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Hotel- und Restaurantschließungen treffen Betriebe an der Mosel hart

Kostenpflichtiger Inhalt: Auswirkung von Corona : Hoteliers an der Mosel erleben Krise statt Saisonstart

Die wegen des Coronavirus verfügten Hotel- und Restaurantschließungen treffen viele Betriebe an der Mosel hart. Denn nach dem Winter sind die  Konten vieler Hoteliers meist eh schon im Minus.

Mit den ersten Sonnenstrahlen im Frühling nimmt so langsam auch der Tourismus an der Mosel wieder an Fahrt auf – für gewöhnlich ist das so. Aber bei den Spaziergängern, die derzeit die ersten Sonnenstrahlen und das Frühlingswetter entlang der Mosel genießen, handelt es sich meist um Einheimische, die nur mal an die frische Luft müssen. „Touristen sind eh keine mehr in der Stadt und wenn, dann bleiben sie auch nur am Moselufer“, sagt Monique Naebers, Pächterin des Hotels Doctor Weinstube in Bernkastel-Kues.

Normalerweise – ohne Corona-Krise – wäre an einem sonnigen Frühlingstag wie diesem schon etwas Leben in der Stadt, sagt Naebers. „Man würde auch schon die Motorräder fahren hören und Touristen würden durch die Gassen laufen.“ Aber jetzt sei Bernkastel-Kues tot und eine Geisterstadt. „Alles hat zu. Das ist nicht nur traurig, sondern auch existenzbedrohend“, sagt die Pächterin eines Hotels mit 17 Mitarbeitern.

Nach der Allgemeinverfügung, die vergangene Woche Montag verabschiedet wurde, dürfen Hotels keine Touristen mehr beherbergen und seit Samstag, 21. März, sind nun auch alle Restaurants, Cafés und Gaststätten geschlossen. „Ein Außerhausverkauf ihrer Speisen aus dem Restaurant komme für sie nicht in Betracht“, sagt Naebers.

Für den Hotelbetrieb bekomme sie derzeit nur Stornierungen und „kaum Anfragen“. „Wir haben alle Mitarbeiter auf Null gesetzt und in Kurzarbeit geschickt. Aber wir werden versuchen, so lange wie möglich durchzuhalten. Wir wollen unsere Existenz nicht aufgeben.“ Die finanzielle Speckschicht werde aber schnell dünner, sagt Naebers, „Und man weiß nicht, wie lange das alles dauern soll. Die Ausgangssperre kommt bestimmt als Nächstes. Es ist alles so ungewiss.“

Markus Reis, Inhaber des Zeltinger Hofs in Zeltingen-Rachtig sagt, die Schließungen seien für die Hotel- und Gastronomiebranche ein Riesendesaster. „Wir kommen jetzt gerade aus der ruhigen Wintersaison. Aber jetzt, wenn das schöne Wetter kommt, kommt kein frisches Geld rein. Wie sollen wir uns denn finanzieren?“ Viele Hotelbetriebe an der Mosel würden im Winter finanziell ins Minus rutschen, „um dann Ende März, Anfang April wieder langsam Fuß zu fassen.“ „Viele sind nach dem Winter mit ihrem Konto im Minus. Wir brauchen jetzt mal Kohle.“ Doch die staatlich angepriesenen Hilfen, sagt Reis, wie die angeblich vergünstigten Kredite seien eine „Unverschämtheit“.

Denn mit Zinsen und Gebühren liege man bei fünf bis sechs Prozent Zinsen. „Wollen die uns auf den Arm nehmen? Diese Überbrückungskredite sind immens teuer.“ Zudem seien sie nur für „gesunde“ Betriebe zu haben, da man eine zweijährige Liquiditätsberechnung vorlegen müsse. „Und dafür braucht man dann wieder einen Steuerberater. Für kleinere Betriebe ist das gar nicht machbar.“ Er habe seine 25 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, sagt Reis. Seine neun Azubis würden weiter beschäftigt. Die Hotelgäste stornieren mittlerweile schon bis Mitte Mai.

Die Buchungen der Busunternehmen seien weggebrochen, ebenso  die Weinreisen aus dem In- und Ausland. Das sei im Rest des Jahres nicht mehr aufzuholen, sagt Reis. „Hotelbetten sind ein verderbliches Gut.“

Der schlimmste Moment für ihn sei jedoch der gewesen, als er seinen Mitarbeitern verkündet habe, dass sie in Kurzarbeit gehen müssten.

Trotzdem: Der Hotelier aus Zeltingen-Rachtig hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben: „Wir kommen mit dem Team wieder an den Start und auch die Gäste werden wieder kommen, vielleicht ja sogar noch mehr als zuvor, weil wir eine tolle Region sind und guten Wein anbieten können.“ Möglicherweise führe die Corona-Epidemie ja dazu, meint Reis, dass sich Menschen weniger ins Flugzeug oder Kreuzfahrtschiffe setzen wollten. Reis: „Vielleicht gehen wir ja gestärkt daraus hervor.“

Stefanie Lahm, Geschäftsführerin des Park-Hotels in Traben-Trarbach sagt, „man muss jetzt die Nerven behalten. Aber das geht einem schon an die Psyche, weil man Existenzangst hat.“

Sie störe derzeit aber insbesondere, dass sie im Privatleben feststelle, dass die Einschränkungen zur Eindämmung der Epidemie noch nicht bei allen Leuten angekommen sei. „Vielen Leuten, die da draußen rumlaufen, fehlt es noch immer am Verständnis für den Ernst der Lage“ Bei ihr hagele es Stornierungen. Unter ihren Gästen seien viele ältere Menschen. „Die sichern sich frühzeitig ab, weil sie unsicher sind. Das kann man ja verstehen. Keiner weiß, wie lange das so gehen soll.“ Aber wie lange hält der Betrieb das aus? „Nach zwei bis drei Monaten wird es eng. Wir haben gerade erst für 60 000 Euro renoviert und acht Festangestellte.“ Besonders weh tue, dass sie für April eigentlich schon zwölf Prozent mehr Buchungen gehabt habe als im Vorjahr.

Den Hotels im Hunsrück und in der Eifel, die überwiegend vom Tourismus leben, geht es nicht besser: „Das hält keiner lange durch“, sagt Tobias Stadtfeld, Inhaber des Hotel Café Restaurant Heidsmühle in Manderscheid. „So viele Rücklagen hat niemand nach dem harten Winter, der einem eh immer schon Löcher in die Kasse reißt.“

Er halte die komplette Schließung aller Restaurants jedoch angesichts der Pandemie für richtig, sagt Stadtfeld. „Wenn alle Menschen daheim bleiben sollen, dann wir auch. Gegenüber den Mitarbeitern und ihren Familien sei eine weitere Öffnung der Restaurants moralisch nicht mehr vertretbar gewesen.

Winzer Auch die Vinotheken und Probierstuben der Winzer wie die von Johannes und Otto Schnitzius in Kröv, die vom Verkauf ihres Flaschenweins leben, sind geschlossen. Wie gehen die Winzer damit um? „Der Straßenverkauf ist zusammengebrochen“, sagt Johannes Schnitzius, „aber besser jetzt als in der Hauptsaison.“ Die Gastronomen, Hoteliers und auch die Schifffahrtsbetriebe treffe es deshalb wohl jetzt weitaus härter als die Winzer. Und die Winzer, sagt er, hätten da schon ganz andere Krisen erlebt. „Bis Mitte Mai erledige ich jetzt Renovierungsarbeiten und versuche, das Beste draus zu machen.“ Außerdem, so sagt er, habe Kröv sogar die Pest überlebt, obwohl ganz Alt-Kröv damals abgebrannt sei. „Und trotzdem: Es geht immer weiter. Da bin ich Optimist.“