Heidenburger fordern mehr Abstand

In Heidenburg regt sich Widerstand gegen den Bau neuer Windräder. Deshalb hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, um größere Abstände der weißen Riesen zum Dorf durchzusetzen. Nach einer Infoveranstaltung am heutigen Freitag wollen die Initiatoren Unterschriften für einen Einwohnerantrag sammeln.

Heidenburg. In zahlreichen Orten auf dem Hunsrück regt sich Widerstand gegen einen weiteren Ausbau der Windkraft. In Hermeskeil haben sich Bürger im Mai bei einer Einwohnerbefragung dafür ausgesprochen, dass die Windräder in größeren Abständen zu Wohnhäusern errichtet werden. Die Tallinger Bürgerinitiative Windkraft mit Weitblick ist nach den jüngsten Kommunalwahlen mit zwei Personen in den Verbandsgemeinderat eingezogen. Jetzt regt sich auch Widerstand in Heidenburg. Das Dorf war einst Pionier in Sachen Windkraft: 1995 ist hier das erste Windrad im Landkreis Bernkastel-Wittlich gebaut worden.Ziel: Über die Riskien aufklären


Teunis und Maria Dankers gehören zu einer Initiative, deren Mitglieder sich ebenfalls für größere Abstände der Windkraftanlagen zum Dorf einsetzen. "Es sollen neue Windräder so nah ans Dorf gebaut werden, das ist nicht normal", sagt Teunis Dankers. Er befürchtet, dass drei neue bis zu 200 Meter hohe Anlagen gebaut werden, von denen eine lediglich 800 Meter, eine andere 900 Meter vom Dorf entfernt sein wird. "Wenn wir dann im Garten sitzen, schauen wir genau drauf", sagt Maria Dankers. Die Windräder, die in 1600 Meter Entfernung in Richtung Talling bereits stehen, stören das Ehepaar kaum, obwohl sie sie hören. "Damit können wir leben", sagen sie. Doch mit den neuen Anlagen befürchten sie eine deutliche Verschlechterung ihrer Lebensqualität und der Natur. "Die sind dann lauter, und man kann sie nachts nicht abschalten", sagt Maria Dankers. Deshalb haben sie sich mit anderen Bürgern in Heidenburg zusammengetan und die Bürgerinitiative gegründet. Ihr Ziel: Die Bevölkerung über die Risiken der Windkraft aufklären und mit einem Einwohnerantrag den Gemeinderat zu einer Entscheidung zu bewegen, dass größere Abstände zu bebauten Flächen eingehalten werden sollen. Die Befürchtung der Dankerts: Der verschuldeten Gemeinde geht es nur ums Geld, das sie mit den Windrädern verdient.
In einem ersten Schritt hat das Ehepaar zusammen mit anderen Mitgliedern der BI Flugblätter in Heidenburg verteilt. Für Freitag, 22. August, haben sie die Bürger für 19.30 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ins Gasthaus zur Linde eingeladen, um über die befürchteten Nachteile der neuen Windräder aufzuklären. Als Gastredner kündigen Maria und Teunis Dankers einen Sachverständigen für Windkraftanlagen, und den Hermeskeiler Umweltarzt Ortwin Zais an.
Wolfgang Marx von der Tallinger "BI Windkraft mit Weitblick" bemängelt nach wie vor eine zu geringe Information der Bevölkerung. Zudem kämen die Infos nahezu ausschließlich aus den Reihen der Betreiber der Windräder und seien daher völlig einseitig.
Der Heidenburger Beigeordnete Alexander Becker verweist darauf, dass sich die Gemeinde in einer Prüfschleife befinde. Was bedeutet das? Der Gemeinderat habe dem Windparkbetreiber Abowind in einer Sitzung im Juli den Auftrag gegeben, die Standorte nochmal zu überprüfen und neue Plätze zu suchen, auf denen laut Flächennutzungsplan Windräder gebaut werden können. Dabei sollen die Abstände zu den bebauten Grundstücken und erneut naturschutzrechtliche Belange, wie mögliche Horste, bedrohter Vogelarten geprüft werden.Extra

Im Einwohnerantrag, für den die BI ab der Informationsveranstaltung Unterschriften sammelt, fordern die Mitglieder der BI von ihrem Gemeinderat einen Beschluss, der die Kriterien zum Bau neuer Windräder auf der Gemarkung Heidenburg verschärft. So sollen Windenergieanlagen, mit einer Nabenhöhe über 100 Meter, nur noch mit einem relativen Abstand der zehnfachen Nabenhöhe zu bebauten Flächen sowie zu geplantem Bauerwartungsland errichtet werden können. Vorerst sollen keine neuen Verträge mit Windkraftbetreibern geschlossen werden. cst