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Helle Aufregung um imprägnierte Pfähle

Helle Aufregung um imprägnierte Pfähle

In Maring-Noviand brodelt es. Von Gewässerverunreinigung und Bestechung ist die Rede. Die Angegriffenen, die Firma Zimmer-Zäune, die Verbandsgemeinde und die Ortsgemeinde, haben Anzeige erstattet.

Maring-Noviand. Schwere Vorwürfe: Ein Unbekannter, der sich als "Umweltschützer" bezeichnet, erhebt Beschuldigungen wegen Gewässerverunreinigung und Bestechlichkeit. Sie richten sich gegen die Firma Zimmer-Zäune, die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues und die Ortsgemeinde Maring-Noviand. Die Firma lagere imprägnierte und geteerte Hölzer auf einem Platz, der nicht versiegelt sei und dem auch kein Ölabscheider vorgeschaltet sei, heißt es in dem Schreiben. Regne es stark, entstehe ein kleiner Bach. Der fließe, von einem Ölfilm bedeckt und nach Imprägniermittel riechend, in die Lieser und dann in die Mosel.

Polizei fand keinen der Vorwürfe bestätigt



Obwohl es Fotos gebe, würden die Kommunen nicht einschreiten. Stattdessen sei ein weiterer Lagerplatz genehmigt worden. Der härteste Vorwurf: "Es kann doch nicht sein, dass durch Zuwendungen jedweder Art der Gemeinderat untätig bleibt und sogar Mitarbeiter der Verbandsgemeinde nicht einschreiten." Die Polizei war bei starkem Regen vor Ort, fand aber keinen der Vorwürfe bestätigt. "Auch uns liegen derzeit keine Erkenntnisse vor, die ein Einschreiten nötig machen", sagt Sandra Hansen-Spurzem, Pressesprecherin der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (Wasserbehörde des Landes). Es habe auch noch nie Beschwerden über eine Verschmutzung der Lieser durch den Betrieb gegeben, sagt Helmut Kaspar, Leiter der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues.

Hermann-Josef Zimmer, Chef der Firma, die Pfähle für Wein- und Obstbau produziert, legt dicke Aktenordner vor. Die Firma leiste mehr zum Emmissions-Schutz als gefordert. Sie werde regelmäßig kontrolliert. Verwendet würden nur zugelassene Salze und Teeröle. Natürlich könne es passieren, dass etwas Öl freigesetzt werde. Das könne aber auch von vorbeifahrenden Traktoren stammen.

"Wir haben nichts zu verheimlichen", sagt Zimmer. Das bestätigt auch Bürgermeister Hans-Josef Edringer, der im Betrieb arbeitet. Wenn es im Rat um die Firma gehe, verlasse er immer den Saal, sagt er. Sein Chef ist zu jeder Diskussion bereit. Der Bestechungsvorwurf gehe aber zu weit. Zimmer: "Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht." Deshalb hat er genau wie die Ortsgemeinde Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Weil das Schreiben Details aus einer nicht öffentlichen Sitzung enthält, wird vermutet, dass es sich bei dem Verfasser um ein Rats-Mitglied handelt. Bei der Genehmigung für den Lagerplatz sei alles rechtens zugegangen, sagt Ulf Hangert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde. Es sei eine "Ungeheuerlichkeit", Mitarbeiter der Verwaltung der Bestechlichkeit zu bezichtigen. Deshalb habe auch die VG Anzeige erstattet.

Meinung

Ein Fall für die Behörden

Ob es zu Gewässerverunreinigung gekommen ist und ob Bestechung vorliegt, kann von dieser Stelle nicht beurteilt werden. Bisher spricht nichts dafür. Die Fakten müssen die zuständigen Behörden klären. Die Firma gelte als zuverlässig, heißt von verschiedenen Stellen. Liegt also nur ein persönlicher Rachefeldzug eines unzufriedenen Bürgers und wahrscheinlich auch Gemeinderatsmitglieds vor? Auch das kann von dieser Stelle nicht beurteilt werden. Zu denken gibt, dass es dem Briefeschreiber an Zivilcourage fehlt, seinen Namen zu nennen. Dieser Vorwurf gilt auch, wenn er unerlaubt aus nicht-öffentlicher Sitzung geplaudert haben sollte. Denn wenn er die Wahrheit spricht, wird ihm viel Lob zuteil. So bleibt aber von Anfang an, gerade wegen des schwerwiegenden Bestechungs- und Bestechlichkeitsvorwurfs, ein schaler Geschmack. c.beckmann@volksfreund.de