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Helfer werden überrollt: Wittlicher Tafelprojekt am Limit

Helfer werden überrollt: Wittlicher Tafelprojekt am Limit

ie Zahl der Hilfsbedürftigen im Landkreis steigt auch durch die Flüchtlinge. Damit erhöht sich der Andrang bei der Wittlicher Tafel, ein Projekt, bei dem Ehrenamtliche gespendete Lebensmittel verteilen. Unter anderem kostet die schwierige Kommunikation Zeit. Die Helfer reagieren auf den Ansturm mit einem Aufnahmestopp und überlegen, wie sie ihr System ändern können.

Stopp: Den Ehrenamtlichen bei der Tafel geht die Luft auf. Sie können den Ansturm auf ihr seit fast zehn Jahren funktionierendes System der Verteilung von Lebensmittel-Spenden kaum noch bewältigen.Deshalb werden keine neue Kunden mehr aufgenommen. Das System der Hilfe für Bedürftige hat ein Limit erreicht. "Die Ehrenamtlichen, die zum Großteil im Alter zwischen 60 und 80 Jahren alt sind, stoßen an ihre Grenzen", sagt Anja Adams, die sich bei der Caritas um die Verwaltung des Großprojekts kümmert (siehe Extra) zum erstmaligen Aufnahmestopp.Sie sagt: "Ausgeschöpfte Kapazitäten machen sich insofern bemerkbar, dass der Ablauf während der Ausgabe nicht mehr reibungslos vonstattengeht. Die Wartezeiten draußen verlängern sich, da es bedingt durch die Vielzahl der Kunden und die sprachliche Barriere im Tafelladen nicht vorangeht", so Adam, denn: "Der Zulauf ist natürlich bedingt durch die Flüchtlingssituation kontinuierlich gestiegen, vermehrt seit den Herbstmonaten 2015 und vor allem jetzt im Januar." Aktuell seien von 480 Ausweisen rund 220 an Flüchtlinge und Asylsuchende ausgegeben, überwiegend aus Syrien.
Weißbrot ist gefragt
"Die Kommunikation ist sehr schwierig, sowohl bei der Ausgabe wie auch im Büro beim Ausstellen des Kundenausweises. Es ist ein immenser Zeitaufwand nötig, der eigentlich nicht vorhanden ist, beziehungsweise bei der damaligen Organisation der Tafel im Jahre 2007 nicht berücksichtigt wurde, weil es dieses Problem nicht gab", erklärt die Verwaltungsverantwortliche auf TV-Nachfrage und: "Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, dass die Flüchtlinge unsere Lebensmittel nicht kennen und vieles nicht essen. Sie essen zum Beispiel nur Weißbrot. Davon haben wir jedoch nicht so viel."
Anja Adams stellt klar: "Die meisten Flüchtlinge sind sehr nett, höflich und hilfsbereit. Sie packen mit an, wenn das Tafelauto während der Ausgabe noch einmal mit Lebensmitteln beladen vorfährt und verhalten sich auch sonst korrekt. Sie sind dankbar und freuen sich über die Hilfsbereitschaft." Naturgemäß gebe es wie im gesamten Kundenkreis, also auch bei den Flüchtlingen, immer mal Menschen, "die auffallen und zurechtgewiesen werden müssen. Die Besonderheit liegt nun darin, dass durch die sprachliche Barriere keine konkreten Ansagen gemacht werden können, da diese nicht verstanden werden."
Ansonsten gilt für alle: Wer sich nicht benimmt, wird für vier Wochen gesperrt. Bei Wiederholung wird der Kundenausweis eingezogen.
Aktuell ist das System an seine Grenzen gelangt. Deshalb muss neu organisiert neu organisiert werden. "Inwieweit diese Flut an neuen Kunden im weiteren Verlauf des Jahres anhalten wird, wissen wir nicht. Wir gehen aber davon aus, dass es vorerst nicht weniger wird", sagt Anja Adam: "Wir überlegen, einen neuen Ausgaberhythmus einzuführen, bei dem wir doch noch einige Ausweise mehr ausgeben könnten. Wir stehen derzeit in Kontakt mit dem Kinderschutzbund-Mehrgenerationenhaus und sollen von dort zwei Dolmetscher zur Verfügung gestellt bekommen, die uns mittwochs unterstützen. Zudem wurde uns von dort Hilfe in Form von Übersetzungen für Hinweisschilder angeboten. Weiterhin stehen wir in Kontakt mit dem Ordnungsamt der Stadt Wittlich, die uns bei Bedarf Unterstützung zugesagt haben, um den reibungslosen Ablauf der Ausgabe zu gewährleisten."
Das sagen Helfer: Die Wittlicherin Brigitte Hagedorn engagiert sich seit Einrichtung der Tafel 2007 bei dem Hilfsprojekt. Zur aktuellen Situation sagt sie: "Verändert hat sich, dass wir nun eine Vielzahl junger Asylbewerber haben, die Einzelpersonen sind. Die überwiegende Zahl ist alleine. Die Kommunikation ist schwierig, auch mit Englisch komme ich kaum weiter. Diese Kunden ernähren sich anders. Man kann von den jungen Männern nicht erwarten, dass sie wissen, wie man sich einen Blumenkohl kocht. Viele sind Muslime, deshalb nehmen sie selbst Schokolade mit christlichen Symbolen wie Weihnachtsmänner nicht. Auch dunkles Brot werden wir nicht los. Wir wollen keinen ,abfertigen'. Wir bemühen uns wirklich, aber das kostet Zeit und Nerven und wir haben auch nicht mehr Ware." sos