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Heidrun Bernitt arbeitet an einer Dokumentation über Bruno Möhring.

Architektur : Erfolgreiche Spurensuche nach Berliner Jugendstilarchitekten

Heidrun Bernitt arbeitet an einer Dokumentation über den in Traben-Trarbach allgegenwärtigen Bruno Möhring.

Die Spuren, die er hinterlassen hat, prägen Stadtviertel und ganze Städte – und das mit monumentalen Arbeiten wie mit verspielten Details. Denn Bruno Möhring (1863-1925), der „Architekt des Jugendstils“, war Stadtplaner, Ingenieur, Designer und Maler. Sein Lebenswerk umfasst daher sehr viel mehr als Jugendstil-Villen und feingliedrige Stahlkonstruktionen für Brücken (Info) wie für Industriehallen. Komplette Siedlungen, Türme und Ausstellungsbauten entwarf Möhring ebenso wie Lampen, Möbel, Bedienungselemente für Maschinen und eine noch erhaltene Apothekeneinrichtung.

Daher ist er auch nicht nur in der Jugendstilstadt Traben-Trarbach, die ihm ihren Namenszusatz verdankt, bis heute unvergessen. Recherchen für eine Dokumentation über Möhrings Leben und Werk (Info) führten Heidrun Bernitt, Autorin und Herausgeberin aus Bernkastel-Kues, zu vielen anderen Wirkungskreisen. Allen voran Berlin, wo das in Königsberg, heute Russland, geborene Multitalent studierte und nach Studien in Italien lebte und arbeitete, sowie Oberhausen und Schreiberhau, heute Polen.

Das Spannende ihrer „Spurensuche“ waren laut Bernitt aber vor allem aufschlussreiche Begegnungen und viele Kontakte, die sie knüpfen konnte. Immer wieder trifft sie auf Menschen, die sie unterstützen. So wie die Frau, die ihr ein Foto von einer Möhring-Villa in Stettin schickte. Sie wuchs dort gegenüber auf, wie Bernitt bei einer Nachfrage zufällig am Telefon erfuhr. Details vom Bau eines Möhring-Hauses in Lösnich verdankt sie Hans Schneiß aus Irmenach. Und in Köln kontaktierte sie den Sohn eines einstigen Auftraggebers von Möhring in Ost-Preußen. „Das ist das, was diese Arbeit ausmacht“, kommentiert  sie. Und die Freude sei immer dann besonders groß, „wenn ich wieder so einen Mosaikstein gefunden habe“.

Denn Möhring war zwar sehr bekannt und beteiligte sich an Ausstellungen in Paris, Turin und Amerika, St. Louis und Buenos Aires, wie an Architekturwettbewerben, bei denen er mehrfach ausgezeichnet wurde. Dennoch haben sich mit ihm und seinem Werk bisher nur zwei Bücher befasst: eine Doktorarbeit von Ines Gesine Wagemann von 1992 und eine Biografie von Hans-Werner Fabarius des „Arbeitskreis Historisches Marienfelde“, im Berliner Stadtteil Tempelhof, von 2004. Als wertvoll für Bernitts Recherchen erwies sich zudem die Internetdatenbank www.archthek.de eines Bauhistorikers, mit dem sie weiter in Kontakt ist.

Denn Bernitt will möglichst viel hineinpacken in ihre „allumfassende Darstellung“ von allem, was zu finden sei. Und die Dokumentation soll „informativ für alle“ Interessierten sein. Ihr persönlich liegt das auch deshalb am Herzen, weil Möhrings Werk sie seit ihrem Industriedesign-Studium, einschließlich vier Semestern Architektur, begleitet. Und die Vielzahl und Vielfalt seiner Arbeiten beeindruckt sie heute mehr denn je. Motiviert zur Spurensuche haben Recherchen für die von ihr konzipierte Brückentor-Ausstellung „Möhrings-Architekturwelt“.

Die Initiative, das Jugendstil-Gebäude damit zu beleben, ging von Marcus Heintel, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach, aus. Die Erkenntnis, dass zu Möhrings Schaffen wenig dokumentiert ist, spornte Bernitt zusätzlich an: „Da war natürlich der Spürsinn geweckt.“ Seit 2018 recherchiert sie intensiv – und das ehrenamtlich. Sie brauche ja nur Papier und Computer. Die Druckkosten will die Diplom-Designerin über Crowdfunding finanzieren und den Vertrieb selbst übernehmen.