Hohe Berge und eine uralte Kultur

Sehr gut besucht war der Vortrag aus der Reihe "Ich bin Wittlicher und komme aus ...", die die Casino-Gesellschaft und die Stadtbücherei Wittlich seit einigen Jahren veranstalten. Diesmal zu Gast war der gebürtige Iraner Navid Hassan-Darvish.

Wittlich. Dieses Mal stand der Iran im Fokus des Vortrages, den Navid Hassan-Darvish gekonnt mit vielen Bildern, Filmen und Musik kombinierte, so dass eine sehr lebendige und stimmungsvolle Präsentation gezeigt werden konnte.
Groß und bevölkerungsreich


Der Iran verfügt über beinahe ebenso viele Einwohner wie die Bundesrepublik Deutschland, ist aber fast fünfmal so groß und zählt zu den 20 größten und bevölkerungsreichsten Staaten der Erde. Ein abwechslungsreiches Land mit hohen Bergen wie dem Zard Kuh (4571 Meter) und dem Kuh-e-Dinar (4432 Meter), großen Ebenen und einer 756 langen Küste am Kaspischen Meer und Städten wie Teheran, Isfahan oder dem historischen Persepolis.
Iraner musste ins Exil


Der Referent sprach von der 5000 Jahre währenden Geschichte dieses uralten Landes, von den bedeutenden Medern und der Eroberung durch Alexander den Großen im Jahre 330 vor Christus. Uralt ist auch die Religion, der Zoroastrismus, der durch die Islamisierung ab dem 7. Jahrhundert zurückgedrängt wurde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Iran eine konstitutionelle Monarchie mit Schah Reza Pahlavi an der Spitze, der den alten Namen "Persien" 1935 durch "Iran", was "Land der Arier" bedeutet, ersetzen ließ. 1941 marschierten Russen und Briten ohne Kriegserklärung gemeinsam im Iran ein und besetzten das bis dahin neutrale Land. Schah Mohammed Reza Pahlavi folgte seinem Vater 1941 auf den Thron und regierte das Land pro-westlich, bis 1979, als die islamische Revolution die Welt mit bis heute immanenten Folgen völlig veränderte.
Kritisch stellte Hassan-Darvish die Islamisierung des Landes, die Abschaffung des Rechtsstaates und Einführung der Scharia durch den Ayatollah Chomeini und seine Nachfolger dar. Sein Engagement in der sogenannten "Grünen Revolution" von 2009 zwang seine Frau und ihn, ihre ursprüngliche Heimatstadt Teheran zu verlassen.
Tee und orientalisches Gebäck


Da ihm in dem Land mit den meisten Hinrichtungen weltweit die Todesstrafe droht, konnte er seit sieben Jahren seine betagten und nicht mehr reisefähigen Eltern nicht mehr sehen.
Dankbar schilderte er die Aufnahme in Deutschland und sein neues Leben in Wittlich. Den Iran, seine alte Heimat liebt er weiter, lebt aber glücklich und sicher in Deutschland.
Für die meisten Zuhörer stellte sich das Gefühl ein, immer wieder dankbar zu sein, zur richtigen Zeit am richtigen Ort geboren worden zu sein. Und sich zu freuen, dass Maryam Beheshti, die Gattin des Vortragenden, mit Freundinnen zu Ende der Veranstaltung Tee und selbstgemachtes Gebäck großzügig anbot.
Die Reihe wird im Frühjahr 2017 mit dem Vortrag "Ich bin Wittlicherin und komme aus Vietnam" fortgesetzt werden. red