Hier haben Politik und Unterhaltung Platz

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Die Casino Gesellschaft ist eine der ältesten Bürgervereinigungen Wittlichs. Sie steht jedem offen, der sich für zeitgenössische, gesellschaftliche Fragen interessiert. Ein Blick in die Geschichte zeigt die früheren Aufgaben der Casino-Gesellschaften im Allgemeinen und besonders die des Wittlicher Casinos.

Wittlich. Fast 200 Jahre ist es her: Als Folge der Restauration oder Wiederherstellung monarchistischer Machtstrukturen in Europa durch den Wiener Kongress 1815 unter Ausschluss bürgerlicher Mitbestimmung war die Bildung politischer Parteien strengstens verboten. Ein erstes Aufkommen liberalen, demokratischen und republikanischen Gedankengutes in vielen europäischen Ländern führte dann auch zu der politischen Demonstration junger Menschen beim Hambacher Fest 1832. Die Bürger drängten auf Meinungs- und Pressefreiheit.
Stadt geschichte(n)

Auffälliger Bau für selbstbewusste Bürger: Das Casino-Gebäude in der Friedrichstraße heute und kurz nach der Fertigstellung 1900. Fotos: Casino Gesellschaft.


Diese Zeit ist geprägt vom Machtkampf zwischen Monarchen und Bürgertum. Es ist auch die Zeit der Gründungen der Casino-Gesellschaften in deutschen Groß- und Kleinstädten, etwa in Köln, Koblenz, Trier und auch Wittlich (1858). Die Casino-Gesellschaft Traben-Trarbach ist älter. Sie wurde bereits 1810 unter Mitwirkung napoleonischer Offiziere gegründet.
Laut damaliger Satzung der Wittlicher Gesellschaft war ihr Zweck "die Pflege der Geselligkeit". Unter dieser harmlos klingenden Angabe traf man sich natürlich auch zu politischen Diskussionen. Entsprechend ihrer ersten Bezeichnung "Gesellschaft Conversation" stand aber die Unterhaltung im Vordergrund. Die Mitglieder kamen aus dem Bildungsbürgertum, also einem gewissen elitären Kreis.
Nach Gründung der Gesellschaft und ersten Grundstückskäufen (1869) war 1899 die Grundsteinlegung für das Casino-Gebäude. Bezugsfertig wurde es 1900. Zur Finanzierung reichten die Mitgliedsbeiträge nicht aus. Die Lösung: Mit dem Bezug des Gebäudes gründeten die Mitglieder einen erfolgreichen Weinhandel (1907: Einnahmen 70000 Goldmark). Er wurde erst in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eingestellt.
In ihren über 150 Jahren hat die Gesellschaft viele schöne, aber auch schwierige Zeiträume erlebt, vor allem die drei Kriege 1870/71, den Ersten und den Zweiten Weltkrieg. Bereits 1938 wurde die Casino-Gesellschaft zwangsweise verändert. Um der Auflösung durch die Nazis zu entgehen, kam es zur Fusion mit dem Bürgerverein Wittlich unter dem neuen Namen "Kameradschaftshaus e.V. Wittlich".
Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte die französische Militärregierung das Gebäude für ihre Zwecke. Die Freigabe und die Genehmigung der Fortführung der Casino-Gesellschaft erfolgten 1947. Der Wiederbeginn war erfolgreich. Heute hat die Gesellschaft 200 Mitglieder. Wirtschaftlich ist sie gut aufgestellt und genießt seit 2011 den Status der Gemeinnützigkeit mit den Zielen: Denkmalpflege, Förderung der Heimat- und Kulturgeschichte, Integration ausländischer Mitbürger, Unterstützung der Wittlicher Städtepartnerschaften sowie Zusammenarbeit mit Wittlicher Institutionen und Vereinen.
Die Gesellschaft bietet ein breites Angebot für Bürger der Stadt und der Region. Die Räume stehen auch private Feierlichkeiten zur Verfügung. Die Gastronomie mit Biergarten ist für alle Gäste zugänglich.
154 Jahre Casino-Geschichte sind Ausdruck von Treue und Beständigkeit. Der Festakt zur Feier des 150jährigen Bestehens der Casino-Gesellschaft Wittlich e.V. am 21. September 2008 war ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte. Festredner waren zwei Wittlicher, der Historiker Dr. Klaus Petry und der ehemalige Bundeswirtschaftminister Dr. Hans Friderichs. Vorstand und Mitglieder sind stolz auf die langjährige Tradition ihrer Gesellschaft.
Der plötzliche Tod des 56-jährigen Vorsitzenden Hubert Thönes in diesem Jahr und die zur Zeit vakante Stelle eines Gastronomen bereiten dem Vorstand in diesen Tagen besondere Sorgen, die aber wohl bald behoben sein werden.
Heinz-Friedrich Kaspar ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Casino Gesellschaft.

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