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Holz soll von der Straße auf die Schiene

Holz soll von der Straße auf die Schiene

Das Sägewerk Karl Decker will lieber heute als morgen Holztransporte von der Straße auf die Schiene verlagern. Doch das ist vorerst nur Zukunftsmusik.

Hunsrück/Hochscheid. An Pfingsten werden die Signale für die touristische Nutzung der Hunsrückquerbahn-Strecke von Morbach nach Büchenbeuren auf Grün gestellt. Doch nicht nur Eisenbahnfreunde warten ungeduldig darauf, dass die Züge dann auch Richtung Hermeskeil fahren.

Es gibt auch handfeste wirtschaftliche Interessen. Das wurde am Rande der Regionaltagung zum Thema Mobilität im Hunsrückhaus deutlich. Im Rahmen einer Exkursion erfuhren rund 20 Teilnehmer, wie wichtig die Schienenanbindung für das Sägewerk Karl Decker in Hochscheid werden soll.

Lieber heute als morgen möchten Betriebsleiter Hermann-Josef Nickels und sein Chef Reijo Ranki möglichst viel Transportkapazität auf die Schiene verlagern. Für die Fruytier-Gruppe in Belgien, zu dem das Werk gehört, könnte der Haltepunkt Zolleiche zum Holzverladebahnhof werden. Nickels rechnete vor: "Drei bis vier Züge mit je zehn Waggons könnten pro Woche Rundholz bringen und gleich fertig geschnittenes Holz mitnehmen." Das würde die Hunsrückhöhenstraße um rund 140 Sattelschlepper pro Woche entlasten.

"Der Schienentransport rechnet sich nur für Kunden, die Großabnehmer sind, und möglichst einen eigenen Gleisanschluss haben", schränkte der Betriebsleiter ein, kann sich aber durchaus ein eigenes Gleis ins Sägewerk vorstellen.

Doch erst der Ankauf der Trasse kann die Idee Wirklichkeit werden lassen. "Es fehlen noch entsprechende Beschlüsse einiger Kommunen", bedauert Morbachs Bürgermeister Gregor Eibes, den der TV im Anschluss befragte. Rund 3,4 Millionen Euro soll die Reaktivierung der Strecke kosten, die für schweren Güterverkehr erst tauglich gemacht werden muss. Das hatte ein Gutachten im August vergangenen Jahres ergeben. Das Land will erst Geld in das Projekt stecken, wenn ein betriebswirtschaftliches Gutachten vorliegt, aus dem hervorgeht, dass sich der Betrieb rechnet.

Ob das der Fall sein wird, wusste auch Tagungsleiter Peter Heil derzeit nicht. Er sah in einer Bahnstrecke immer eine Option für Mobilität. Die Trasse müsse in ein kreatives touristisches Konzept eingebunden werden, das auch Wanderer und Radfahrer anspricht, forderte er. Die Leiterin des Hunsrückhauses, Almuth Brandstetter, warnte vor zu viel Skepsis: "Öffentlicher Nahverkehr muss von den Menschen erst wieder gelernt werden."

Und Hermann-Josef Nickels vertrat die Interessen des Sägewerks und appellierte an die Politik, den Ankauf der Trasse der Hunsrückquerbahn möglichst "zügig" voranzutreiben.