit Personalmangel begründen, daher nicht leicht. Zumal sie auf ein engagiertes Mitarbeiter-Team aus acht Voll- und Teilzeitkräften vertrauen können. Darunter einer ihrer beiden Söhne, ihr Schwiegersohn und ein Asylbewerber. Ohne die Unterstützung des gesamten Teams hätten sie das gar nicht so lange machen können, sind beide überzeugt.

 Denn da ist ja nicht nur die Backstube, in der Schander meistens alleine steht. Er sagt: „Jedes Gramm Teig geht durch meine Hände.“ Auch der Laden hält täglich, außer montags, all das bereit, was Kunden aus dem Ort wie aus der gesamten Verbandsgemeinde und sogar aus Trier schätzen. Inzwischen ist zwar nur noch vormittags geöffnet, aber das auch sonntags. Und das Verkaufsfahrzeug ist ebenfalls täglich unterwegs. Sieben Dörfer fährt es dreimal die Woche an und es steht auf dem Thalfanger Wochenmarkt. Außerdem werden Geschäfte in Malborn und Leiwen, Lokale und Veranstaltungen beliefert – und die Trierer Tafel. Sie bekommt seit Jahren alles, was übrigbleibt.

Fünf Jahre betrieb das Ehepaar sogar eine zweite Bäckerei mit eigenem Café und selbstgemachtem Eis im Zentrum von Neumagen. „Das war eine schöne Zeit, aber auch sehr anstrengend“, haben sie die Menschenschlangen, die sonntags für ihren frisch gebackenen Kuchen anstanden, bis heute vor Augen. Damals gingen sie noch davon aus, dass ihre drei Kinder, die alle zeitweise bei ihnen arbeiteten, nachrücken würden. Ein Sohn ist ebenfalls Bäckermeister und die Tochter Konditorin. Doch letztlich entschieden sich alle drei gegen die Selbstständigkeit, was ihre Eltern verstehen. „Sie haben ja gesehen, dass wenig Freizeit bleibt.“

Helmut Schander steht seit gut 52 Jahren nachts in der Backstube, freitags schon ab 21 Uhr bis morgens um 9 Uhr. Ehefrau Anita ist tagsüber mit dem Bäckerauto unterwegs oder sie bedient im Laden. Da bleibe oft kaum mehr Zeit für eine gemeinsame Tasse Kaffee. Dennoch waren sie 2013 und 2014 als Heidenburger Prinzenpaar unterwegs, was sie sich heute kaum mehr vorstellen können. Für Helmut Schander erfüllte sich damit ein lang gehegter Wunsch, ermöglicht von Bäckerkollegen, die für ihn mitgebacken haben und ihren Angestellten.

Ähnliche Unterstützung hatte sich Schander „von unserer Bäckerjugend“ erhofft. Nach fünfjähriger vergeblicher Suche nach einem Nachfolger ist er enttäuscht, dass keiner – so wie er vor 25 Jahren - die Bäckerei übernehmen wollte.

Doch nun freut sich der Bäcker, ebenso wie seine Frau, auf ihr „neues Leben“, von dem er sich vor allem endlich wieder Zeit für seine zweite große Leidenschaft, die Musik, verspricht. Auf den Musiker, Dirigenten und Alleinunterhalter wartet ein „Zimmer voller Musikinstrumente“.