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Prozess
Hohe Strafe für Hot-Rod-Fahrer

 Bei dem Unfall starben zwei Menschen. Foto: Archiv
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Bernkastel-Kues. Keine Gnade vor Gericht: Weil er den Tod von zwei Motorradfahrern verschuldet hat, muss ein 35-Jähriger zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Von Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Es ist ganz still im Saal, als Richter Stefan Rählmann das Urteil gegen den 35 Jahre alten Mann begründet, der angeklagt ist, den Tod von zwei Motorradfahrern, Vater und Sohn, verschuldet zu haben. „Sie haben die Fahrbahn als Rennstrecke missbraucht“, sagt er, worauf er und seine beiden Schöffen das Urteil, zwei Jahre und sechs Monate, stützen. Und weiter: „Eine Frau hat ihren Mann und ihren Sohn verloren. Was ist das für ein Schlag!“  

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Mann aus Bernkastel-Kues im März 2017 mit einem  so genannten Hot Rod den schweren Unfall auf der B 53 zwischen Bernkastel-Kues und Andel verursacht hat.  Die Staatsanwältin hatte auf eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung plädiert. Der Nebenkläger, der die damals schwer verletzte Sozia auf einem der Bikes vertritt, schließt sich dem an. Die beiden Verteidiger plädieren für eine Bewährungsstrafe.

Das Gericht geht aber weit darüber hinweg. Weil es davon ausgeht, dass der Angeklagte in erster Linie Spaß haben wollte und die Gefahr bewusst in Kauf genommen hat. Das Hot Rod, mit mindestens 430 PS ausgestattet, sei für Beschleunigungsfahrten gedacht aber nicht für Kurvenfahrten, sagt der Richter. Der 35-Jährige sei mit viel zu hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen. „Er wollte das Auto austesten“, so Rählmann.

Ausschlaggebend sei gewesen, dass er zwei Zeuginnen auf deren Fahrbahn entgegengekommen sei. Die erste Autofahrerin habe gerade noch ausweichen können. Mit dem Auto der zweiten Zeugin, die auch verletzt wurde, sei er dann zusammengestoßen und erst nach mehr als 100 Metern zum Stehen gekommen. Die beiden Biker, die der Hot Rod-Fahrer vorher überholt hatte, prallten in das quer stehende Auto der jungen Frau.

Der Angeklagte gibt vor Gericht an, keine Erinnerung an den Unfall zu haben. Die sei beim Überholen der Biker weg gewesen und wiedergekommen als er zum Halt kam. „Wir nehmen ihnen das nicht so ganz ab. Ein Geständnis wäre strafmildernd gewesen“, sagt Richter Rählmann.

Zwei Sachverständige, einer von der Staatsanwaltschaft bestellt und einer vom Angeklagten beauftragt, treten in den Zeugenstand. Es gibt viele Mutmaßungen. War der Überholvorgang beendet? Warum ist der Angeklagte ins Schleudern geraten? Technische Gründe gibt es dafür nicht, stimmen die Gutachter überein. Und ob das aus Amerika stammende Fahrzeug eine Zulassung für deutsche Straße hat oder bekommen könnte, ist auch nicht ganz sicher.

Sicher scheint aber: Es ist aufgemotzt worden. Der Gutachter der Staatsanwaltschaft sagt, dass Fahrwerk und Motor nicht aufeinander abgestimmt seien.

Der Angeklagte lebt in geordneten Verhältnissen. Der Richter, die Staatsanwältin Susanne de Renet und die Verteidiger geben ihm eine günstige Sozialprognose. Er werde sicher auch nie wieder in diese Situation kommen. Doch das hilft ihm nicht.

„Ich bin mir sicher, Sie fällen das richtige Urteil“, sagt einer der beiden Verteidiger mit Blick auf Richter und Schöffen. Dass es so ausgeht, hätte er nicht gedacht. Von vorsätzlicher Verkehrsgefährdung könne nicht gesprochen werden, weil der Überholvorgang abgeschlossen gewesen sei, sagt er.  Was zum Unfall geführt habe, werde wahrscheinlich immer unklar bleiben.

Staatsanwältin de Renet spricht von einem „gravierenden Fall“, für den es keine Bewährung geben könne.

Die Ehefrau und Mutter der beiden getöteten Biker sitzt wie am ersten Verhandlungstag sehr gefasst im Saal. „Das Strafmaß ist nicht so wichtig, aber es sollte keine Bewährung geben“, sagt sie vor der Urteilsverkündung. Leider werde an die Opfer oft viel zu wenig gedacht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.