Höchste Anerkennung

Unter der Unterschrift "Unverdientes Mitleid" kritisierte Herrmann Hillebrand die szenische Lesung "Liebesbriefe an Adolf Hitler" am 9. November in der Kultur- und Tagungsstätte Synagoge und wünscht deren Absetzung.

Das zu fordern ist unbegreiflich und seine Argumentation abwegig. Die Wittlicher können stolz darauf sein, dass die Stadtverwaltung gerade diese Lesung für diesen besonderen Gedenktag der "Reichskristallnacht" sowie der jüdischen Opfer ausgesucht hat. Einen besseren Tag und einen besseren Ort kann es nicht geben! So viel Mut und Weitsicht verdient aus vielerlei Gründung unsere Anerkennung. Ich würde mir als "bekennender Jude" und Mitglied etlicher jüdischer Gremien wünschen, andere Städte würden dem Vorbild von Wittlich folgen. Diese Lesung beschäftigt sich direkt und indirekt mit der qualitativen Frage: "Warum ist es passiert? Warum hat sich der Holocaust in dieser fabrikmäßigen Form so perfide perfektionieren können? Warum gab es keinen Widerstand gegen die Nazis, warum gab es so gut wie keine Solidarität mit den Verfolgten, warum kam es gerade in einem so hoch zivilisierten und kultivierten "Land der Dichter und Denker" zu diesen vollkommen unerklärbaren Massenmorden? Der diesjährige Wittlicher Gedenktag an die "Reichskristallnacht" und deren jüdischen Opfer sollte mit aller Offenheit und ohne die bekannte Verdrängungsneigung begangen werden. Hier ist bedingungslose "Erinnerungsarbeit" gefordert, wenn man es ernst meint. Die Erinnerung hält die Toten lebendig und segnet ihr Andenken. Und wer den Opfern der Vergangenheit gedenken will, sollte dies auch mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft tun, damit deren historischer Opfertod nicht umsonst war und nicht von der Asche der Geschichte begraben wird. Kurzum: Erinnerung braucht Gegenwart und Zukunft, will sie uns ein verlässlicher, hilfsbereiter und nach vorne weisender Wegbegleiter sein. Was wir nicht brauchen, sind Denkverbote, Meinungskonserven und Vorurteile! Yaghoub Khoschlessan (Anmerkung der Redaktion: Der Autor ist Vorsitzender des Bündnisses für Menschlichkeit und Zivilcourage Kreis Bernkastel-Wittlich)