1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Holzmuseum Weiperath zeigt Werke von Wilhelm Terwei

Ausstellung : Das Unvollendete und noch viel mehr: Was in der Wilhelm-Terwei-Ausstellung im Holzmuseum Weiperath zu sehen ist

Das Hunsrücker Holzmuseum widmet sich in seiner neusten Sonderausstellung den Arbeiten des Morbacher Malers Wilhelm Terwei. Zu sehen sind auch besondere Gegenstände aus seinem Umfeld. Warum die Organisatoren die Schau für einzigartig halten.

Pünktlich zum Beginn der neuen Saison in den Morbacher Museen zeigt das Hunsrücker Holzmuseum eine neue Sonderausstellung. Mit dem Titel „Der Gefilde stiller Zauber“ haben Anette Eiden, Vorsitzende des Hunsrückvereins Morbach, der auch Träger des Holzmuseums ist, und ihre Schwester Leonie Eiden-Benedum eine Ausstellung mit Bildern des Morbacher Malers Wilhelm Terwei zusammengestellt. Sie wird ab dem kommenden Samstag, 26. März, bis zum 1. Januar 2024 zu sehen sein.

Gezeigt werden nicht nur Bilder des Künstlers, sondern auch Hinterlassenschaften Terweis, wie seine Staffelei, seine Pinsel und die Pinselpalette. „Das ist einzigartig: Wir zeigen nicht nur Gemälde, sondern diese werden unterstrichen von seinen persönlichen Gegenständen“, sagt Eiden. Diese seien durch den Gebrauch Teil des Wesens von Terwei geworden, ergänzt Eiden-Benedum. Die Staffelei werde vermutlich erstmals seit Terweis Tod in einer Ausstellung gezeigt, sagt Eiden.

Woher stammen die Terwei-Bilder im Holzmuseum?

Die Sonderausstellung im Hunsrücker Holzmuseum sei die erste seit 1993, die sich ausschließlich mit dem Morbacher Maler befasst, sagt Eiden. Dahinter stecken viel Arbeit und Recherche. Denn nahezu alle Bilder sind in Privatbesitz. Letztendlich hätten sich fast alle angesprochenen Besitzer bereiterklärt, die Werke für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen. „Die Leihgeber waren alle froh, dass was stattfindet“, sagt Eiden. „Der Maler ist zu Unrecht in den Hintergrund geraten.“

Mehrere Bilder stammen aus dem Besitz des Morbachers Wilhelm Gellenberg, Enkel des 1946 verstorbenen Malers, der dessen Nachlass verwaltet, zu dem auch die angesprochenen Utensilien gehören. „Es erfüllt mich mit Stolz, dass wieder eine Ausstellung stattfindet“, sagt er.

Die beiden Kuratorinnen haben sich bei ihrer Bildauswahl auf Landschaften mit Landmarken beschränkt, also mit Merkmalen, an denen die Museumsbesucher auch die gezeigten Orte wiedererkennen können. Dazu gehören Bachläufe, ganze Dörfer und Gebäude. „Dem Betrachter bietet sich so ein Wiederkennungswert, er identifiziert sich mit seiner Herkunft“, sagt Eiden-Benedum.

Das Unvollendete – Holzmuseum Weiperath zeigt letztes Bild von Wilhelm Terwei

Ein weiterer Höhepunkt der Ausstellung: das letzte Bild Terweis, das die Kirche in Heinzerath zeigt und an dem er bis kurz vor seinem Tod gearbeitet hat. Es blieb unvollendet. Während der Himmel und das Gebäude fertiggestellt sind, erscheinen die Personen und die Tiere vor dem Gebäude lediglich als schattenhafte Umrisse. „Terwei hat immer viel Wert auf den Himmel und die Natur gelegt“, sagt Eiden. „Er hat seine Seele in die Bilder hineinversetzt. Bei Terwei sind es nicht nur dokumentarische Abbildungen, bei ihm kann man Landschaft erleben“, sagt ihre Schwester. In Zeiten von Corona, während der viele Hunsrücker ihre Gegend bei den derzeitigen Trends zu Wandern und Waldbaden folgen, seien seine Bilder wieder hochaktuell.

Die Vorsitzende des Hunsrückvereins sagt, vielen sei nicht bekannt, dass Terwei in Dresden die Königliche Akademie der Künste besucht hat. Den beiden Kuratorinnen ist es gelungen, die Abschlusszeugnisse und ein Klassenfoto zu organisieren, um beides bei der Ausstellung zeigen zu können. Der Maler Terwei hatte laut den Recherchen der beiden Kuratorinnen mehrere Eigenschaften, die ihn geprägt haben. Einerseits habe er sich in seine Materie hineinvertieft, habe seine Malutensilien inklusive Staffelei auf das Fahrrad gepackt und sei losgezogen, im Winter mit mehreren Pullovern übereinander und Fingerhandschuhen, im Sommer auch bei Hitze, ohne Getränke mitzunehmen.

„Es war seine Leidenschaft, er hat nichts gebraucht außer Malerei“, sagt Eiden. Die Bilder habe Terwei bei der Rückfahrt auf dem Rad so transportiert, dass diese im Fahrtwind trocknen konnten, sagt sie. Zudem habe Terwei auch die Werke anderer Künstler interessiert und den Blick behalten für andere Ausdrucksformen der Kunst, sagt Eiden-Benedum. Terwei habe in München und Düsseldorf, den damaligen Kunstzentren Deutschlands ausgestellt. Die beiden Kuratorinnen sind sich einig: „Terwei war ein bedeutender Maler.“