Finanzen : Höhere Kosten für Kita-Plätze im Kreis Bernkastel-Wittlich

Die Gebühren für Kinder unter zwei Jahren in Kindertagesstätten im Landkreis Bernkastel-Wittlich verdoppeln sich zum ­1. Januar 2019. Eltern sind von mangelnder Kommunikation enttäuscht.­

Die Wartelisten für die Kindertagesstätten im Kreis Bernkastel-Wittlich sind in vielen Orten zwar kürzer als in Großstädten. Wer allerdings sein Kind, wenn es noch keine zwei Jahre alt ist, in die Obhut einer Kita geben möchte, muss dafür ab Januar tiefer in die Tasche greifen. Lag der Höchstsatz bisher bei 254 Euro, steigt dieser im neuen Jahr – je nach Einkommen – auf bis zu 500 Euro pro Monat.

Ein betroffener Vater aus Enkirch, Daniel Immich, ist von der Erhöhung überrascht: „Ich sitze im Ortsgemeinderat, und dort wusste niemand was von dem Beschluss des Kreises.“ Der selbstständige Winzer ist Vater einer dreijährigen Tochter, weiterer Nachwuchs ist gerade unterwegs. „Eigentlich wollten wir das Angebot der Enkircher Kindertagesstätte in Anspruch nehmen“, so Immich. „Doch jetzt müssen wir nochmal nachrechnen.“ Ähnlich wird es wohl vielen anderen Eltern gehen, denn die Kosten für den Platz richten sich gemäß der neuen Berechnungsgrundlage nach dem Einkommen der Eltern. „Für Alleinerziehende mit geringen Geldmitteln ist das natürlich eine große Erleichterung“, betont der Winzer. Dabei versteht er die Erhöhung durchaus, schließlich wird vieles immer teurer.

„Mich stört vor allem die mangelnde Kommunikation des Landkreises“, bemerkt Daniel Immich, der nicht versteht, warum der Ortsgemeinderat Enkirch nichts davon wusste. Erst eine Erzieherin im Kindergarten habe ihn darauf aufmerksam gemacht. „Zunächst wurden mühsam diese Plätze für Kinder unter zwei Jahren geschaffen und jetzt ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass viele Plätze nicht mehr genutzt werden, weil es sich bei den hohen Preisen für viele Familien finanziell nicht lohnt“, so Immich weiter.

Der Beschluss des Kreistages im Mai 2018 wurde damit begründet, dass der Kreis Bernkastel-Wittlich „deutlich unter der Kostenbeteiligung der Nachbarlandkreise liegt“. So liegt der Höchstsatz im Eifelkreis Bitburg-Prüm seit Januar 2018 bei 500 Euro, in Trier sind es seit Januar 2015 546 Euro. Mit der neuen Regelung in Bernkastel-Wittlich muss bei einem Haushalt mit zwei Elternteilen und einem Nettoeinkommen zwischen 2474 Euro und 2574 Euro mit 245 Euro pro Monat gerechnet werden. Bei 2474 lag vorher die Grenze, ab der Familien den Höchstsatz von 254 Euro bezahlen mussten. Dieser Wert bleibt also vergleichbar. Pro 100 Euro zusätzlichem Einkommen erhöht sich der Kostenbeitrag um 15 Euro, bis er bei einem Nettoeinkommen ab 4174 Euro beim Höchstsatz von 500 Euro angekommen ist.

Für Haushalte mit einem geringen Einkommen zwischen 1659 und  1569 Euro ergeben sich hingegen Einsparungen. Der Kostenbeitrag liegt hier zwischen 20 und 110 Euro. Die Spanne lag zuvor zwischen 70 und 130 Euro. Die Beiträge reduzieren sich zudem, wenn die Betreuungszeit nicht bei 35 bis 40 Wochenstunden, sondern bei 15 bis 19 Stunden liegt, um 50 Prozent.

Immichs Vorwurf, der Kreis habe die Eltern nicht ausreichend informiert, weist die Verwaltung zurück. Kindertagesstätten und betroffene Eltern seien über die anstehenden Änderungen informiert worden, heißt es aus der Verwaltung. Den Kindertagesstätten habe diese Mitteilung bereits im August 2018 vorgelegen. Derzeit werden etwa 150 Kinder unter zwei Jahren in den 76 Kindertagesstätten des Landkreises betreut. Nach Angaben der Kreisverwaltung gebe es bisher auf Grund der Erhöhung keinen Rückgang der Anmeldezahlen. Seit dem 1. August 2010 ist in Rheinland-Pfalz der Besuch des Kindergartens für Kinder vom vollendeten zweiten Lebensjahr an beitragsfrei.