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Holzvermarktung Südwest hatte 2020 mit Sturm, Borkenkäfer und Corona zu kämpfen

Borkenkäfer, Sturm und Corona : Große Turbulenzen in 2020: Holzvermarktung Südwest zieht dennoch positive Bilanz

Corona hat im Jahr 2020 der Holzvermarktung Südwest GmbH ganz schön zu schaffen gemacht. Und dann kam auch noch der Borkenkäfer hinzu. Doch im Rückblick ist Geschäftsführer Joachim Graeff durchaus zufrieden.

Die Holzvermarktungsgesellschaft Südwest GmbH hat nahezu ihr erstes komplettes Geschäftsjahr hinter sich. Ganz gut gelaufen sei das Jahr 2020 in Anbetracht der schwierigen Marktsituation, sagt Geschäftsführer Joachim Graeff. Er beschreibt das Jahr 2020 mit einem Wort: „turbulent“. In einem normalen Jahr rechnet Graeff mit rund 220 000 Festmetern Holz, die in den Wäldern von 263 Kommunen in der Region anfallen und von seiner Gesellschaft vermarktet werden müssen. Aber was ist in einem Jahr normal, das mit einem Sturm beginnt, ab dem Frühjahr von einer Pandemie geprägt ist und in dem der Borkenkäfer im Sommer gnadenlos zuschlägt? Der Sturm Sabine war zwar nur ein Stürmchen, die 40 000 Festmeter Windwurfholz seien eine überschaubare Menge gewesen. die Gesellschaft habe dies in bestehenden Verträgen auffangen können. Aber die anderen beiden Ereignisse wirbelten den Holzmarkt ganz schön durcheinander.

Geschäftsjahr Bis vor kurzem (Stand: 24. November) wurden statt der erwarteten 220 000 insgesamt 340 000 Festmeter Holz verkauft, der Umsatz betrug rund 14,3 Millionen Euro. Die Menge sei deutlich höher als erwartet, was vor allem dem Borkenkäfer geschuldet sei. Der Umsatz ist laut Graeff bei den diesjährigen „Marktpreisen nicht zufriedenstellend“. Schließlich gebe es „riesiges Überangebot an Fichtenholz“.

Preise Der Preis für die Fichte ist innerhalb von zwei Jahren von 90 auf 35 Euro pro Festmeter gefallen, der Hauptknick sei in der zweiten Hälfte dieses Jahres gewesen. Die 35 Euro seien ein Orientierungspreis für mittleres und stärkeres Holz, die Preise für Schadholz lägen noch deutlich darunter. Andere Holzarten wie Douglasie seien mit 100 Euro/Festmeter, Buche (130) und Eiche 300) seien eigentlich stabil geblieben. Diese Holzarten seien für „manche Kommunen haushaltsmäßig der Rettungsanker“ gewesen.

Spitzenpreise würden nach wie vor für ganz spezielles Eichenholz bezahlt, dass für Barriquefässer verwendet werde. Fassbauern zahlten dafür bis zu 700 Euro pro Festmeter. Aber das sei ganz ausgesuchtes Holz. Erfreulich für Graeff: „Wir sind aktuell mehr oder weniger ausverkauft. Wir haben trotz der großen Mengen Käferholz keine Sortimente im Wald, die unverkauft sind.“ Das sei bei anderen Gesellschaften, etwa im Westerwald, durchaus nicht selbstverständlich. „Es gibt auch welche, die auf ihrem Holz sitzen bleiben.“

Borkenkäfer Dort habe der Borkenkäfer massiv zugeschlagen. Graeff: „Die Fichte verabschiedet sich dort.“ Die Situation sei im Westerwald katastrophal, „während der Hunsrück mit einem blauen Auge davongekommen ist“. Und: „Wir haben nach wie vor gute Fichtenbestände.“ Mengen, die nicht von heimischen Werken aufgenommen werden konnten, seien in den Asienexport gegangen, hauptsächlich nach China. In der Hauptsaison des Käferflugs seien in diesem Jahr 12 000 Festmeter Schadholz dorthin verkauft worden. Graeff: „Eigentlich ist es ökologischer Wahnsinn, Holz nach China zu verschiffen.“ Angesichts einer Gesamtvermarktung von 340 000 Festmetern halte sich das in Grenzen. Anders als in großen Teilen des Westerwalds rechnet Graeff im Hunsrück noch mit der Fichte. Im Zweifelsfall brauche der Hunsrücker Brotbaum viel Regen und Schnee.

Corona Doch der Borkenkäfer war in diesem Jahr nicht das einzige Problem der Holzvermarkter. Bereits im März und April zeigte Corona erste Auswirkungen auf den Holzmarkt. Exportorientierte Sägewerke mussten ihre Produktion zeitweilig drastisch zurückfahren, erklärt Graeff weiter, während Sägewerke, die hauptsächlich für Baumärkte produzieren, voll an der Kapazitätgrenze arbeiteten. Der Buchenexport nach Asien sei sogar kurzzeitig komplett zusammengebrochen. Und Asien sei der der bedeutendste Absatzmarkt für Buchen.

Trockenheit Trockenheit machte in diesem Jahr den Buchen zu schaffen. Im August und September habe man jeden Tag sehen können, wie Buchen die Blätter verlieren.

Standort Der Standort Morbach sei ein großer Pluspunkt. „Die Hunsrücker Sägewerke sitzen vor der Haustür.“ Nicht weit sei es zudem zur Holzwerkstoffindustrie in Luxemburg und im Saarland. Graeff kennt seine Kundschaft. Der gebürtige Moselaner – er ist in Briedel (Kreis Cochem-Zell) großgeworden – lebt seit 30 Jahren in Kirchberg (Rhein-Hunsrück-Kreis), kommt aus der Sägewerksbranche und ist in seinem früheren Leben Holzeinkäufer gewesen. Die immer noch recht neue Aufgabe als Geschäftsführer der Holzvermarktung Südwest sei nach wie vor eine Herausforderung und mache „trotz er katastrophalen Marktlage viel Spaß“.

Prognose Fürs kommende Jahr wünscht er sich und seiner achtköpfigen Mannschaft, endlich einmal in etwas ruhigeres Fahrwasser zu kommen. Die Chancen dafür stehen offenbar auch gar nicht schlecht. Derzeit sei man bereits in den Vertragsverhandlungen für das erste Halbjahr 2021. Und: „Die Nachfrage bei den Sägewerken ist sehr gut. Preislich kommen wir etwas aus dem Tal der Tränen heraus.“ Aber die Prognosen für das kommende Jahr sei immer noch eine „Rechnung mit vielen Unbekannten“.

Mit der Vermarktung von kommunalem Holz haben Joachim Graeff und sein Team im Juni 2019 in der ehemaligen Landwirtschaftsschule in Morbach begonnen. Foto: Ilse Rosenschild

Zuwachs Personell wird die Gesellschaft in Kürze Zuwachs bekommen. Die jüngste Gesellschafterversammlung habe die Einstellung eines Auszubildenden (Bürokaufmann) bewilligt. Derzeit fänden die Einstellungsgespräche statt.