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Historischer Weizen von Andreas Esch aus Salmtal

Landwirtschaft : Salmtaler Landwirt baut seltene Weizensorten an

Das Getreide stammt aus einer anderen Zeit. Die alten Sorten beeindrucken nicht nur durch ihre Farbenvielfalt, sie können auch Ernährungsprobleme lösen.

Neben laktosefreien Produkten findet man im Supermarkt auch immer mehr Nahrungsmittel, die als glutenfrei deklariert sind. Grund: Einige Menschen leiden unter einer Weizenunverträglichkeit. Die Lösung dafür könnte in der Vergangenheit zu finden sein, wie Andreas Esch aus Salmtal, Landwirt im Nebenerwerb, meint. Schon seit 2012 baut der Salmtaler alte Getreidesorten an. Eine Bekannte machte ihn damals auf die Farben- und Formenvielfalt der historischen Weizensorten aufmerksam.

„Wenn man normalerweise von alten Getreidesorten redet, hört man oft etwas über Dinkel, Emmer oder Einkorn“, erzählt Esch. Er selbst habe sich auf historische Weizensorten spezialisiert wie den grannigen Kreuzritterweizen oder den aus Ägypten stammenden Wunderweizen. Das Saatgut erhalte er aus Gendatenbanken und von Sortenerhaltungsorganisationen. Beim Anbau beobachte der Salmtaler unter anderem das Wuchsverhalten und die Krankheitsanfälligkeiten der Pflanzen. Dabei verzichte er komplett auf Düngemittel und Pestizide. Das Saatgut zu vermehren sei allerdings ein großer Aufwand: Um seine größte Sorte, den Westerwälder Fuchsweizen, auf einem Hektar anbauen zu können, habe er ganze acht Jahre gebraucht. Er fing mit einem Samentütchen an und musste von Jahr zu Jahr mehr Saatgut gewinnen. Aus den Erträgen der verschiedenen Weizensorten stellt Esch einerseits Mehl her und analysiert dessen Backfähigkeiten, aber den Großteil seiner Ernte nutze er nach wie vor, um das Getreide zu vermehren.

„Es gibt Vor- und Nachteile der alten Sorten“, erläutert Esch. „Aufgrund der Besonderheit der Zeit, aus denen der Weizen stammt, haben die Arten durch ihre genetische Veranlagung einen sehr geringen Nährstoffanspruch – wenn man sie düngt, fallen sie um.“ Daher könne man sie gut in nitratbelasteten Gebieten anbauen, meint der junge Landwirt, der auf seinen Feldern in Salmtal mit den alten Getreidesorten experimentiert.

Esch: „Durch den Klimawandel gibt es immer trockenere Sommer, alte Weizensorten können das aufgrund ihrer tiefreichenden Wurzeln besser verkraften als moderne Sorten.“ Er sehe also für alte Getreidesorten ein großes Potenzial für den Einsatz in Wasserschutz- oder nitratbelasteten Gebieten. Aber das historische Getreide habe noch weitere Vorteile, sagt Esch, wie in der Ernährung. Professor Detlef Schuppan entdeckte 2012 den sogenannten Inhaltsstoff „ATI“. Der pflanzeneigene Inhaltsstoff „ATI“ sei im heutigen Weizen sehr hoch konzentriert und könne für eine Weizenintoleranz sorgen, erklärt der begeisterte Weizenanbauer. „Die alten Sorten besitzen weniger von diesem Inhaltsstoff. Auch das macht sie zu einem wertvollen Lebensmittel.“ Besonders ist der alte Weizen laut Esch für den Ökoanbau geeignet. Durch seine Langstrohigkeit mit Wuchshöhe von bis zu 1,50 Metern unterdrücke die historischen Sorte Unkräuter, wohingegen der heutige Weizen maximal 70 Zentimeter lang werde. Zu alledem müsse aber auch gesagt werden, dass der Ertrag sehr gering sei. Esch: „Bei dem modernen Weizen können das sechs bis acht Tonnen pro Hektar sein. Im Gegensatz dazu liegt der Ertrag von beispielsweise dem Westerwälder Fuchsweizen bei eineinhalb bis zwei Tonnen pro Hektar.“ Das müsse dann, wie der Salmtaler Landwirt im Nebenerwerb meint, mit einem höheren Verkaufspreis kompensiert werden.

Für den Westerwälder Fuchsweizen habe er nun die Zulassung vom Bundessortenamt erhalten, das Saatgut weiterzuverkaufen. „Ich habe auch schon interessierte Landwirte aus Wittlich und dem Westerwald, also da wo die Sorte ursprünglich herkommt“, sagt Esch. Diese Sorte besitze einen hohen Proteingehalt und könne für ein backfähiges Mehl genutzt werden. „Der Westerwälder Fuchsweizen steht auf der roten Liste der Nutzpflanzen. Wenn die Sorten nicht mehr angebaut werden, verschwinden sie vollständig mit all ihren Eigenschaften.“

Besonders die Vielseitigkeit des Getreides begeistert Esch. „Sie unterscheiden sich durch Farbe, Formen und Inhaltsstoffe. Zu der Weizenvielfalt ist eigentlich kaum etwas bekannt“, meint der Nebenerwerblandwirt. Aber auch die Biodiversität sei beeindruckend. „Man hat eine große Vielfalt auf dem Acker, auch durch die Begleitflora, wie beispielsweise Ackerstiefmütterchen oder Margeriten und den ganzen Insekten.“