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Hobbylandwirt aus Salmtal hat Mistern den Kampf angesagt

Natur : Mehr Schmarotzer durch Corona?

Manfred Hower aus Salmtal musste in diesem Jahr besonders viele Misteln von seinen Obstbäumen schneiden.

Der Druide Miraculix schneidet mit einer goldenen Sichel Misteln und braut damit den berühmten Zaubertrank, der Asterix und Obelix ihre unglaublichen Kräfte verleiht. So zumindest im Comic. In der Realität braucht Manfred Hower Geschick und ein gutes Auge, um gegen die Misteln in seinen rund 60 Apfelbäumen zu kämpfen.

Der sagenumwobene Halbschmarotzer (siehe Info) breitet sich immer mehr aus. Das jedenfalls ist die Beobachtung des Hobby-Landwirts aus Salmtal. Einen Grund sieht Hower darin, dass viele Bäume nicht mehr gepflegt werden. Wenn der jährliche Schnitt fehle, könnten  auch Misteln besser gedeihen. Es reiften mehr Samen und die Chance, dass diese von Vögeln auf andere Bäume getragen würden, wachse. „Es ist ein Kampf gegen Windmühlen“, sagt Hower. Auf seiner etwa zwei Hektar großen Streuobstwiese hat er alle Bäume von Misteln befreit. Aber nur einen Steinwurf entfernt stehen zwei alte Apfelbäume, die schon im zeitigen Frühjahr grün vom Mistelbewuchs sind.

„Eigentum verpflichtet auch“, findet Hower. Er wäre froh, wenn sich die Besitzer mehr um ihre Bäume kümmern würden. Immerhin wächst daran das Obst direkt in der Region.

Misteln entziehen ihren Wirtspflanzen Wasser und Mineralien. Der Ertrag leidet. Gerade in den zuletzt trockenen Jahren. Bei starkem Mistelbefall ist sogar der gesamte Baum gefährdet. „Ältere Bäume können absterben,“ sagt Hower und zeigt auf die beiden Apfelbäume auf dem angrenzenden Grundstück, denen er nicht mehr viele Sommer gibt.

Um seine Bäume vor einem solchen Schicksal zu bewahren, entfernt Hower beim jährlichen Schnitt auch die Misteln. „Man muss den Ast mindestens 20 Zentimeter vor der Mistel abschneiden, weil sie sich in den Baum reinfrisst“, erklärt Hower. Sonst treiben die Schmarotzer  Rindenwurzeln umso häufiger aus. Diese wachsen dann allerdings sehr langsam, um jeweils eine Verzweigung pro Jahr. Große, kugelrunde Mistelbälle bis zu ein Meter im Durchmesser sind oft mehrere Jahrzehnte alt.

Hauptsächlich seien Apfelbäume vom Mistelbefall betroffen, hat Hower beobachtet. Birn- oder gar Kirschbäume nicht. In einem Flyer stellte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) 2016 fest, dass sich die Laubholzmistel seit den 1990er Jahren in Süd- und Mitteldeutschland ausbreite. Aber auch, dass dies nicht nur in unserer Zeit ein Problem ist. Das NABU-Papier weist darauf hin, dass schon 1554 in der Schweiz Misteln bekämpft wurden.

Manfred Hellmann vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) bestätigt, dass man schon in früheren Jahren eine Verbreitung von Misteln beobachtet hat. Das sei aber regional unterschiedlich. Wichtig: Misteln stehen nicht unter Naturschutz.

Im Saarland wurde Ende des vergangenen Jahres die Vermutung geäußert, dass sich die Schmarotzerpflanze auch wegen der Corona-Pandemie stärker ausbreite. Begründung: Weil Herbst- und Weihnachtsmärkte wegen der Beschränkungen ausgefallen sind, wurden auch keine Misteln von den Bäumen geschnitten, um diese als Adventsschmuck zu verkaufen.