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Holger Linden ist für einen Preis nominiert und eröffnet die Bäckerei Wildbadmühle in Wittlich

Auszeichnung : Kämpfer gegen Paragrafen eröffnet gläserne Bäckerei in Wittlich

Ende September öffnet die Bäckerei Wildbadmühle in Wittlich-Wengerohr. Einer der Brüder, die den Betrieb leiten, wurde von der Werner-Bonhoff-Stiftung für einen Preis nominiert.

Gleich zwei große Ereignisse gibt es für Bäckermeister Holger Linden in diesem Jahr. Das erste: Linden ist für einen Preis gegen Bürokratie nominiert. Konkret geht es um seinen Einsatz gegen die Lehrlingsgebühr für Nicht-Innungsmitglieder. Nun zählt er zu den letzten vier Nominierten für den „Werner-Bonhoff-Preis-wider-den-§§-Dschungel 2020“. Der Fall wurde im vergangenen Jahr vor dem Trierer Verwaltungsgericht verhandelt – mit Erfolg für Linden (der TV berichtete). „Für jeden Azubi wäre für drei Jahre Ausbildung eine Lehrlingsgebühr von 180 Euro angefallen. Für unsere 15 Auszubildenden wäre das mehr gewesen als der Beitrag für die Innung“, erzählt Linden. Er habe sich bewusst entschieden, kein Mitglied der Bäcker-Innung Mosel-Eifel-Hunsrück-Region zu sein, da seines persönlichen Eindrucks nach nicht genug für das Bäckerhandwerk gemacht werde. Nachdem 2018 die Lehrlingsgebühr eingeführt wurde und er sich erfolgreich widersetzt hatte, wurde sie 2019 wieder abgeschafft. Linden: „Dadurch haben die Betriebe, die ebenfalls davon betroffen waren, in der Kreishandwerkerschaft Mosel-Eifel-Hunsrück-Region und Trier-Saarburg insgesamt 2019 rund 50 000 Euro eingespart. Das gleiche gilt auch für dieses Jahr. Es ist natürlich ein tolles Gefühl, so etwas erreicht zu haben.“ Für einen Preis nominiert zu sein, der Menschen auszeichnet, die gegen die Bürokratie in Deutschland vorgehen, mache ihn stolz.

Aber noch ein weiteres Ereignis ist für die Familie Linden in diesem Jahr sehr besonders: Die Familienbäckerei Wildbadmühle, die derzeit noch ihren Sitz in Traben-Trarbach hat, eröffnet Ende September in einer für die Umgebung außergewöhnlichen Form am Standort Wittlich. Rund 3500 Quadratmeter misst das Gebäude im Industriegebiet in Wengerohr. Das Besondere: Der Eingangsbereich wird als Café gestaltet, von dem die Gäste durch eine Glasscheibe Einblick in die Backstube und die tägliche Arbeit der Bäcker bekommen. Oberhalb des Cafés wird ein Bäckereimuseum mit historischer Backstube entstehen. Außerdem wird dort eine „Bäckerei 4.0“ entstehen. Linden erklärt die Besonderheiten: „Durch künstliche Intelligenz wird bei uns der Bedarf an Brötchen und Brot ermittelt. Verschiedene Faktoren werden bei der Berechnung mit einbezogen. Daraus berechnet sich dann unser Bedarf.“ Außerdem sei die Wildbadmühle in Wittlich die erste Bäckerei in Deutschland, die mehr Strom erzeugt als sie verbraucht. „Wir sind ein verhältnismäßig kleiner Betrieb mit einer großen Photovoltaik-Anlage“, sagt Linden. Das Verhältnis des erzeugten Stroms zur Betriebsgröße, gebe es so bei keiner anderen Bäckerei in Deutschland.

 Es werde außerdem im ganzen Gebäude keine Hausheizung genutzt, sondern nur die Backöfen und die Abwärme der Kälteanlagen, um das Gebäude zu beheizen. Vor der Bäckerei werde es auch vier Parkplätze für Elektroautos geben.

Das Gebäude der neuen Wildbadmühle bietet viel Platz. Foto: Angelina Burch

Holger Linden ist froh über die Entwicklungen in diesem Jahr: „Wir können Ende September endlich alles am Standort in Wittlich öffnen. Die Resonanz war bisher sehr positiv, und wir sind froh, dass unser Projekt bisher so gut angenommen wird.“