Hetzerath als Vorreiter

HETZERATH. (MTR) Nach einem fast einjährigen Kampf um mehr Kindertagesplätze kann die Kindertagesstätte (Kita) Hetzerath nun aufatmen: Seit Anfang April bietet sie 38 Kindern Platz in der Mittagsbetreuung und ist damit Spitzenreiter im Kreis Bernkastel-Wittlich.

Mit großen Augen verfolgen die Kinder, wie der frische Spinat im heißen Wasser zusammenfällt. Ganz genau erklärt die Küchenfee ihnen, wie die frischen Lebensmittel zu schmackhaften Speisen werden. Der "gute Geist" dieser Küche, Margret Lehnertz, verarbeitet jeden Mittag frische Produkte aus der Region für ihre mittlerweile 38 hungrigen Mäuler. Sie legt dabei besonderen Wert auf eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung. Die "Mittagskinder" sammeln sich zum Essen in zwei Gruppenräumen, begleitet von je zwei Erzieherinnen, decken gemeinsam den Tisch und beten gemeinsam. Kindergartenleiterin Ulrike Ehlen hierzu: "Wir sind ein katholischer Kindergarten und legen daher auch Wert auf die Vermittlung religiöser Werte." Nach dem Essen wird gemeinsam abgeräumt, und nach kurzen Bewegungsspielen geht es anschließend in die Ruheräume, wo für jedes Kind eine Matratze mit Decke und Kopfkissen sowie Kuscheltiere bereitliegen, um dann bei entspannender Musik und Geschichten zu ruhen oder zu schlafen. Einen knapp einjährigen Kampf um mehr Kindertagesplätze hat die Kita Hetzerath nun gewonnen. Seit Anfang April bietet die Einrichtung mittlerweile 38 Kindern Platz in der Mittagsbetreuung und ist damit Spitzenreiter im Kreis Bernkastel-Wittlich, was Kita-Ganztagesplätze betrifft. "Wir hatten immer eine Warteliste von fast 20 Kindern", berichtet Ulrike Ehlen. Mischo: "Bistum entzieht sich sozialer Verantwortung" Der große Bedarf und die ständigen Nachfragen von Eltern veranlassten die Kindergartenleitung in Zusammenarbeit mit der Pfarrgemeinde im vergangenen Sommer, einen Antrag auf Aufstockung an den Kreis und das Bistum zu stellen. Der Kreis und das Landesjugendamt stimmten dem Ganzen nach einer Bedarfsprüfung schnell zu, das Bistum lehnte es ab, seinen Trägeranteil von zehn Prozent zu übernehmen. "Sparmaßnahmen", so lautete die offizielle Begründung, deshalb könnten keine Kosten für eine Angebotserweiterung bewilligt werden. Daraufhin stellte Pfarrer Edwin Prim im Oktober einen Antrag für die Übernahme dieser Kosten an die Ortsgemeinde Hetzerath. Der Anteil des Betriebsträgers (Bistum) an den zusätzlichen Personalkosten (acht Stunden pädagogische Kraft wöchentlich und vier Stunden Wirtschaftskraft wöchentlich) beträgt zehn Prozent und beläuft sich auf rund 1100 Euro im Jahr. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, die zusätzlichen Personalkosten zu übernehmen. Ortsbürgermeister Otmar Mischo: "Das Bistum entzieht sich seiner sozialen Verantwortung. Die Gemeinde übernimmt die zusätzlichen Personalkosten, weil wir möchten, dass Eltern mit kleinen Kindern in Hetzerath gut aufgehoben sind. Wir wollen eine kinderfreundliche Gemeinde sein." Die Gemeinde wolle eine Kommune mit familienfreundlicher Infrastruktur sein. Die Ortsgemeinde übernimmt zunächst einmal befristet für drei Jahre den zusätzlichen Trägeranteil der Aufstockung. Die zwölf zusätzlichen Wochenstunden wurden nach Angaben der Kindertagesstättenleitung innerhalb des vorhandenen Personals aufgestockt. Pfarrer Edwin Prim ist zufrieden mit der Lösung: "Ich war froh, dass hier eine positive Lösung gefunden und den Kindern und Eltern damit geholfen wurde. Aufgrund der Sparmaßnahmen, die auch vor den Kirchengemeinden nicht Halt machen, sind uns allen die Hände gebunden. Es liegt mir besonders am Herzen, in Kinder zu investieren. Sie sind unsere Zukunft. Oft habe ich die Mittagsgruppe besucht und gemeinsam mit den Kindern gegessen. Die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl sowie die soziale Kompetenz sind in dieser Gruppe besonders ausgeprägt. Ich kann nur feststellen, dass die Einrichtung dieser Ganztagesplätze ein Schritt in die richtige Richtung war und dass das Ganze sich weiterhin so positiv entwickeln soll." Die Gemeinde Hetzerath ist die erste Kommune im Kreis, die beschlossen hat, die Kosten zur Aufstockung von Ganztagesplätzen, die vom Bistum nicht getragen werden, zu übernehmen. Alexandra Gansen vom Jugendamt Wittlich hat täglich mit Erweiterungsanträgen von Kindergärten zu tun. "Viele können aus Platzgründen nicht erweitern. Wenn Bedarf gemeldet wird, sind wir jederzeit bereit, dies vor Ort zu prüfen und in Zusammenarbeit mit Vertretern der Elternschaft und den Ortsgemeinden umzusetzen. Das Bistum übernimmt zurzeit nur noch die Kosten für Kindergartenganztagsplätze, die neu eingerichtet werden. Wir hoffen, dass die Sparbeschlüsse des Bistums bis 2008 umgesetzt sind und sich die Situation dann wieder entspannt."

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