Herbstkrimi an der Mosel

BERNKASTEL-KUES/TRIER. Trotz der Nässe Ende September: 2006 wird aus Sicht des Mosel-Saar-Ruwer Wein e.V. ein Spitzenjahrgang. Bei der Herbstpressekonferenz auf dem Moselschiff "Europa" informierte die Gebietsweinwerbung rund 40 Journalisten über die Weinernte 2006 an Mosel, Saar und Ruwer.

Ein Herbstkrimi, bei dem die Winzer gute Nerven brauchen. So beschreibt Ansgar Schmitz, Geschäftsführer des Mosel-Saar-Ruwer Wein e.V., die Situation. Die Wetterkapriolen des Sommers mit einem extrem heißen Juli und einem überdurchschnittlich nassen August sowie der wechselhaften Witterung in den vergangenen Wochen hätten es den Winzern nicht leicht gemacht. Die Folgen machen sich bereits bemerkbar: So begünstigte das feucht warme Wetter zwar die Reifeentwicklung der Trauben, bot aber gleichzeitig dem Botrytispilz beste Entwicklungsmöglichkeiten, der bei den Trauben Fäulnis verursacht. Das hat Auswirkungen auf die Erntemenge - durch die Edelfäule schrumpfte die noch im August erwartete Erntemenge von einer Millionen auf nun etwa 900 000 Hektoliter. "Damit dürfte die anhaltend hohe Nachfrage nach Riesling, Müller-Thurgau und Elbling kaum befriedigt werden können", sagt Schmitz. Aus diesem Grund erwarte man im Vergleich zum Vorjahr für einen Liter Riesling-Fassware einen 25 bis 30 Prozent höheren Preis. Die ersten Preise für 2006er Elbling und Müller-Thurgau-Most notierten bei 80 Cent je Liter. Müller-Thurgau süß aus der Großlage Michelsberg wurde gar für einen Euro pro Liter gehandelt. Und auch für den Riesling erwartet der Mosel-Saar-Ruwer Wein e.V. einen Einstiegspreis von einem Euro. Laut Schmitz können die Winzer des Anbaugebiets Mosel-Saar-Ruwer in diesem bislang schwierigen Herbst jedoch zwei Trümpfe ausspielen: Steillagenweinbau und selektive Lese von Hand würden sich für den Jahrgang 2006 als ausschlaggebende Instrumente zur Erzeugung hochwertiger Weine erweisen. Das trockene Oktoberwetter der vergangenen Tage mit kühlen Nächten und milden Tagen begünstige diese mit hohem Arbeitsaufwand ausgeführten Qualitätsmaßnahmen.Trotz Tücken im Herbst: Hohe Mostgewichte

Die Ernte startete dieses Jahr früher als erwartet: Bis auf den Riesling wurden fast alle Rebsorten bereits ab Mitte September gelesen und sind bis Ende September komplett eingebracht worden. Die Hauptlese beim Riesling begann bereits Anfang Oktober und wird sich noch einige Wochen hinziehen. Die Mostgewichte, die Ende August noch deutlich unter den Werten des Vorjahres gelegen haben, lagen Ende September bereits weit über denen der guten Jahrgänge von 2001, 2002 und 2004. Für das Gros der Ernte dürfte das durchschnittliche Riesling-Mostgewicht bei 85 Grad Oechsle liegen, prognostiziert der Mosel-Saar-Ruwer Wein e.V. "Trotz der Tücken im Herbst: 2006 wird ein überdurchschnittlicher Jahrgang", sagt Adolf Schmitt, seit 21 Jahren Vorsitzender des Mosel-Saar-Ruwer Wein e.V. Doch Albert Kallfelz, Vorstandsmitglied im Mosel-Saar-Ruwer Wein e.V., schränkt ein: "Wir dürfen an der Mosel, auch wenn unsere Erzeugnisse jetzt wieder richtig gut laufen, nicht auf Masse und Billigprodukte setzen." Ob es sich um einen Spitzenjahrgang handele oder nicht, hänge vor allem von der Qualität der von den Winzern produzierten Weine ab. Der Mosel-Saar-Ruwer Wein e.V. hatte rund 40 Journalisten, teilweise aus dem Ausland zu einer dreitägigen Pressereise geladen, die mit der Pressekonferenz auf dem Moselschiff "Europa" zu Ende ging.