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historischer Roman über die Lungenpest in Piesport

Literatur : Als an der Spoarkapelle Schluss was

Ein im Jahr 2018 veröffentlichter „historischer Roman“, verfasst nach wahren Begebenheiten, birgt Parallelen zur heutigen Zeit.

Vor etwas mehr als 500 Jahren wurde auch an der Mosel ein Gebiet „abgesperrt“, um die Ausbreitung einer hochansteckenden Krankheit zu vermeiden. Anders als derzeit in der norditalienischen Lombardei wegen des Coronavirus waren aber nicht mehrere Gemeinden betroffen, sondern ein einzelnes Dorf: Piesport.

 Aber auch damals war der Auslöser eine gefährliche Lungenerkrankung. Allerdings war es in den Jahren 1506 bis 1508 die gefürchtete Lungenpest, vor der sich die Menschen zu schützen suchten. Und das mit offensichtlichem Erfolg. Denn die Infektionskrankheit breitete sich wohl tatsächlich nicht weiter aus. Davon zeugt auch der Bau einer „Pestkapelle“ im Nachbarort Minheim, errichtet von Bewohnern aus Dankbarkeit dafür, verschont geblieben zu sein.

Nicht verschont blieben die Bewohner des früheren Dorfes Pies­port, das 1969 mit Ferres und Niederemmel, damals schon vereint mit Reinsport und Müstert, zum heutigen Piesport verschmolz. Wenige schriftlich überlieferte Fakten dokumentiert ein Bildstock, das Spoar­bildchen an der Spoarkapelle. Das Wort Spoar soll im Moselfränkischen „Sperre“ bedeuten. Die Kapelle steht oberhalb des Dorfes und der Weinberge, unterhalb der heutigen Serpentinenstraße nach Klausen. Noch heute führt von der Kapelle ein Fußweg, der „alte Klausener Weg“, hinab ins Dorf. Eben dieser Weg soll mündlichen Überlieferungen nach am Standort der Kapelle abgesperrt gewesen sein. Weitere Sperren waren nicht erforderlich. Moselaufwärts bildet der Nikolausfelsen, moselabwärts die Moselloreley eine natürliche Barriere und statt einer Brücke gab es nur eine Fähre oder bei Niedrigwasser eine Furt. Wegen der natürlichen Grenzen blieb den Piesportern aber auch nur wenig Ackerfläche zum Anbau von Lebensmitteln. Immerhin sollen um 1500 bereits um die 500 Menschen im Ort gelebt haben, von denen nur etwa 16 Prozent die Lungenpest überlebten. Die auf dem Bildstock genannte Zahl „98“ wird als die der Haushaltungen gedeutet, die 1556 bereits wieder auf 48 angestiegen war. Damit die Eingeschlossenen in Piesport nicht verhungerten, versorgten die Menschen aus dem Nachbarort Krames, heute ein Ortsteil von Klausen, sie mit Lebensmitteln, die sie „an der Spoar“ für die Piesporter abstellten.

Auch das ist nur mündlich überliefert – aber über Jahrhunderte hinweg, was einige Geschichtsinteressierte aus Piesport und Umgebung bewog, Fakten und Fiktion in einen historischen Roman zu packen. Das Ergebnis ist eine spannende Geschichte mit erfundenen Personen wie anderen, deren Namen, wenn auch etwas zeitlich versetzt, historisch belegt sind. Gemeinsam lassen sie ihre Leser miterleben, wie das damals gewesen sein könnte.

Für den Spoar-Roman - gewidmet den einstigen Opfern wie denen, die damals halfen – griffen sie auf verschiedene frühere Quellen-Recherchen zurück. Gerd Gessinger fasste diese bereits 2013 in dem von der Ortsgemeinde herausgegebenen Buch „Alt-Piesport und Ferres – Geschichte, Sagen und Erzählungen aus einem alten Moselort“ zusammen und ergänzte sie um aktuelle Erkenntnisse.

Das Buch „An der Spoar - Schicksalsjahre eines kleinen Moseldorfes“ einer Autorengruppe um Peter Essner, ein Pseudonym des Herausgebers Gerd Gessinger/GMG-Soft Gbr, ist im Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-7467-8905-7, Druck und Vertrieb www.epubli.de, Berlin.