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Heute sind die Franzosen keine Besucher mehr, sondern Freunde

 Vor dem Kurfürstlichen Palais in Trier versammelt sich das Partnerschaftskomitee Morbach und Pont-sur-Yonne zu einem Erinnerungsfoto. Foto: privat
Vor dem Kurfürstlichen Palais in Trier versammelt sich das Partnerschaftskomitee Morbach und Pont-sur-Yonne zu einem Erinnerungsfoto. Foto: privat
Morbach. Nach wie vor pflegen Menschen aus Morbach, Pont-sur-Yonne und dem thüringischen Geraberg ihre Partnerschaft, aus der zahlreiche persönliche Freundschaften entstanden sind. In diesem Jahr fahren zwei Morbacher Gruppen nach Frankreich. Grundschüler aus Burgund besuchen im April ihre Altersgenossen in Morscheid-Riedenburg.

Morbach. Freundschaften aufbauen sowie ein kultureller und wirtschaftlicher Austausch - das sind die Ziele zahlreicher Städtepartnerschaften. Auch die Gemeinde Morbach ist mit dem französischen Pont-sur-Yonne und dem thüringischen Geraberg Partnerschaften eingegangen.
"In einem Jahr kommen die Franzosen zu uns, im folgenden Jahr fahren wir nach Frankreich", sagt Serge Antony, Vorsitzender des Morbacher Partnerschaftskomitees und selbst in Frankreich geboren.
1969 wurde die Partnerschaft Morbach und Pont-Sur-Yonne gegründet. Die damaligen Bürgermeister Arnold Schmitt für die Verbandsgemeinde, Karl Weber für Morbach und Maurice Brisson für Pont-Sur-Yonne unterzeichneten in Burgund ein Freundschaftsprotokoll.
1970 reiste eine französische Delegation erstmals nach Morbach. "Das war damals nach dem Krieg wichtig, um die ehemals verfeindeten Nationen einander näherzubringen", sagt Antony. Insbesondere die Übernachtungen bei Gastfamilien haben dazu beigetragen, dass zwischen Deutschen und Franzosen zahlreiche persönliche Freundschaften entstanden sind, sagt er.
In den Jahren nach der Partnerschaftsgründung sind weitere Verbindungen zwischen Institutionen der einzelnen Orte wie Feuerwehr, Schulen und Vereine entstanden, die zu einer Intensivierung der Beziehungen beider Orte beigetragen haben, sagt Antony.
Die Morscheider Grundschule Blandine Merten war die erste Grundschule in Rheinland-Pfalz, die mit ihrem französischen Pendant eine Schulpartnerschaft eingegangen war. "Die Partnerschaft lebt von den Begegnungen zwischen den Menschen unserer Partnerstädte", sagt er.
Kinder lernen Französisch


Auch die Ideen für die ersten Hilfsprojekte für das westafrikanische Land Mali entstanden bei Partnerschaftstreffen. Daraus ist 1987 der Verein Mali-Hilfe entstanden.
Nach der Grenzöffnung der DDR und der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten stieß das thüringische Geraberg 1990 zu Morbach und Pont-sur-Yonne, doch spielt sich das Gros der partnerschaftlichen Beziehungen zwischen den Gründungsorten ab, sagt Antony. Auch in diesem Jahr fahren Gruppen zu ihren Freunden ins Nachbarland. Aus Morbach fahren der Boule-Club und eine Wandergruppe für jeweils drei bis vier Tage nach Burgund.
Im April besuchen 45 Jungen und Mädchen aus Pont-sur-Yonne fünf Tage die Schüler der Grundschule Morscheid. Dann stehen gemeinsamer Unterricht sowie Unternehmungen wie Ausflüge und Grillen auf dem Programm, sagt Schulleiterin Irmgard Wagner.
Eine Verständigung unter den Schülern ist möglich, denn beide Schulen lehren die gegenseitige Sprache. Im Vorjahr waren 30 Schüler aus Morscheid in Burgund gewesen.
"Die Kinder lernen viel bei den Besuchen und gewinnen sehr viel Selbstständigkeit hinzu", sagt Wagner.
Serge Antony sucht nach weiteren Wegen, die Partnerschaft aktiv zu erhalten. Dabei denkt er insbesondere an die Schüler der Integrierten Gesamtschule Morbach, die Kontakte zu gleichaltrigen Jungen und Mädchen in Frankreich aufbauen sollen. cst
Extra

Das 3500 Einwohner zählende Pont-sur-Yonne liegt 90 Kilometer südöstlich von Paris in Burgund. Sehenswürdigkeiten sind die 800 Jahre alte Kathedrale sowie der sonntägliche Markt. Geraberg liegt am Nordrand des Thüringer Waldes und hat etwa 2400 Einwohner. Hauptwirtschaftszweig in Geraberg war zu DDR-Zeiten die Herstellung von Thermometern. Der Ort ist Sitz des Deutschen Thermometermuseums. cst