Herz und Seele der Erinnerung
Der damalige Bundespräsident Roman Herzog hat 1996 den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. Auch in Bernkastel-Kues fielen jüdische Mitbürger dem Holocaust zum Opfer.
Bernkastel-Kues. (cb) Der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 haben die Menschen in Bernkastel-Kues gedacht. Dem Bündnis für Menschlichkeit und Zivilcourage war es gelungen, mit Susanne Y. Urban jemanden zu gewinnen, der an der Internationalen Schule für Holocaust-Studien in Yad Vashem (Israel) arbeitet. Die in Frankfurt geborene Jüdin vermittelt unter anderem Lehrern aus den deutschsprachigen Ländern Wissen, das diese dann an die Schüler weitergeben. Damit soll die Erinnerung an die Vernichtung von sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten wachgehalten werden. Die promovierte Historikerin erläuterte den Zuhörern die Geschichte der Gedenkstätte Yad Vashem. Das Zentrum sei "Herz und Seele der jüdischen Erinnerung", sagte sie. Es stehe auf vier Säulen: Erinnerung, Dokumentation, Forschung und Pädagogik. 3,5 Millionen Namen von Opfern seien dort verzeichnet, darunter 30 aus Bernkastel-Kues, erläuterte sie. Gelistet seien aber auch 22 000 Gerechte unter den Völkern: Nichtjuden, die Juden während der Zeit des Holocausts retteten. Darunter sind auch 450 Deutsche - unter ihnen Oskar Schindler, dessen Wirken Steven Spielberg in dem Film "Schindlers Liste" wiedergab. Dabei sei Schindler kein Mensch gewesen, dessen Nähe man suchen würde. Urban: "Er war ein Spieler, Ehebrecher und Profiteur. Aber er hat 1200 Juden gerettet."Der Vortrag bestach auch dadurch, dass Susanne Urban nicht mit dem erhobenen Zeigefinger vor den Zuhörern stand. Sie zitierte Yehuda Bauer, der die Gedenkstätte von 1996 bis 2000 leitete. "Alle Menschen können Eichmann sein, aber auch alle Retter." Adolf Eichmann war einer der Hauptverantwortlichen für den Holocaust.Yaghoub Koschlessan, Vorsitzender des Bündnisses für Menschlichkeit und selbst Jude, kündigte an, dass auch in Bernkastel-Kues noch einiges in Erinnerung gerufen werde. Er ist selbst seit 31 Jahren hier wohnhaft und ist sehr glücklich über diese Zeit. "Ich habe hier noch nie irgendwelche antisemitischen Tendenzen gespürt", sagte er.