Herrn Hepps Gespür für Schnee

Die Lifte am Erbeskopf stehen still: Weil der Winter weiter auf sich warten lässt, bleiben Skier und Schlitten bisher im Keller. Im Interview erklärt Klaus Hepp, der Betriebsleiter der Skilifte auf dem Erbeskopf, was das ungewöhnlich milde Wetter für seinen Betrieb bedeutet.

Klaus Hepp. TV-Foto: Klaus Kimmling.

Erbeskopf. Im November wünschte sich Klaus Hepp Schneefall noch vor Weihnachten. Dazu ist es nicht gekommen. Noch einen Monat später sind die Temperaturen ungewöhnlich mild für die Jahreszeit: Von Schnee keine Spur. Was bedeutet das für den Wintersport-Betrieb auf dem Erbeskopf? Unser Mitarbeiter Andreas Nitsch hat mit Klaus Hepp gesprochen.
Ihr Wunsch im November, die Skisaison auf dem Erbeskopf möge am 15. Dezember beginnen, ist nicht in Erfüllung gegangen. Es war bislang noch nicht einmal - sieht man mal von den fünf Zentimetern Schnee Mitte November ab - ein Hauch von Winter zu spüren. Sitzen Sie nun in Ihrem Kämmerlein und trauern?

Klaus Hepp: Nein, beim besten Willen nicht. Den Schnee hatte ich für 15. Dezember leider bei Amazon bestellt. Doch die haben gestreikt und alles in die USA geschickt. Ich trauere nicht, bin auch nicht verzweifelt oder gar depressiv. Denn ich denke, dass Januar und Februar noch ihr Wintersportspielchen mit uns treiben werden.

Was macht ein Skiliftbetreiber, wenn's partout nicht schneien will?

Hepp: Da gibt's genug Beschäftigungsarten. Nach stürmischen Nächten etwa - damit sind nicht irgendwelche Exzesse, sondern Nächte mit Windstärken von mehr als sechs gemeint - muss die Anlage überprüft werden. Zudem gilt es, Äste oder Baumspitzen von Piste und Liftspur zu entfernen. Und mit der Familie Weihnachten oder Silvester mal in Ruhe zu genießen, ohne an Kälteeinbruch oder mögliche Schneefälle zu denken, ist auch mal ganz schön.

Bei den Fernsehübertragungen vom Biathlon-Weltcup in Oberhof hat man sehr schön gesehen, wie regelrecht
weiße Schneebänder in die Landschaft gebaut wurden. Wäre ein solches Szenario nicht auch am Erbeskopf möglich? Skikanonen sind ja vorhanden.

Hepp: Die Veranstalter von Oberhof werden Ihnen sicher nichts über die immensen Kosten sagen - aus gutem Grund. Da wir hier am Erbeskopf aber nur über bescheidene Finanzmittel verfügen, beschneien wir erst ab minus vier Grad und unter der Voraussicht, dass die Kälteperiode danach mindestens eine Woche anhält. Alles andere ist unwirtschaftlich. Die Beschneiung am Erbeskopf sollte mit Augenmaß und nur als Ergänzung zum Naturschnee gewählt werden.

Die vergangene Saison bescherte den Wintersportfreunden immerhin noch 65 Skitage und endet erst am 1. April. Das war Ostersamstag. Es besteht also noch Hoffnung. Wie optimistisch sind Sie?

Hepp: Ich bin immer noch optimistisch, wenngleich ich sagen muss, ein exzellentes Ergebnis werden wir nicht mehr einfahren können. Aber wir werden wieder einmal mehr beweisen, dass der Erbeskopf seinem Ruf als größtes Wintersportzentrum in Rheinland-Pfalz gerecht wird.

Apropos Ski fahren. Haben Sie das milde Wetter genutzt, um selbst in kälteren Regionen auf die Bretter zu steigen? Am Erbeskopf werden Sie derzeit ja nicht ganz so dringend gebraucht wie etwa bei Hochbetrieb.

Hepp: Ich bin ohnehin kein Ski-Ass und unterliege nicht der Versuchung, in hochalpinen Skigebieten auf roter oder gar schwarzer Piste Abfahrten zu unternehmen, die unter Umständen zu Verletzungen führen könnten. Ich bleibe bescheiden, schone Gelenke und Skelett, damit ich als Betriebsleiter am Erbeskopf zur Verfügung stehe, wenn endlich der Winter bei uns ist.

Wagen Sie eine Prognose? Wann wird's mal wieder richtig Winter?

Hepp: Ich gehe davon aus, dass der Winter im letzten Drittel des Januar zu uns kommen wird. Acht bis zehn Tage im Januar, der ganze Februar sowie 15 bis 20 Tage im März, dann wäre alles nochmals eine einigermaßen erkleckliche Erfolgsstory - sowohl für den Liftbetrieb als auch für die Gastronomie und Nebenbetriebe. red

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