Hohe Berge, eisige Wüsten und Museen für die Nachwelt

Hohe Berge, eisige Wüsten und Museen für die Nachwelt

Wie kommt jemand dazu, unter größten Strapazen und Lebensgefahr die höchsten Berge zu erklimmen, Eis- oder Sandwüsten zu durchqueren? Reinhold Messner hat all das gemacht und auf Einladung der Sparkasse Mittelmosel Eifel-Mosel-Hunsrück in Wittlich einen Einblick in sein abenteuerliches Leben und seine Beweggründe gegeben.

Erzählt Geschichten aus seinem Leben: Bergsteiger-Legende Reinhold Messner. TV-Foto: Nora John.

Wittlich. Das große Glück, wenn man oben am Berggipfel angelangt ist, das gibt es für Reinhold Messner nicht. "Da oben ist es eng, du hast keine Luft zum Schnaufen und willst eigentlich gleich wieder runter", räumt Messner mit der Vorstellung auf, dass der Aufenthalt nach einer langen und mühsamen Besteigung dort oben ein Genuss ist. Das Glück komme erst dann, wenn man wieder unten sei, erzählt der 68-Jährige. Antrieb sei bei ihm immer die Abenteuerlust gewesen. Und ein nur richtiges Abenteuer berge auch Risiken. Er habe immer den Wunsch gehabt, seinen Horizont zu erweitern und neue Erfahrungen zu machen.
Messner spricht rund eineinhalb Stunden vor den rund 1400 Zuhörern im Wittlicher Eventum. Dabei gibt er einen kurzen Abriss über die verschiedenen Stationen seines Lebens. Er beginnt mit seiner Jugend in den Dolomiten in Südtirol, wo er schon früh anfing, in den Bergen zu klettern. Seine weitere Abenteurer-Laufbahn unterteilt er bei seinem Bericht in verschiedene Phasen. In der ersten Phase, also seinen jungen Jahren, kletterte er. Dabei seien Erfahrung und Instinkt ganz wichtig. "In einer Notlage ist der Instinkt wichtiger als der Verstand", sagt Messner.
Mit dem Klettern war es allerdings vorbei, als ihm 1970 bei der Besteigung des Nanga Parbat, die seinen Bruder das Leben kostete, die Zehen einfroren und sieben davon ganz oder teilweise amputiert werden mussten. Danach widmete sich Messner der Besteigung der 8000er. Insgesamt 18mal bestieg er die höchsten Berge der Welt. Um den Zuhörern einen Einblick zu geben, berichtet er exemplarisch von der Bezwingung des Kangchendzönga zwischen Nepal und Indien im Jahr 1982. Dabei habe er immer Prinzipien - sein eigenes ABC - gehabt, erzählt Messner: Kein künstlicher Sauerstoff, keine Bohrhaken zur Sicherung, keine Drogen und keine Kommunikation mit Menschen, die nicht an der Expedition teilnehmen. Er sei auf seinen Touren immer auf sich allein gestellt gewesen und konnte sich nur auf seine Begleiter verlassen, nicht aber auf Hilfe von außen.
In Phase drei seines Lebens durchquerte Messner Eis- und Sandwüsten. Das Publikum erfuhr von den Strapazen bei der Arktisdurchquerung mit Arved Fuchs in den Jahren 1989/90.
Aber Messner erzählt auch von weniger gefährlichen Unterfangen, die er aber auch mit voller Motivation und Leidenschaft betreibe. Zum einen habe er einen Bergbauernhof erworben, der heute verpachtet ist. Sinn und Zweck dieses Bauernhofes sei, vollkommen autark zu leben und alles, was zum Leben benötigt wird, selber herzustellen. Zudem habe er mittlerweile mehrere Museen eingerichtet, die von seinen Expeditionen und fremden Ländern erzählen. Finanzieren könne er sowohl seine Expeditionen als auch die Museen mit dem Erlös von Vorträgen und Büchern.
Messner betont immer wieder die Bedeutung von Visionen und Motivation. Er habe im Leben immer nur das gemacht, was er tun wollte, das aber dann mit ganzer Kraft und Leidenschaft.
Abenteuerlustig ist er aber immer noch, wenn er auch zugeben muss, dass er mit seinen 68 Jahren eben andere Ziele anpeilen muss als früher. In zwei Wochen steht die Durchquerung des Himalaya an, erzählt er. "Aber das sind maximal 6500 Meter über dem Meeresspiegel."

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