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Hilfe, die Hühner sind los – Wittlich voll infiziert

Hilfe, die Hühner sind los – Wittlich voll infiziert

WITTLICH. (scho) Vorsicht, gefährliches Narren-Virus in Wittlich: Zum 22. Geburtstag startete die Narrenzunft "Rot-Weiß" punkt 14.11 Uhr ihren Umzug – und überraschte damit eingefleischte Wittlicher. Denn die sind eigentlich gewöhnt, deutlich länger auf den "Zuch" zu warten.

Mütter bringen ihren Kindern noch schnell den Schlachtruf "Kreiau" bei, damit sie auch schön reichlich mit Bonbons beregnet werden. Tausende Narren säumen die Zugstrecke in Wittlich. Der Glühwein vom Durstlöschfahrzeug schmeckt bei der Kälte besonders gut. Härter Gesottene trinken Stubbis mit Strohhalm und geben die Devise "Heut' noch" aus. "Nee, nee, dat dauert noch bis den Zuch kimmt", stellt eine frierende Vampirin in Aussicht. "Die gehen ja nie vor drei Uhr los", bestätigt der Zauberer daneben. Doch sie sollen sich täuschen. Punkt 14.11 Uhr marschiert die Karavane in der Trierer Landstraße los und trifft etwa zweieinhalb Stunden später auf dem Markt ein, wo bei Live-Musik gefeiert wird. 46 Gruppen mit 880 Teilnehmern erweisen der Wittlicher KG "Rot-Weiß" zum 22. Geburtstag die Ehre. Allein die Rot-Weißen haben sich mit zwei Tonnen Wurfwaren bewaffnet. Ihr Wagen ist mit Schwarz-Weiß Fotos aus der närrischen Zeit geschmückt. Die Wittlicher Möhnen bezaubern als Rokoko-Damen mit großer Frisur. Und natürlich darf in der Säubrennerstadt auch das Schwein nicht fehlen: Die Musiker des Blasorchesters wärmen sich ihre Köpfe mit Plüsch-Schweinchen, "Berlin hat die Merkel, Wittlich die Ferkel" steht auf dem Wagen der "Schääl Said". Die Justizvollzugsanstalt ist Thema einer Sträflingsgruppe, die JVA mit "Jut vür alle" und "Jeder vindet Arbeit" übersetzt. Auch Schloss Phillipsfreude und die römische Villa rollen zur Narren-Belustigung vorbei. Und wen wundert es nach all der Panik: Die Hühner sind los. Gackernd verteilt das Federvieh seine gefährlichen Viren in kleinen Plastikbecherchen, bis alles, was sich nicht wehrt, mit dem Narren-Virus infiziert ist. Wenn die Kreisstädter nun noch lernen, die obligatorischen Karnevalshits etwas deutlicher mitzusingen, erlangen sie echten Narren-Hochburg-Status.