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Engagement: Herberge für besondere Tiere

Engagement : Herberge für besondere Tiere

Engagierte Rentner haben auf dem Lieserer Plateau ein großes Insektenhaus gebaut. Der Förster hofft auf viele Mieter.

Viel zu tun gibt es für die Rentnerband das ganze Jahr über. Was genau, fällt vor allem im Frühjahr in und um Lieser auf. Dann sind die Männer, die seit 2003 das Ortsbild verschönern, überall in der Gemeinde unterwegs. An Rastplätzen an der Mosel und an Aussichtspunkten in den Weinbergen oder hoch oben an der Paulskirche stellen sie dann beispielsweise Sitzbänke auf. Über den Winter haben sie die im Bauhof der Gemeinde selbst repariert und frisch gestrichen oder auch komplett neu gebaut. Und sie pflegen Bildstöcke und Kreuzwegstationen, die sie auch schon zweimal grundlegend restaurierten.

In den vergangenen Wochen war die Rentnerband vor allem auf dem bei Spaziergängern und Läufern beliebten Lieserer Plateau unterwegs. Dort unterhalten die 70- bis Mitte 80-Jährigen einen Walderlebnispfad, dessen Stationen sie nun um eine echte Attraktion ergänzten: ein großes Insektenhaus.

Wohlgemerkt: kein Insektenhotel! In einem Hotel hielten sich Gäste ja immer nur für einige Tage auf, begründen Paul Knop, Herbert Mehn, Peter Meurer, Alois Michels, Hermann Offer und Erwin Schröder. In der von ihnen gebauten Unterkunft sollen Insekten aber das ganze Jahr über leben.

Ortsbürgermeister Reinhard Barthen ist beeindruckt vom jüngsten Projekt der Männer, die dafür an die 100 Arbeitsstunden unentgeltlich einbrachten. „Als Gemeinde könnten wir das gar nicht alles leisten“, betont Barthen. Die Materialkosten schätzt Erwin Schröder auf etwa 350 Euro. Für Holzschalung, Draht, Füllmaterial und Beton fürs Fundament. Dank Sponsoren, die ihnen Baustoffe kostenlos überließen, blieben die Ausgaben überschaubar. Ebenso unterstützte der Förderverein Wald­erlebnispfad Lieserer Plateau die Arbeit. Vorsitzender Martin Hermanns lobt die „Präzisionsarbeit als tolle Ergänzung des Parcours mit Schautafeln“. Sie informieren über Ameisen  demnächst auch über den Klimawandel. Hermanns, der Leiter des Forstreviers Bernkastel-Noviand, ist überzeugt, dass das Insektenhaus vor den seit 1989 gepflanzten Bäumen des Jahres optimal steht.

Und das nicht nur aus pädagogischer Sicht mit Blick auf die zehn Schulen und acht Kindergärten im Einzugsgebiet oder im Sinne der Kueser Kurkliniken und von Familien, die den Parcours verstärkt nutzten.

Auch das nach etwa 400 Metern angrenzende Wehlener Plateau mit seinen Obstbäumen werde davon profitieren.

Der Förster hofft, dass viele Mieter ins  Insektenhaus einziehen werden. Denn dann könnte die Bestäubung der Obstbäume durch Bienen, die wiederum von Insekten leben, die Wiesen und blühende Pflanzen brauchen, gesichert sein.