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Heimat Europa Filmfestspiele mit Open-Air-Kino in Morbach

Kino : Die wahre Heimat der „Heimat“ - Open-Air-Kino in der Morbacher Biergasse

Die Heimat Europa Filmfestspiele haben in Morbach Station gemacht. Auch Regisseur Edgar Reitz war am Ort seiner Kindheit mit dabei.

Für viele Leute war das Open-Air-Kino in Morbach ein glücklicher Tag. Nicht nur für Olli Mäki, den finnischen Boxer, dem der Film des Abends gewidmet war, sondern offensichtlich auch für Edgar Reitz, dem aus Morbach stammenden Regisseur. Der 88-Jährige, der die Corona-Pause nach eigener Aussage genutzt hat, seine Autobiographie zu schreiben, war für die Vorführung extra aus München angereist. „Ich komme zu dem wunderbaren Platz, an dem ich Kind gewesen bin“, sagt er auf der Bühne in der Morbacher Biergasse gegenüber seinem Elternhaus.

Etwa 100 Zuschauer waren bei trockenem, aber frischem Wetter gekommen, um sich das erste Open-Air-Kino seit 2016 nicht entgehen zu lassen. „Wenn es jetzt wieder losgeht mit den Veranstaltungen, da muss man dabei sein“, sagt Georg Sauer aus Rapperath. Frank Arend aus Hoxel sagt, dass die Kinos zwar wieder offen hätten, doch der Weg nach Trier weit sei. „Wenn wir sehen, dass Fußballstadien von Tausenden Leuten besucht werden, sollte das hier kein Thema sein“, meint er. Von den Morbacher Gastronomen engagiert sich neben dem Café Heimat lediglich Annette Prinz vom Lokal Pitcher bei dem Event. „Ich habe Spaß an so etwas“, begründet sie ihren Einsatz an ihrem freien Tag.

Anlass für das Open-Air-Kino sind die Heimat Europa Film Festspiele in Simmern, die vom 7. bis 29. August dauern. Morbach ist einer von sieben Spielorten außerhalb der Kreisstadt im Hunsrück.

Gleich drei Programmpunkte haben die Besucher erleben können: Nach einem einstündigen Spiel des Duos Sunplugged, die Oldies spielen, haben sie als Vorfilm „Hitzig“ gesehen, der eine schweißtriefende Gesellschaftssatire in einer Sauna zeigt, produziert von Edgar Reitz‘ Sohn Christian Reitz. Schauspielerin Antonia Bill, die darin die Hauptfigur spielt und als Jettchen in „Die Andere Heimat“ bekannt geworden ist, war bei der Aufführung vor Ort dabei. Als Hauptfilm erwartete die Besucher dann der Film „Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki“.

Zufrieden mit der Besucherresonanz ist Kerstin Thommes vom Kulturzentrum Belginum. Für sie war es die erste große Veranstaltung. Obwohl das Wetter mitgespielt hat, hätte sie sich „mehr Sommer“, sprich: wärmere Temperaturen gewünscht. Das Open-Air-Kino sei der richtige Start gewesen, um den Stein für weitere Veranstaltungen ins Rollen zu bringen, sagt sie. Der „außergewöhnliche Film“ sei kein Mainstream, gehöre aber zu den Kulturereignissen, mit denen man viele Themen angehen wolle.

Für Morbach ist es eine Fortsetzung des Erfolgs, den man mit Edgar Reitz und seinen Filmen erreicht habe, sagt Bürgermeister Andreas Hackethal. Zugleich bedeute es eine Weiterentwicklung des Themas Heimat am Standort Morbach. „Wobei Morbach die wahre Heimat der Heimat ist“, betont er. Hintergrund für diese Aussage ist Hackethals Ärger über die Stadt Simmern: Der Bürgermeister hat nach eigener Aussage schon mehrfach Morbach als „Heimat der Heimat“ bezeichnet. Simmern hat sich den Begriff jedoch inzwischen schützen lassen.

Hackethal schließt nicht aus, dass es künftig in Morbach wieder Open-Air-Kino geben könnte.

 Filmregisseur Edgar Reitz (rechts) zusammen mit dem Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal 2019 bei der Eröffnung des Kino Heimat in Morbach
Filmregisseur Edgar Reitz (rechts) zusammen mit dem Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal 2019 bei der Eröffnung des Kino Heimat in Morbach Foto: Christoph Strouvelle

Heimatbegegnungen finden an vielen Orten statt“, sagt Urs Spörri, Intendant der Heimat Europa Film Festspiele. Da darf Morbach nicht fehlen“, sagt er. „Dass Edgar Reitz hier gelebt hat, ist großartig“. Dazu komme mit dem Café Heimat das kleinste Kino Deutschlands – „ein magischer Ort“, sagt Spörri. Morbach sei deshalb ein Platz, der bei den Heimat Europa Film Festspielen nicht wegzudenken sei. „Schabbach ist überall, da darf Morbach nicht fehlen“, sagt er mit Anspielung auf den fiktiven Hunsrückort in Edgar Reitz‘ Filmreihe Heimat.