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Helfer suchen in Wittlich dringend Unterkünfte für Flüchtlinge - Manche Eigentümer haben Vorbehalte

Helfer suchen in Wittlich dringend Unterkünfte für Flüchtlinge - Manche Eigentümer haben Vorbehalte

Rund 100 Menschen sind in Wittlich als Flüchtlinge gestrandet. Um ihnen erste Orientierung und Hilfe zu geben, setzen sich engagierte Menschen beim Kinderschutzbund ein (der TV berichtete). Dabei geht es nicht nur um die Organisation von Deutschkursen, Kleidung, Patenschaften: Aktuell werden dringend Mietwohnungen gesucht.

Vor ihr steht eine Tasse Kaffee. Sie weint: Die Mutter, die mit zwei Kindern aus Bosnien geflüchtet ist, wird vermutlich in zwei Wochen abgeschoben. Ihre Augen sind weit vor Angst, rot vor Tränen. Über ihr schirmt sie das Zelt im Hof des Mehrgenerationenhauses des Kinderschutzbundes in Wittlichs Kurfürstenstraße vor dem Regen ab.

Gleich daneben im Haus treffen sich junge Männer. Auch sie sind Flüchtlinge. Sie hoffen, dass sie bleiben dürfen. Sie wollen zum Deutschkurs.Ziel ist eine Ausbildung


Der 24-jährige Mishail ist einer von ihnen. Er kommt aus Ägypten. Jetzt wohnt er in Wittlich. Uwe Lucas hatte ein Zimmer frei, aus dem sein erwachsener Sohn ausgezogen ist: "Jetzt wohnt Mishail seit Anfang Mai bei mir. Das ist ein sehr netter Kerl. Wir kommen super klar. Noch verständigen wir uns auf Englisch, aber er lernt sehr schnell und gut Deutsch." Immerhin hat der junge Ägypter ein Ziel: Er will im Heizung-Sanitär-Bereich eine Ausbildung machen. Seine Augen blitzen abenteuerlustig, von seinem Vermieter spricht er mit Hochachtung: "I'm so happy. He never stops to help me." Er ist froh. Sein Vermieter ist mehr als das und hilft ihm, wo er kann.

Der Flüchtling hat Glück gehabt. Denn manche Eigentümer haben Vorbehalte, an sie zu vermieten. "Es gibt Ängste vor verwüsteten Wohnungen, die Vorstellung, dass Riesenpartys gefeiert werden oder dass man auf der Wasser- oder Heizungsrechnung sitzen bleibt.

Es gibt halt Ressentiments gegenüber der anderen Kultur", sagt Michaele Schneider vom Kinderschutzbund/Mehrgenerationenhaus, einer Art Zentrale des Wittlicher Netzwerkes Flüchtlingshilfe.
Sie sagt weiter: "Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass manche Wohnung nachher besser als vorher aussieht. Ich habe ja auch Fotos gesehen. Was die alles verloren haben: So schöne Wohnungen und Häuser! Für die syrische Gruppe etwa kann ich mich verbürgen. Es gibt zum Beispiel eine ausgesprochen große Hilfsbereitschaft gegenüber den Nachbarn."

Und so weiß sie auch: "Diejenigen, die sich bei uns melden, Deutsch lernen wollen und so weiter, die wollen vorankommen und ihre Chance nicht durch Regelverstöße gefährden." Nun wird für 34 Menschen angemessener Wohnraum gesucht: Vom Zimmer bis zum Platz für eine ganze Familie.

Wenn die Asylsuchenden von der Trierer Sammeleinrichtung Afa nach Wittlich zugeteilt werden, werde das in der Regel zwei Wochen vorher angekündigt. Die Stadt hat Wohnungen auf Kosten des Bundes angemietet, auf die die Menschen dann zunächst verteilt werden. Im Notfall geht es auch ins Hotel.Beide Seiten profitieren


Sobald die Anerkennung als Flüchtling steht, sollen sie in andere Wohnungen umziehen. Dann ist nicht mehr der Bund zuständig: Dafür gibt es gedeckelte Zuschüsse vom Jobcenter. Unter anderem um diesen Übergang besser zu regeln, schalten sich die Freiwilligen Helfer vom Kinderschutzbund ein: Sie sprechen mit Vermietern, suchen Wohnungen, kümmern sich. Dazu organisieren sie die Sprachtreffs oder die wichtigen persönlichen Begegnungen.

Wie zum Beispiel die zwischen einem Flüchtling und einem Ehepaar: Die Frau gibt dabei persönliches Sprachtraining, der Flüchtling geht mit dem kranken Mann spazieren und lernt dabei zusätzlich Deutsch auf alltägliche Weise: Beide Seiten profitieren. Dass das möglich sein kann, davon ist auch Adelheid Wax, die sich ebenfalls für die neuen Wittlicher engagiert, überzeugt: "Es wäre wünschenswert, wenn wir diese Menschen als Bürger der Stadt wahrnehmen, als Bereicherung und nicht als Belastung."

Siegrid Thiel hat sich entschlossen, das auch so zu sehen: Ihr Mann hatte ihr vorgeschlagen, ihre eingerichtete Wohnung in der Innenstadt an zwei junge Syrer zu vermieten: "Ich gebe zu, erst war der Gedanke für mich gewöhnungsbedürftig. Dann haben wir uns lange über die Situation dieser Menschen unterhalten, und ich habe mir vorgestellt, wie es mir wohl ginge in einem fremden Land mit fremder Sprache ohne Familie. Als die beiden die Wohnung zum ersten Mal gesehen haben, haben sie über beide Ohren gestrahlt, und man hat gesehen: Sie sind rundum glücklich. Das klappt sehr gut. Sie werden ja auch nicht allein gelassen, sondern vom Kinderschutzbund begleitet. Das ist dabei auch sehr wichtig."

Die bosnische Mutter wird vermutlich auf so positivem Weg keine Wittlicher Bürgerin werden dürfen, aber vielleicht hat der junge Ägypter ja Glück und wird nicht abgeschoben.

Kontakt: Kinderschutzbund/ Michaele Schneider, Telefon 06571/2110.Wer nicht gleich eine Wohnung, aber zum Beispiel Sportkleidung insbesondere Turnschuhe bieten kann: Bitte ebenfalls melden.