Hitlerbart und Nazi-Sprüche

"Haus der Juden" und "Eingang KZ" - mit solchen Sprüchen sind Anfang Juli die Eingangstüren am Haus der Jugend in Wittlich und die Tischtennisplatte hinter der Einrichtung beschmiert worden. Es ist nicht der einzige Fall mit rechtsradikalem Hintergrund.

Wittlich. Das Haus der Jugend, das regelmäßig Veranstaltungen wie "Rap gegen Rechts" oder die Jugendpolitik-Talkshow "Rosa Sofa" organisiert, ist vor kurzem zur Zielscheibe geworden: Vermutlich eine Gruppe Jugendlicher hat an einem Samstagnachmittag im Juli Hakenkreuze und Parolen mit fremdenfeindlichem und nationalsozialistischem Hintergrund auf verschiedenen Gegenständen der Einrichtung hinterlassen - alle geschrieben mit einem schwarzen Stift. War das nur ein dummer Streich - oder sind in Wittlich junge Nazis unterwegs?

"Das ist schwer zu sagen, wenn man keinen Täter hat", sagt Martin Nellinger von der Polizei in Wittlich. Einen ernsthaften rechtsradikalen Hintergrund vermutet er aber hier wie auch bei früheren Fällen nicht. "Das waren keine Erwachsenen, die sich dabei etwas gedacht haben. Wenn Nazis am Werk sind, sieht das anders aus."

Das glaubt auch Hao Vu, der sich ehrenamtlich im Haus der Jugend, beispielsweise bei Moderationen, engagiert. Er hat die Schmierereien an dem Tag entdeckt und die Polizei gerufen. "Das waren wahrscheinlich ein paar Jungs und Mädels, die einfach Langeweile hatten. Richtige Nazis demolieren eher im großen Stil, das ist zumindest meine persönliche Einschätzung." Der 20-Jährige fügt hinzu: "Aber als ich gesehen habe, was die da geschrieben haben, war ich schon wütend, enttäuscht und traurig."

"HDJ = Haus der Juden" und "Juden gehören in die Gaskammer", stand zum Beispiel auf der Tischtennisplatte, ein Gesicht mit Hitlerbart war auch darauf gezeichnet. An die Eingangstüren hatten die Jugendlichen unter anderem "Eingang KZ" geschrieben. Ein Sachschaden entstand nicht. Die Spuren der Verwüstung haben Mitarbeiter vom Haus der Jugend in den Tagen danach selbst entfernt. "Das hat aber schon eine Weile gedauert", sagt Vu.

Ein Hakenkreuz wurde der Polizei vor kurzem auf einer Wiese bei Schladt (VG Manderscheid) gemeldet. Das ist mittels einer Schablone auf das Gras gesprüht worden - und zwar mit Unkrautvernichtungsmittel, so dass es erst Tage später zu sehen war. Auch hier ist der Täter unbekannt. Die Alte Synagoge in Wittlich ist ebenfalls schon mal mit Nazi-Sprüchen beschmiert worden (siehe Extra).

Dieses Jahr hat es in der Stadt noch einen Vorfall mit rechtsradikalem Hintergrund gegeben. Im Februar hat ein 22-Jähriger ohne Vorwarnung einem Türken das Nasenbein gebrochen. Zuvor war er in ein Lokal in der Wittlicher Innenstadt gestürmt, wo das Opfer arbeitete, und hatte Nazi-Parolen gegrölt. Auf seinem Handy fanden die Polizisten später ein Hakenkreuzsymbol als Bildschirmschoner.

Gegen den Mann, der bereits mehrfach wegen Körperverletzungs- und Eigentumsdelikten aufgefallen und der Polizei bekannt war, ist Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Beleidigung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen erhoben worden. Eine Aussage über die zu erwartende Strafhöhe sei derzeit noch nicht möglich, teilt Ingo Hromada von der Trierer Staatsanwaltschaft mit.

Die Wittlicher Beamten haben bisher keine Hinweise, wer für die Nazi-Parolen im Haus der Jugend verantwortlich ist. Auch eine Befragung beim sozialen Netzwerk Facebook sei ergebnislos geblieben, erklärt Nellinger. Eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe droht bei solchen Delikten.

Vu glaubt nicht daran, dass die Schuldigen noch gefunden werden. "Höchstens, wenn die mal irgendwo damit prahlen und das jemand mitbekommt." Dass etwas Ähnliches wieder passieren könnte, denkt er aber schon.Extra

Hakenkreuz und SS-Rune haben Unbekannte vor fünf Jahren an die Alte Synagoge in Wittlich geschrieben. Bis heute hat man die Täter nicht ermittelt. Die Trierer Staatsanwaltschaft hatte damals sogar eine Belohnung von 2500 Euro für Hinweise ausgesetzt. Die verfassungsfeindlichen Zeichen und Nazi-Parolen wurden in einer Nacht zum Freitag auf die Eingangstür und einen Türpfeiler des ehemaligen jüdischen Gotteshauses geschrieben. Wegen der unterschiedlichen Schriftzüge gingen die Ermittler davon aus, dass mehrere Täter am Werk waren. Die Stadt hatte umgehend Anzeige erstattet. eib