Herr über 210 verschiedene Traubensorten

Herr über 210 verschiedene Traubensorten

An der Mosel ist vor allem der Riesling heimisch. Aber es gibt noch viel mehr Rebsorten auf der Welt. Zumindest ein Teil davon ist auf dem Rebsortenweg von Udo Schiffmann zu sehen und auch zu schmecken.

Brauneberg. Weinreben bestimmen an der Mosel vielerorts das Bild. Doch wie viele unterschiedliche Reb- und damit Traubensorten gibt es überhaupt auf der großen, weiten Welt? Udo Schiffmann aus Brauneberg schätzt ihre Zahl auf mindestens 2000. Darunter fallen die Trauben, aus denen Wein gekeltert wird, und die Tafeltrauben, die für den Verzehr geeignet sind. "In Mitteleuropa dürften es etwa 600 sein", sagt der Winzer.

Der 55-Jährige hat nicht nur ein Faible für die Trauben, die ihm und seiner Familie den Lebensunterhalt sichern. In der Weinlage "Brauneberger Mandelgraben" besitzt er eine Parzelle, auf der unter anderem 210 verschiedene Traubensorten wachsen - jeweils ein Stock pro Sorte. 1982 hat dort alles mit 13 verschiedenen Reben begonnen, die Schiffmann von einem anderen Brauneberger Winzer übernahm. "Daraus ist eine Sammelleidenschaft entstanden", erzählt er.

Offiziell sind die 210 Rebstöcke Teil einer so genannten Versuchsanlage. In einer solchen werden Sorten angebaut und getestet, die für die jeweilige Region nicht üblich sind beziehungsweise nicht angebaut werden dürfen. Verarbeitet werden dürfen die Trauben nicht. Aber vom Stock gegessen werden dürfen sie. Spaziergänger und Vögel machen regen Gebrauch davon. An manchen Stöcken ist in den ersten Oktobertagen bereits kein Träubchen mehr zu finden. Andere Reben locken mit toller Optik, allerdings schmecken die Trauben nicht oder noch nicht.

Die Sorten tragen teilweise Namen, die auch Experten nicht kennen dürften: Tripolis, Alicante, Frühfein, Nero, Perle, Gelbe Seidentraube, Angela und Narhatit de Marseilles. Letztere ist bereits Ende August reif, andere Sorten erst im November.

160 Reben sind für Wein geeignet



Viele Reben hat Schiffmann von Freunden oder Winzern bekommen, die von seinem Hobby wissen. Eine große Hilfe war ihm auch Hans Maier, der ehemalige Leiter der Kreisrebenveredelungsanstalt. "Von ihm habe ich mehr als 50 verschiedene Sorten bekommen", erzählt Schiffmann. Etwa 160 seiner 210 Reben eignen sich für die Weinproduktion, der Rest bringt Esstrauben hervor.

Für Schiffmann, der auch in der Kommunalpolitik tätig ist, ist der Rebsortenweg ein Baustein für den Tourismus. "Wir müssen den Gästen in der Natur mehr bieten als nur Bänke", sagt er. Die Gäste, das zeigen die Fußspuren auf dem Boden, nehmen das Angebot an. Das Gelände ist gut ausgeschildert und kann auch Teil einer interessanten Wanderung sein.

Ein Ende der Sammelleidenschaft ist nicht abzusehen. Schiffman wird weiter pflanzen. "Ich habe inzwischen vier weitere Sorten", erzählt er.