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Hochwasser: Diese Hilfe kommt aus Bernkastel-Wittlich für Flutopfer

Nach Flutkatastrophe : Die Hilfe darf nicht abreißen – So engagieren sich Menschen aus der Region weiter für Hochwasseropfer

Sechs Wochen nach der Flutkatastrophe sind die Schäden an vielen Orten in der Eifel oder an der Ahr noch immer groß. Die Betroffenen brauchen dringend weiter Hilfe. Aus der Region bekommen sie welche:

Mehr als 80 000 Helfer aus ganz Deutschland sind in den vergangenen sechs Wochen von einem privaten Bus-Shuttle, der in der Grafschaft startet,  ins Katastrophengebiet an der Ahr gebracht worden, morgens hin und ab dem späten Nachmittag wieder zurück. Zu ihnen gehört auch Helmut Breit aus Neumagen-Dhron. Mehrfach war er bereits vor Ort, hat in seinem Wohnmobil übernachtet und ist tagsüber  ins Tal gebracht worden. Die Hilfsbereitschaft vor Ort durch die Freiwilligen und die Organisatoren des Shuttles lobt er (“Viele opfern ihren Jahresurlaub, um zu helfen. Ohne Freiwillige geht es gar nicht an der Ahr.“). Alles funktioniere reibungslos, es gebe immer Verpflegung an der Basisstation, zudem medizinische Hilfe, falls man sich verletzte oder seine  Hepatitis- oder Tetanusimpfung auffrischen müsse. 

Trotz der bisher großen Hilfsbereitschaft, auch durch Spenden, gibt es an der Ahr eine große Sorge: dass die Hilfsbereitschaft der Freiwilligen abnimmt oder gar ganz aufhört. Dabei gibt es derzeit noch viel zu tun, zu groß waren die Schäden im sonst so beschaulichen Flusstal.

Auch Menschen sind noch in Gefahr: Die Lebensgefährtin von Breit  hat die Oder-Flut im Jahr 2002 miterlebt. „Sie sagt immer: Nach der Flut sind mehr Menschen gestorben als durch die Flut“, erzählt er. Ihnen sei alles genommen worden, sie hätten nicht mehr gewusst, wohin sie gehen sollten und wie es weitergehe. Dieses Schicksal könne auch die Menschen an der Ahr treffen, denn vor allen Dingen in Bad Neuenahr-Ahrweiler leben sehr viele ältere Menschen. „Sie haben oft keine Angehörigen vor Ort, niemanden, der ihnen hilft“, sagt Breit. Auch deshalb sei die Hilfe durch Freiwillige weiter so wichtig.

Treffpunkt für die Helfer, um ins Ahrtal zu kommen – von der Anfahrt ins Tal mit privaten Fahrzeugen wird abgeraten – ist der Innovationspark-Rheinland, der über die  A 61, Ausfahrt Grafschaft-Ringen, gut zu erreichen ist. Von dort aus fährt der Shuttle regelmäßig morgens, die Rückfahrt ist ab 16.30 Uhr ab dem Ort, an dem man rausgelassen wurde. Die Helfer sollen Gummistiefel und Handschuhe mitbringen, zudem für den Eigenbedarf an dem Tag Wasser und etwas zu Essen, allerdings ist die Versorgung vor Ort auch gut.  Falls vorhanden, können die Helfer auch Besen, Abzieher, Schaufel und Eimer mitbringen. Vor Ort gibt es  konkrete Infos. Die Organisatoren des Camps in Ringen, das direkt neben dem Haribo-Werk ist, stellen Helfern bei Bedarf auch Schlaf- und Duschmöglichkeiten zur Verfügung.

Ulla Wendland aus Wintrich engagiert sich  ebenfalls  für die Flutopfer im Ahrtal. Gemeinsam mit zwei anderen Frauen – eine  aus Hannover sowie eine andere aus der nordrhein-westfälichen Stadt Kempen (Kreis Viersen) ist eine Gruppe bei Facebook entstanden. Dort wird Hilfe für die Umsetzung eines Projektes für die Weihnachtszeit an der Ahr gesucht. „Hierfür brauchen wir viele, viele Utensilos“, schreibt Wendland. Utensilos sind Stoffkörbchen, die leicht zu nähen sind. Sie werden von Wendland und anderen Helfern mit Süßigkeiten oder anderen Sachspenden befüllt. „Heute Morgen war ich in Tholey und habe Spielzeug abgeholt“, sagt Wendland, bald bekomme sie eine Spende über 3100 Pralinen.

Mit Hilfe der Spedition Rothschild aus Ulmen werden die bei ihr abgegeben Spenden nach Kempen transportiert, wo sie gebündelt gesammelt und, so Wendland, von den dortigen Benefiztruckern an die Ahr gebracht werden. „Dort werden sie an Dorfpaten verteilt, die sie an die Betroffenen in ihren Orten verteilen“, sagt Wendland. Eine weitere Sachspende, die Ulla Wendland bekommen hat, die aber nicht in ein Utensilo passt: Sie hat aus der Vulkaneifel die Zusage über 100 Weihnachtsbäume bekommen, die für Menschen im Ahrtal bestimmt sind.

Auch  Jennifer und Tim Weber vom Manderscheider Unternehmen Preventlia, das Familien bei Gesundheits- und Ernährungsfragen im Alltag berät,  möchten für Flutopfer spenden. Unter dem Motto „Tue dir und anderen etwas Gutes" haben sie ein Ernährungsbuch  als E-Book zusammengestellt in dem  350 Rezepte und 46 Wochenplänen und Einkaufslisten „für die abwechslungsreiche Familienküche“ zusammengefasst sind. Pro verkauftem Buch spenden sie zehn Euro an regionale Flutopfer.

„Die Idee kam uns spontan“, sagt Jennifer Weber. Das Buch habe es vorher noch nicht gegeben, die Rezepte und Wochenpläne stammten aus ihrem Coaching der Eltern in den vergangenen eineinhalb bis zwei Jahren. Als die Flut kam, habe man in einer spontanen Aktion das E-Book zusammengestellt mit der Idee, zehn Euro aus dem Verkauf bis zum 31. August zu spenden. Wohin genau, wisse man noch nicht. „Aber es soll an Bedürftige aus der Eifel gehen“, sagt Jennifer Weber. Das Buch ist im Internet unter  www.preventlia.de/ernaehrung zum Download bereit.

Kontakt zu den Organisatoren der Freiwilligen für die Hilfe im Ahrtal gibt es  per E-Mail an info@helfer-shuttle.de. Ins Navi können Anreisende  folgende Adresse eingeben:  Ahrtalstraße 5, 53501 Grafschaft. Wer Sachspenden abgeben möchte, eine Anleitung zum Nähen der Utensilos  oder weitere Infos zur Weihnachtsaktion an der Ahr benötigt, kann sich an Ulla Wendland, Bergstraße 11 in Witrich, E-Mail an ulla.wendland@t-online.de wenden.