Heimtückegesetze, Verbrechen im Waldschlösschen und ein Appell für die Freiheit

Heimtückegesetze, Verbrechen im Waldschlösschen und ein Appell für die Freiheit

Er ist Lehrer mit Leib und Seele, Wittlicher und Buchautor. Mit seinem neuen Buch gibt Franz-Josef Schmit rund 50 Menschen aus Wittlich und Umgebung, die in der NS-Zeit Opfer von Denunziation wurden, eine Stimme. Erinnern ist für ihn keine Abrechnung mit der Vergangenheit, sondern eine wichtige Lektion für unsere Gegenwart.

Wittlich. Der Abend beginnt mit feierlicher Klaviermusik. Am Flügel: Till Christen. Ein Schüler von Franz-Josef Schmit und vielleicht schon der erste Beweis dafür, dass Authentizität für diesen Mann kein Fremdwort ist. Was Schmit macht, macht er aus Überzeugung - und die reißt andere mit. Ob sie ihn nun mit einem Klaviervortrag unterstützen oder ihn anregen jene Biografien zusammenzutragen, um die es in diesem Buch geht - so wie Albert Klein und Bürgermeister Joachim Rodenkirch es getan haben, wie Schmit später in seinem Vortrag erklärt.
In seiner Begrüßungsrede macht Bürgermeister Rodenkirch deutlich: Niemand sollte vergessen, wie schnell sich eine Gesellschaft in eine Diktatur verwandeln kann. Das Buch ist gleichsam eine Erinnerung an die Opfer und ein Appell, dass es Freiheit und Würde jedes Einzelnen zu verteidigen und zu beschützen gilt.
Franz-Josef Schmit versucht in seinem Vortrag eine Erklärung des Phänomens Denunziation. Wie funktioniert es, dass aus unbescholtenen Bürgern quasi über Nacht Staatsfeinde oder Kommunisten werden? Anhand einiger Beispiele aus seinem Buch skizziert er die unterschiedlichen Beweggründe und Anlässe zur Denunziation und ihre Auswirkungen.
Eine wichtige Rolle spielte dabei die Auslegung von Vorschriften und Gesetzen. Bereits 1933 wurde Kritik an der Regierung unter Strafe gestellt; aber erst mit dem sogenannten Heimtückegesetz wurde die Meinungsfreiheit so weit eingeschränkt, dass jeder, der Kritik am Regime der Nationalsozialisten übte, kriminalisiert werden konnte.
Vertraute Orte


Es ist aber nicht zuletzt der lokale Bezug, der die Biografien, die Franz-Josef Schmit zusammengetragen hat, so eindringlich macht. Die Geschichte von Fuhrunternehmer Heinrich Miesen aus Kinderbeuern zum Beispiel, der einen zum Autobahnbau zwangsverpflichteten Arbeiter wegen staatsfeindlicher Äußerungen anzeigt.
Die Orte, an denen das angebliche Verbrechen passiert ist, wie das Waldschlösschen in Plein, klingen vertraut und machen bewusst: Nazideutschland war überall, auch hier. Zum Ende seines Vortrags geht Schmit noch einmal darauf ein wie wichtig es ist, die schleichende Veränderung von Werten und Strukturen zu erkennen.
Als Lehrer sieht er sich in einer besonderen Verantwortung. Er bedankt sich auf seine eigene, lockere Weise bei all denen, die an der Entstehung des Buches beteiligt waren.
Die anschließende Lesung eines Kapitels aus dem Buch, bravourös vorgetragen von Bildhauer Sebastian Langner und ein weiterer Klaviervortrag von Till Christen beschließen diesen informativen und trotz des ernsten Themas unterhaltsamen Abend.

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