Heimatgeschichte: Chronik des Moselortes Ürzig liegt vor

Geschichte : Eine Chronik für Ürzig: Schmuckes Moseldorf mit selbstbewussten Bürgern

Der Historiker Erwin Schaaf hat schon zahlreiche Ortschroniken verfasst. Sein jüngstes Werk, das am Mittwochabend vorgestellt wird, befasst sich mit Ürzig.

Erwin Schaaf ist schon in die Geschichte vieler Orte unserer Heimat eingetaucht. Er hat zahlreiche Stunden in Archiven und Bibliotheken verbracht, hat Dokumente gesichtet und bewertet. Der promovierte Historiker aus Kinderbeuern hat unter anderem die Geschichte des Kröver Reiches, von Kinderbeuern, Springiersbach, Hein­zerath und anderen Orten aufgeschrieben. Die Bücher sind heute Visitenkarten dieser Gemeinden.  Erwin Schaaf ist 84 Jahre alt und immer noch ein fleißiger Rechercheur und Schreiber. Jetzt hat er ein weiteres Werk vollendet: „Die Geschichte des reichsfreien Dorfes Ürzig an der Mosel“. Die ersten Druckexemplare wurden am Samstag ausgeliefert. Heute Abend wird das Buch um 19 Uhr in der Würzgartenhalle in Ürzig der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Laudatio hält der bekannte Heimat- und Familienhistoriker Karl G. Oehms aus Trier. Die Bewirtung übernimmt der Verein „Heimatfreunde“.

Eigenlich sollte das Buch rund 30 Jahre früher erscheinen. Die Ürziger hatten sich bereits für die 1300-Jahr-Feier ihres Dorfes vorbereitet.  Ein paar Jahre zuvor besuchte eine Delegation, angeführt von dem damaligen Ortsbürgermeister Walter Gerlach,  den anerkannten Historiker aus Kinderbeuern. Er solle  doch anlässlich des großen Jubiläums eine Chronik ihres Ortes verfassen, so der Wunsch. Die Ürziger hatten zahlreiche Dokumente und Urkunden im Gepäck, die sie Schaaf zur Verfügung stellten. Doch aus dem große Fest 1990 wurde nichts. Denn Schaaf stellte fest: Die erste urkundliche Erwähnung  des Moselortes war nicht im Jahr 690, sondern im Jahr 732. Die Ürziger müssen also noch bis 2032 warten, erst dann können sie das große Jubiläum feiern. Die Geschichte Ürzigs ließ Schaaf aber nicht mehr los.

Im Frühjahr dieses Jahres fasste er dann den Entschluss, das Buch zu schreiben.  Er setzte sich hin, sortierte und bewertete erneut die Dokumente und begann  sein Wissen aufzuschreiben. Es folgte die schriftliche und drucktechnische Gestaltung  des Buches.

Es ist ein Buch über einen bemerkenswerten Ort mit selbstbewussten Bürgern. Ürzig besaß nämlich die Rechte eines reichsfreien Dorfes, die es aus seiner ursprünglichen Zugehörigkeit zum karolingischen Reichsgut Kröv herleitete. Schaaf: „Die Ürziger Bürger waren – in heutiger Sprache – Demokraten mit starkem Selbstbewusstsein. Diese Einstellung prägte den Verlauf der Geschichte des Dorfes.

Noch im Jahr  1785, kurz vor der französischen Revolution,  charakterisierte der Wittlicher Amtsverwalter die Ürziger Bürger als „sehr arbeitsam, zugleich aber etwas frech und halsstarrig“.  Schaaf bewertet dies so: „Das Verhalten der Ürziger war insofern anstößig, als es die von oben erwartete Unterwürfigkeit vermissen ließ. Bei aller Hochachtung des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten als ihren „Schirmherrn“ sträubten sich die Ürziger dagegen, ihn als „Landesherren“ anzuerkennen.“

Immer noch fleißig: Professor Erwin Schaaf an seinem Arbeitsplatz. Sein jüngstes Buch befasst sich mit der Geschichte von Ürzig. Foto: TV/Winfried Simon

Die unterschiedlichen Epochen  hat Schaaf beleuchtet, von der keltisch-römischen Zeit über das Mittelalter, die frühe Neuzeit, die Wirren während des Dreißigjährigen Krieges bis zur Zeitenwende unter französischer Herrschaft. Der Bedeutung der Kirche und der klösterlichen Hofgüter sind eigene Kapitel  gewidmet. Schaaf beschreibt ferner  die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse,  erinnert an den Bischofsmord bei Ürzig im Jahr 1066, an Kriminalfälle im Ürziger Hochgericht, an Hexenprozesse und die Hochwasserkatastrophe von 1784.