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Hoffen auf Rückkehr des blauen Dunsts

Hoffen auf Rückkehr des blauen Dunsts

Von Unverständnis bis zu Freudensprüngen reichen die Reaktionen der Gastwirte im Kreis Bernkastel-Wittlich auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Nichtraucherschutz.

Wittlich/Bernkastel-Kues. (sim/tl/lars) Auf meist positive Resonanz bei Gastronomen im Kreis Bernkastel-Wittlich stößt das Urteil, mit dem das Bundesverfassungsgericht die Nichtraucher-Schutzgesetze in Baden-Württemberg und Berlin für verfassungswidrig erklärt hat. Das Urteil bezieht sich auf die Regelungen in Baden-Württemberg und Berlin. Durch die Option größerer Betriebe, abgeschlossene Raucherräume einzurichten, würden kleine Gaststätten, die dies nicht können, unzulässig benachteiligt argumentierten die Richter. Im rheinland-pfälzischen Gesetz stehen ähnliche Regelungen zu Raucherräumen. Im Einzelnen sagten die Gastwirte:

Frank Thelen, Musik-Café "Palmera", Bernkastel-Kues: "Als ich das gehört habe, habe ich einen Luftsprung gemacht. Wir haben seit dem Rauchverbot immense Umsatzeinbußen. 90 Prozent unserer Stammgäste sind Raucher. Ich hoffe, das Urteil wird auch für Rheinland-Pfalz umgesetzt."

Claus Conrad, "Zum Bitchen", Bernkastel-Kues: "Dieses Urteil finde ich nicht gut, denn alle Wirte sollten gleich behandelt werden. So wird es nur eine Wettbewerbsverzerrung geben. In der Gastronomie sollte generell Rauchverbot bestehen."

Alwin Reitz, "Canapee", Wittlich: "Jedem Gastronom sollte selbst überlassen sein, ob er sein Restaurant zur Raucherkneipe macht oder nicht. Ich zahle die Pacht, daher möchte ich auch selbst entscheiden, ob hier geraucht wird oder nicht. Das Urteil finde ich positiv für ganz Deutschland. Es ist richtig, dass in Einraumkneipen wieder geraucht werden darf."

Friedhelm Schneck, "Gasthaus Schneck", Wittlich: "Mein Gasthaus betrifft das Urteil nicht direkt. Für die vielen Eckkneipiers ist es aber gut, die gehen am Rauchverbot fast kaputt. Ich selbst bin gegen das Rauchverbot. Seit über 160 Jahren gibt es meine Kneipe, und ich lass' mir in meinem Haus nichts verbieten. Um den Speisesaal zum Nichtraucherbereich zu machen, habe ich eine automatische Glastür für 6000 Euro gekauft, die ich sonst nie angeschafft hätte. Ich hoffe, dass das Urteil Signalwirkung für Rheinland-Pfalz hat."

Hedi Müller, "Gänsbergschenke", Wittlich: "Ich finde, dass man es jedem selbst überlassen sollte, ob er raucht oder nicht. Für viele Eckkneipen ist das Rauchverbot existenzgefährdend. Dass dort nun wieder geraucht werden darf, finde ich daher in Ordnung. Wir haben uns mit dem Rauchverbot arrangiert. Es war möglich, einen getrennten Raucherbereich zu schaffen."

Marouane Mahfoudh, "Mondo del Caffe", Wittlich: "Das Café hat eine Liebesbeziehung zur Zigarette, beide zu trennen, ist unmöglich. Einen eigenen Raucherbereich kann ich mir nicht erlauben. Ich finde, man sollte entweder das Rauchen in Gaststätten komplett verbieten oder überall erlauben. Doch letztlich muss es eine Entscheidung des Restaurantführers sein, ob geraucht wird oder nicht."