Hoch auf dem lila-roten Kardinalswagen

Hoch auf dem lila-roten Kardinalswagen

Schon über 30 Jahre fahren Werner Hermes und Horst Schüler auf dem Kueser-Kardinalsberg-Wagen während des Weinfest-Umzugs mit. Auf der drei Kilometer langen Tour schenken sie viel Wein aus, sie können aber auch viele lustige Geschichten erzählen.

Bernkastel-Kues. Standfestigkeit und die Liebe zum Wein - das sind Eigenschaften, die "Wagensteher" beim Weinfestumzug auszeichnen. Werner Hermes und Horst Schüler verkörpern seit über 30 Jahren Mönch und Schriftgelehrten auf dem Festwagen "Kueser Kardinalsberg".
Rund 1500 Teilnehmer auf Festwagen, in Fuß- und Tanzgruppen, Musikkapellen oder als Schilderträger, als Weinausschenker oder Ordnungshüter machen mit beim großen Winzerumzug. Zwei, die seit Jahrzehnten mitmischen, sind der Mönch Werner Hermes und der Schriftgelehrte Horst Schüler, die vom Kardinalswagen aus die Menschenmenge grüßen. Beide haben schon einige Kardinäle miterlebt und überlebt. Der Festwagen erinnert an den berühmtesten Sohn der Stadt, Nikolaus von Kues und an die nach ihm benannte Kueser Weinlage. Winken und trinken - das mache großen Spaß, verraten die zwei Männer. Stehvermögen ist nötig - und das bringen sie als passionierte Turner mit. Als der Turnverein einst Darsteller für den Kardinalswagen suchte, waren sie sofort dabei.
Horst Schüler fuhr Anfang der 60er Jahre noch auf dem Doktorwagen mit, bevor er später auf den Kardinalswagen wechselte. "Man muss würdig schauen und eine besondere Ausstrahlung haben", erklärt er mit einem Schmunzeln. Der 72-Jährige erinnert sich noch an so manche lustige Begebenheit. Etwa die, als er auf seinem Weg vom Umkleidehaus zum Wagen die Strumpfhose unter der Kutte zu verlieren drohte. Da kam ihm eine nette Bewohnerin der Burgstraße zu Hilfe. "Ihr Seil diente meiner Hose als Gürtel", erinnert sich Schüler. Der Kaplan neben ihm auf dem Wagen musste immer eine schwere Bibel in der Hand halten. "Auf die hat er aber schnell verzichtet, denn das dicke Buch hinderte sehr am Trinken", lacht Schüler.
150 bis 200 Flaschen mussten stets für den Weinausschank an die durstigen Gäste an der Zug strecke aufgezogen werden, sagt Hermes. "Wir haben aber stets auch einige Flaschen für die Mitarbeiter des Bauhofes übrig." Hoch auf dem Wagen zu stehen, könne eine recht wacklige Angelegenheit sein: "Das kommt ganz auf die Fahrkünste des Traktorlenkers an", berichtet der 75-Jährige. Auch bei Nässe von oben gibt es kein Entrinnen. "Vor einigen Jahren erlebte der Umzug den großen Regen, da waren die Trompeten innerhalb weniger Minuten voller Wasser und unsere Kleider schwer wie Blei" erinnert sich der "Mönch".
Für den pünktlichen Start des Festzuges sorgte lange Zeit Helmut Theis, besser bekannt unter "TZ". Seit einigen Jahren gibt Norbert Schmitt, aktiv bei den Bernkasteler Pfadfindern, das Startsignal. Er sorgt auch dafür, dass alle 80 Nummern des Festzuges an ihrem Platz stehen. Am neuen Feuerwehrhaus in der Burgstraße nimmt er seine Aufstellung und reicht hoch bis zur Straßeneinmündung Burg Landshut. Mit dem traditionellen Böllerschuss setzt sich der farbenprächtige Zug zu seinem drei Kilometer langen Weg von Bernkastel bis Kues in Bewegung. Und da Petrus persönlich auf dem Wagen "Graacher Himmelreich" zugegen ist, muss sich ums passende Wetter keiner Sorgen machen. mbl

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