Infrastruktur : Hält der Hochmoselübergang, was er versprochen hat?

Mehr als ein halbes Jahr nach seiner Eröffnung stellt sich die Frage, ob der Hochmoselübergang die an ihn geknüpften Erwartungen erfüllen kann. Volksfreund.de macht den Faktencheck, zieht ein Fazit und lässt Experten zu Wort kommen.

Seit November 2019 ist die Hochmoselbrücke nun schon für den Verkehr freigegeben. Das ehemals heftig kritisierte Bauwerk verbindet die Eifel mit dem Hunsrück. Vor einem knappen Jahr sprach der TV in der fünfteiligen Serie „Brückenschlag“ mit Wirtschaftsexperten, Touristikern und Politikern über die Auswirkungen der neuen Brücke auf Wirtschaft, Pendler und Tourismus.

Haben sich die Prognosen der Experten bewahrheitet? Wir haben nochmal nachgehakt. Im ersten Teil der Serie bittet der TV Frank Weigelt um sein Fazit. Der Vorsitzende des Wirtschaftskreises Bernkastel-Wittlich mit Mitgliedern aus Eifel, Mosel und Hunsrück sah damals positive Effekte für die Region – besonders im Hinblick auf den Mangel an Facharbeitern. Inwiefern sind seine Prognosen eingetroffen? Obwohl der Hochmoselübergang nun bereits weit über ein halbes Jahr befahrbar ist, möchte sich Weigelt aufgrund der aktuellen Beeinträchtigungen des Arbeitsmarktes aufgrund der Corona-Krise noch nicht festlegen.

Seine Haltung gegenüber der Brücke ist zwar nach wie vor positiv, „aber man kann noch nicht sagen, ob meine Aussagen von damals zutreffen. Die Corona-Pandemie hat den Verkehrsfluss erheblich beeinträchtigt.“ Somit hätten ich die Rahmenbedingungen völlig verändert, meint Weigelt. Der Zeitpunkt für eine abschließende Bewertung sei noch nicht gekommen.

Tourismus  Durch Corona habe sich die Situation im Tourismus verändert, erklärt der Wirtschaftskreisvorsitzende. „Sonst sind die Autobahnen um diese Zeit voller holländischer Wohnwagen. Da fragt man sich doch: Wo sind die ganzen Holländer geblieben? Die bleiben natürlich jetzt in ihrem eigenen Land. Der Hochmoselübergang wird daher nicht von ihnen genutzt.“ Der erwartete positive Effekt auf den Tourismus bleibe deshalb derzeit aus. Vor einem Jahr vermutete er (unsere Zeitung berichtete), die neue Brücke werde den Tourismus im Hunsrück durch darüber einströmende Holländer und Belgier beleben. Aus den Benelux-Ländern gäbe es derzeit aufgrund der Corona-Krise jedoch weniger Touristen. „Dafür machen jetzt die Deutschen an der Mosel Kurzurlaub. In zwei bis drei Jahren kann man mehr zu dem Thema sagen.“ Auch zur Bewertung der Auswirkungen auf den Tourismus scheint es Weigelt noch zu früh.

Wirtschaft/Pendler Welche Wirkung auf den Arbeitsmarkt hat der Hochmoselübergang? Weigelt erhoffte sich damals von dem Megabauprojekt mehr Fachkräfte und Pendler, die über die neue Brücke nach Wittlich kommen würden. Doch auch das sei durch die Corona-Krise nun schwer zu beurteilen, sagt Weigelt. „Mehrere Wittlicher Firmen und somit auch viele Arbeitskräfte sind momentan in Kurzarbeit. Es sind nicht mehr Pendler geworden, sondern weniger, da jetzt viele im Homeoffice arbeiten.“  Daher seien die Straßen zu ihren eigentlichen Hochphasen nun leer. „Ich selber kam jetzt knapp siebeneinhalb Wochen mit einer Tankfüllung aus. Früher waren das schon mal zwei bis drei in einer Woche.“

Verkehr Eine Auswirkung des Hochmoselübergangs hat Weigelt, wie er sagt, von einem Anwohner erfahren. Am Moselufer auf der Hunsrückseite sei nun viel mehr Verkehr, da die Leute, um nach Zeltingen-Rachtig oder nach Bernkastel-Kues zu gelangen, vom Hochmoselübergang über die Ausfahrt Richtung Lösnich abfahren würden. Dies sei auch schon vor der aktuellen Umleitung, die den Verkehr zwischen Platten und Bernkastel-Kues derzeit ausnahmslos über den Hochmoselübergang führt,   so gewesen.

<div class="park-video" data-video-id="jwRI8TMAT0M"> <img class="park-video__cover" src="https://i.ytimg.com/vi/jwRI8TMAT0M/maxresdefault.jpg" alt=""> <!--[IF !IE]> --><noscript><!-- <![ENDIF]--> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=jwRI8TMAT0M" class="park-video__fallback" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow"></a> <!--[IF !IE]> --></noscript><!-- <![ENDIF]--> </div>
Dieses Element enthält Daten von Youtube. Sie können die Einbettung solcher Inhalte auf unserer Datenschutzseite blockieren
Fahrt über den Hochmoselübergang

Einzelhandel/Gewerbe Der Wirtschaftskreis Bernkastel-Wittlich, der 190 Unternehmen inklusive 22 000 Arbeitsplätze aus verschiedensten Branchen repräsentiert, musste alle Veranstaltungen seit März absagen. Daher könne man sich auch nicht mit anderen Unternehmen über beispielsweise den Einzelhandel oder das Gewerbe austauschen, sagt Weigelt.
Dieses Jahr sei für jede Branche eine besondere Herausforderung,   für Dienstleister, Handwerker und Gewerbetreibende, sagt der Vorsitzende des Wirtschaftskreises.

Für ein Fazit zu den Auswirkungen des Hochmoselübergangs auf Wirtschaft, Pendler und Tourismus ist es nach seiner Einschätzung noch zu früh.