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Hotellerie und Gastronomie an der Mosel haben schwere Zeiten wegen Corona

Corona : Gastronomie-Verband fordert: „Wir brauchen positive Signale“

In Hotellerie und Gastronomie an der Mosel stehen zahlreiche Inhaber mit dem Rücken an der Wand. Die Dehoga fürchtet, dass einige Betriebe den Lockdown nicht überstehen.

Mehrere Wochen schon legt das Coronavirus einen großen Teil des öffentlichen Lebens lahm. Museen, Geschäfte, Restaurants und weitere Betriebe und öffentliche Einrichtungen mussten von einem Tag auf den anderen ihre Türen schließen. In dieser Woche durften die Einzelhandelsgeschäfte bis zu einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern wieder öffnen.

Doch die Gastronomie und Hotellerie wartet weiter. Dabei sollte nach der langen Winterpause, die bei manchen Gastronomen für ein Abschmelzen der finanziellen Reserven gesorgt hat, das Geschäft mit den Osterfeiertagen wieder beginnen. Stattdessen: weiterhin Zwangspause.

„Ich bin eigentlich schon am Ende“, sagt der Betreiber eines Restaurants an der Mosel, der ungenannt bleiben möchte. Feiern für Konfirmationen und Geburtstage sowie Vereinsversammlungen seien komplett abgesagt worden, die Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit. Ein Lieferservice rechne sich für ihn nicht.

Ähnlich sieht es im Schützenhaus in Bernkastel-Kues aus. „Eine Katastrophe“, sagt Inhaber Ton Kroone. In seinem reinen Ausflugslokal habe er 7,5 Monate, um Umsatz zu machen. Doch das Ostergeschäft ist schon weg, und auch im Mai mit seinen Feiertagen wird er wahrscheinlich zulassen müssen. „Ich hoffe, dass wir im Juni aufmachen dürfen, sonst wird es knapp“, sagt er.

Tom Mischke vom Hotel-Restaurant Sonnenlay aus Kröv sieht es allerdings nicht so pessimistisch – auch, wenn sein Betrieb derzeit komplett geschlossen und Buchungen storniert worden sind. Er hat KfW-Kredite beantragt, um die Durststrecke zu bewältigen. „Wenn das nicht geht, dann war vorher schon was nicht in Ordnung“, sagt er.

Dirk Kettermann vom Hotel Bären in Bernkastel-Kues hat sein Hotel zurzeit geschlossen. Es rechne sich nicht, für die wenigen Geschäftsreisenden zu öffnen, sagt er. „Wichtig ist, dass die Politik den Menschen nicht weiter einhämmert: ‚Wenn du wegfährst wirst du krank.‘ Die Politik muss positive Signale setzen, damit die Leute in Erwägung ziehen, wieder wegzufahren.“ Ihm ist es ein Rätsel, dass der Einzelhandel wieder öffnen dürfe, die Gastronomie aber nicht. Im Hotelbereich hätten die Mitarbeiter weniger Kundenkontakt als im Einzelhandel. Das Frühstück könne zeitlich entzerrt, statt eines Büfetts könne am Tisch serviert werden. „Wir sind sowieso mit Hygieneregeln vertraut und könnten weitere Vorgaben leicht umsetzen.“

Die Verringerung des Mehrwertsteuersatzes von 19 auf sieben Prozent bringe nicht viel, da bei Übernachtungen sowieso nur der geringere Satz anfalle. „Es würde eher helfen, die Mehrwertsteuer zeitlich befristet bis Ende des Jahres auszusetzen. Das wäre ohne Probleme möglich“, sagt er. Unter einer Bedingung: „Wir müssten wieder öffnen können.“

Bianca Waters hat als Ortsbürgermeister von Zeltingen-Rachtig und Geschäftsführerin der Entwicklungsagentur Bernkastel-Kues Einblick in zwei touristisch geprägte Kommunen. „Die Wirte sind alle am Kämpfen. Essen to go hältst du nicht mehrere Monate aufrecht“, sagt sie. Sie hofft, dass die Verbote gelockert werden und es im Mai wieder losgeht. In den Restaurants seien Abstandsregeln mit dem Entfernen von Tischen und Stühlen gut umzusetzen.

„Die Situation ist ernst“, sagt Sebastian Bodensteiner, Präsidiumsmitglied des Dehoga Rheinland-Pfalz und Vorsitzender im Kreis Bernkastel-Wittlich. „Von Landesseite muss mehr Unterstützung kommen. Einige Betriebe werden sonst nicht durchhalten.“ Die Dehoga erhalte eine Vielzahl an Hilferufen. Erst an etwa fünf Prozent der Betriebe sei eine Soforthilfe ausgezahlt worden. Ende April müssten die Gehälter an die Mitarbeiter in Kurzarbeit gezahlt und vorfinanziert werden. Bis zu drei Monate könne es dauern, bis die Arbeitgeber es zurückerhalten. „Bei vielen Betrieben ist diese Liquidität nicht vorhanden.“ Die Reduzierung der Mehrwertsteuer bei den Restaurants sei eine weitere Hilfsmöglichkeit für die Betriebe an der touristisch geprägten Mosel.