HINTERGRUND

Weg des Rotwilds Von WILDBRÜCKEN als Ausgleich für den Eingriff in die Natur, den große Straßenbauprojekte bedeuten, war in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch keine Rede.

Damals mussten KZ-Häftlinge Tag für Tag Erhebungen des hügeligen Geländes abtragen und mit dem Erdreich ganze Täler wieder verfüllen. Dadurch entstand eine so genannte DAMM-AUTOBAHN, die wie ein wilddichter Riegel wirkt. Während etwa die A 60 zwischen Wittlich und Bitburg über TALBRÜCKEN geführt wird, unter denen die Tiere durchwechseln können, ist dies bei Damm-Autobahnen nicht möglich. Problematisch ist die Situation aber, weil ausgerechnet auf der Höhe von Greimerath ein wichtiger FERNWECHSEL verläuft - eine der alten Routen, die weit wandernde Waldtiere wie Rotwild und Wildkatze seit Jahrhunderten als Verbindung zwischen Ost und West genutzt haben. Über den KONDELWALD, den GRÜNEWALD bei Wittlich und den SALMWALD kamen die Tiere so bis zum KYLLWALD in die Eifel. Für einige Tierarten sind solche Wanderungen überlebenswichtig, da es nur so zum Gen-Austausch mit anderen Populationen kommt. Für seine Wanderungen braucht das Rotwild großflächige Gebiete. Durch Straßenbau, intensive Landnutzung und Zersiedelung gehen nach Aussagen der AG Rotwild des Deutschen Jagdverbands täglich mehr als zehn Hektar Fläche als Wildlebensraum verloren. Die Zahl unzerteilter Naturräume mit einer Mindestgröße von 100 Kilometern ist in Deutschland von 349 Gebieten (1977) auf 225 Gebiete (1999) geschrumpft, und nimmt täglich weiter ab. Rund 11 500 KILOMETER AUTOBAHN haben ihre Spuren hinterlassen. Der Wald wird für die Wildtiere zur genetischen Falle, sie verinseln. (scho)