1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Hobby-Fotograf Paul Valerius hält in Dreis alte Bauten fotografisch fest

Heimat erhalten : Dreiser Tabak für die Pfeifen – Paul Valerius fotografiert alte Bauten

In der Gemeinde im Wittlicher Land stehen derzeit noch steinerne Zeitzeugen des Tabakanbaus. Hobby-Fotograf Paul Valerius hält sie für die Nachwelt mit seiner Kamera fest.

Ein Schuppen, im Untergeschoss gemauert und darüber eine einfache Holzverlattung: Auf den ersten Blick ein Gebäude wie viele in der Region. Aber dennoch ist er  etwas Besonderes, denn es handelt sich um einen Trockenschuppen für Tabak. Aber: Seine besten Tage hat er hinter sich, und Tabakblätter hat er auch schon lange nicht mehr gesehen.

Der Beweis, dass es sich tatsächlich um einen Tabakschuppen handelt, ist eine Baugenehmigung, die am 14. März 1948 ausgestellt worden ist. Darin heißt es: „Der Antragsteller ist zum Tabakanbau verpflichtet. Ein Trockenschuppen ist nicht vorhanden, und eine Erstellung desselben ist daher dringend erforderlich.“ Fünf Reichsmark musste der Antragsteller, der Landwirt Heinrich Steffgen, für die Genehmigung zahlen. Der Schuppen selbst hat 435 Reichsmark gekostet, und die Bauzeit betrug eine Woche. Planer und Architekt war Firma Johann Meiers aus Dreis.

Der Trockenschuppen in der Freien Reichsstraße in Dreis war nicht der einzige im Dorf, denn nach dem Krieg gehörte der Ort zur französischen Besatzungszone, und die Franzosen machten den Bauern Vorschriften, was sie auf ihren Feldern anbauen durften. Tabak zählte dazu, und deshalb erteilten sie dazu auch die Baugenehmigungen für Tabakschuppen. Die Schriftstücke waren auf Deutsch und Französisch verfasst.

Paul Valerius, der seit vielen Jahren mit seiner Kamera Veränderungen im Dreiser Ortsbild dokumentiert und sich für die Geschichte seines Dorfs interessiert, erklärt: „Es gab mehrere Trockenschuppen in Dreis. Die Dreiser Bauern haben für ihren Eigenbedarf versteckt angebaut.“ Weiter sagt er: „Mit speziellen Rezepturen haben sie den Tabak zur Geschmacksentfaltung gebracht und vorzugsweise in der Pfeife geraucht, wie mir ein älterer Landwirt aus seiner eigenen Erfahrung berichtete.“

Paul Valerius hat den Schuppen mit seiner Kamera fotografiert, so dass man auch in einigen Jahrzehnten noch weiß, dass es ihn und den Tabakanbau in Dreis gegeben hat. Dazu berichtet er: „Meine Fotos sollen helfen, das, was gewesen ist, zu bewahren und darüber nachzudenken.“

Das gilt nicht nur für seine Fotos von Dreis, sondern auch für seine aktuelle Ausstellung in den Räumen des Optikers Meyenschein in Wittlich, wo seine Bilder zur Zonengrenze gezeigt werden.

Neben Dreis hat es auch in Wittlich-Neuerburg und Altrich Tabakanbau gegeben. Die Bedingungen für die Pflanze waren in der Wittlicher Senke und ihren Ausläufern, sehr gut. Sie braucht lehmig-sandige Böden und eine sonnige Lage.