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Der Stadtrat Bernkastel-Kues hatte sich im März dieses Jahres für die Verlegung von "Stolpersteinen" ausgesprochen. Einen entsprechenden Antrag hatte die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, unterstützt vom Bündnis für Menschlichkeit und Zivilcourage Bernkastel-Wittlich e.V., gestellt. Am 9. November werden die "Stolpersteine" enthüllt.

Bernkastel-Kues. (red/sim) Der Kölner Künstler Gunter Demnig wird am Montag, 27. Oktober, vor vier ehemaligen jüdischen Wohnhäusern in Bernkastel und Kues 17 Gedenksteine - "Stolpersteine" - in das Pflaster des Bürgersteiges verlegen. Diese zehn mal zehn Zentimeter großen Messingplatten tragen Namen und Lebensdaten von Opfern des Holocausts aus der Stadt.

Einen Tag zuvor, am Sonntag, 26. Oktober, 19 Uhr, stellt Demnig im Hotel "Burg Landshut" in Bernkastel-Kues in einem Vortrag die Entwicklung des "Stolperstein"-Projektes in Deutschland vor. Alle Bürger sind dazu eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Am Sonntag, 9. November, dem 70. Jahrestag der Nazi-Pogrome in Bernkastel-Kues, werden um 11 Uhr in der Burgstraße 7 vor der ehemaligen Synagoge die ersten sechs Erinnerungssteine für die Familie des Lehrers und Kantors der Synagogengemeinde, Hugo Friedmann, enthüllt.

In Anwesenheit von überlebenden Familienmitgliedern, den Paten der Stolpersteine und interessierten Bürgern wird zu diesem Anlass Jürgen Ries, Kantor der Liberalen Juden Neuwied, jüdische Totengebete singen.

Danach werden zwei Steine für das Ehepaar Doeblin in der Graacherstraße 22 enthüllt, weitere fünf Stolpersteine vor der Schanzstraße 9 für die Familien Kahn und Schömann, sowie in Kues in der Kardinalstraße 63 vier Stolpersteine für die Familie Baum.

Die Paten der Stolpersteine sind unter anderem ehemalige Nachbarn, Vereine, Parteien und Schulklassen aus Bernkastel- Kues. Sie haben nicht nur mit 95 Euro pro Stein die Aktion mitfinanziert, sondern zeigen auch Anteilnahme am individuellen Schicksal ihrer ehemaligen Mitbürger und dem Leidensweg dieser unvergessenen Naziopfer.

Beispielhaft ist das Engagement der vierten Klasse der Cusanus-Grundschule in Kues, die die Patenschaft für den Gedenkstein von Renate Kahn (Schanzstraße 9) übernommen hat. Renate Kahn war acht Jahre alt, als sie mit ihrer Familie am 16. Oktober 1941 von Bernkastel über Trier ins Getto Lodz in Polen deportiert wurde. Dort wurde sie am 15. Januar 1943 zusammen mit ihrer Mutter ermordet, nur weil sie Jüdin war.

Wer sich an der schwierigen Recherche über weitere Bernkastel-Kueser Naziopfer beteiligen möchte, kann sich bei Renate Khoschlessan vom Bündnis für Menschlichkeit und Zivilcourage Bernkastel-Wittlich, Telefon 06531/8021, melden. Wer die Aktion ferner finanziell unterstützen möchte, kann dies unter folgender Bankverbindung des Bündnisses für Menschlichkeit tun: Sparkasse Mittelmosel, Bankleitzahl 58751230, Sonderkonto "Stolpersteine", Konto-Nummer 474114.