Hoffnung für "schwierige" Kinder

WITTLICH. Seit 25 Jahren hilft die Kinderfrühförderung in Trier, seit 21 die Außenstelle in Wittlich: Die kleinen und großen Erfolge beglücken die Mitarbeiterinnen bis heute.

Temperamentvoll geht es zu in der Turnhalle der Kinderfrühförderung. Gerade verausgaben sich einige laut schreiende Mädchen und Jungs im Kletternetz: hyperaktive Kinder, bei deren Betreuung Eltern, Erzieherinnen und Lehrer oft überfordert sind. Fast meditativ hingegen die Stimmung in einem Raum zwei Stockwerke darüber. Dort sitzt Rita Pauly mit Paul (alle Namen geändert), durch die Finger schweben langsam bunte Federn herab auf den Boden. "Welche Tiere haben denn Federn?", fragt Pauly. Nebenan arbeitet eine Ergotherapeutin mit Celine. Sie kam mit Down-Syndrom zur Welt und bedarf zeitlebens einer speziellen Förderung. Rita Pauly leitet die Wittlicher Außenstelle des Sozialpädiatrischen Zentrums Trier. Hierher kommen Eltern mit ihren Kindern, die an Entwicklungsauffälligkeiten leiden: Verzögerungen in der Sprache, im Verhalten, in der Entwicklung, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Hyperaktivität. Die Liste ist beliebig ergänzbar. Meist sind die Kinder bei Vorsorgeuntersuchungen oder in Kitas aufgefallen und werden per Überweisung in die Beethovenstraße geschickt, wo Pädagogen, Psychologen, Logopäden, Ergotherapeuten und Mediziner arbeiten. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Mitarbeiterinnen. Der soziale Bereich bleibt weibliche Domäne. Entsprechend vernetzt wird gearbeitet: Wöchentlich ein Teamgespräch, Wesentliches wird sofort koordiniert, im Einzelfall kommen die Therapeuten zum Kind nach Hause. Erst nach einer umfassenden Diagnostik wird der Therapieplan erstellt: individuell auf jeden einzelnen kleinen Patienten zugeschnitten. "Oft brauchen auch die Eltern Beratung und Beistand", berichtet Pädagogin Sandra Klasen. Ohne die Mitarbeit der Familien geht gar nichts. Solange Eltern ihr Kind nicht so annehmen können, wie es ist, bleibt jede Therapie nutzlos.Viele Erkenntnisse in den vergangenen 20 Jahren

"Hier beruht alles auf Einsicht und Freiwilligkeit", so Pauly. Was die Profis wissen, müssen betroffene Familien manchmal erst lernen: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Noch vor 20 Jahren hätte kaum jemand vermutet, wie viel Lebensqualität und Selbstständigkeit ein mehrfach behinderter Mensch bei optimaler Förderung erreichen kann. "Es gibt immer irgendwas, das man mit einem Kind noch Schönes machen kann", konstatiert Psychologin Julia Annhäuser. Diese Erfahrung macht auch Außenstellenleiterin Rita Pauly immer wieder. Gerade hat sie im integrativen Kindergarten einen Patienten von früher getroffen. Völlig sprachlos sei sie gewesen, als Toni sie wieder erkannte und lachend auf sie zulief. "Selbst ich hätte nie gedacht, dass er einmal laufen können würde."

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