Tourismus : Wittlicher Hoteliers beklagen Flaute

Weniger Geschäftsreisende und Monteure: Auf TV-Anfrage erklären die Wittlicher Hotelbetreiber, wie sich die Branche in der Säubrennerstadt entwickelt.

Nachdem die Wittlicher Hoteliers 2018 im Vergleich zum Vorjahr bei der Bettenauslastung einen Zuwachs von zwei Prozent verzeichnen konnten, scheint das laufende Geschäftsjahr wieder schwächer auszufallen.

Der Volksfreund hat sich mit den Hotelbetreibern der Säubrennerstadt, die mit Argwohn die Entwicklung eines neuen City-Hotels in der Innenstadt beobachten, über ihr Geschäft unterhalten. „In den vergangenen fünf Jahren hatte unser Haus immer ein Plus und Steigerungen zu verzeichnen“, sagt Ute Engel vom Hotel Rotenberg. „.In diesem Jahr gibt es hingegen zum ersten Mal ein kleines Minus.“ Ihr Business-Hotel, das zum großen Teil von Geschäftsreisenden besucht werde, leide vor allem unter dem konjunkturellen Rückgang im Baubereich. „Jetzt geht es leider bergab. Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland macht sich auch hier in der Kleinstadt bemerkbar.“ Denn die Bautätigkeit in der Region in und um Wittlich, sagt Engel, sei zurückgegangen. Freut sich die Hotelbetreiberin dann über den geplanten Bau eines City-Hotels in der Wittlicher Innenstadt? „Wir haben viel investiert. Da ist es wenig förderlich, wenn einem ein großes Hotel vor die Nase gesetzt wird.“

Angesichts steigender Personal- und Energiekosten sowie Auflagen sei es finanziell jetzt schon eng, sagt Engel. „Wenn man den Einnahmen die steigenden Kosten –  alles ist teurer geworden –  gegenüberstellt, dann wird der Betrieb zum Rechenexempel.“

Engel zweifelt zudem an einem Erfolg eines neuen Hotels mit 100 Zimmern und 200 Betten. Engel: „Ich halte die Bettenzahl für völlig übertrieben.“

Im mit 76 Betten aktuell größten Hotel der Stadt Wittlich, dem Hotel Vulcano Lindenhof, zeichnen sich laut den Inhabern bei den Übernachtungszahlen bereits seit 2018 leichte Veränderungen nach unten ab. „2017 hatten wir noch Ansiedlungen im Vitelliuspark“, sagt Michael Braun, der das Vier-Sterne-Hotel gemeinsam mit seiner Frau Nicole betreibt. Da derzeit keine großen Bauprojekte mehr liefen, wie Braun sagt, bleibe leider Kundschaft aus. Denn die Großzahl der Übernachtungen in der Stadt Wittlich gehe auf das Konto von Geschäftsreisenden und Monteuren. „Wittlich ist Wirtschaftsstandort:“

Der Tourismus spiele bei den Übernachtungszahlen dagegen bloß eine untergeordnete Rolle. „Business-Kunden sind das Hauptgeschäft.“ Zum Hotelbauprojekt in der Innenstadt sagt Braun: „Wenn man die Bettenzahl der Stadt mal so eben verdoppelt, würde das sicher nicht den gewünschten Effekt bringen. Man sollte zuerst am Standort arbeiten und ein Tourismuskonzept entwerfen. Solches hätten die Hoteliers bereits angeregt, „denn der touristische Aspekt ist bis dato noch nicht allzu stark beleuchtet worden.“ Dabei geht es den Hoteliers hauptsächlich darum, dass in der Stadt Wittlich touristische Attraktionen und Anziehungspunkte geschaffen werden sollen.

Friedhelm Schneck, Inhaber des Gasthauses Schneck, ist mit dem laufenden Geschäftsjahr auch nicht wirklich zufrieden: „Ich habe viele Monteure. Da es aktuell weniger Baustellen gibt, läuft es bei mir in diesem Jahr auch etwas schlechter. Die Zahlen vom vergangenen Jahr erreiche ich nicht.“

Wie Schneck sagt, fürchte er den Bau des City-Hotels dennoch wenig. „Meine Monteure gehen eh nicht in ein Fünf-Sterne-Hotel. Das gibt ihr Budget ja gar nicht her.“ Als altgedienter Hotelier in sechster Generation kann Schneck auch die Einbrüche erklären, welche die Übernachtungszahlen in der Stadt Wittlich seit den 1990er-Jahren zu verzeichnen hat. Denn die Übernachtungszahlen sind seit Jahrzehnten rückläufig. Kamen 1995 in die Säubrennerstadt noch 24 000 Gäste, die insgesamt mehr als 36 000 Übernachtungen buchten, sind es 2018 nur noch 14 700 Gäste und 27 300 Übernachtungen. Wie kommt diese rückläufige Entwicklung zustande? Schneck kennt die Antwort: „In den 1990er-Jahren kamen noch viele ostdeutsche Touristen, um sich den Westen anzuschauen. Die kamen in Bussen und haben hier übernachtet. Das fällt heute weg.“

Zudem, sagt Schneck, würden viele Menschen heutzutage eher mal übers Wochenende mit dem Billigflieger nach Mallorca oder andere ferne Ziele annsteuern, statt einen Kurzurlaub in Deutschland zu buchen. Das mache sich auch in den Übernachtungszahlen der Wittlicher Hoteliers bemerkbar.

Das Statistische Landesamt listet für die Stadt Wittlich insgesamt 339 angebotene Betten in 34 Betrieben auf, darunter auch Privatquartiere und gewerbliche Kleinbetriebe. Im  Vergleich dazu hat die Stadt Bernkastel-Kues 230 Betriebe mit knapp 3800 Gästebetten. Mit 346 Betten in 52 Betrieben hat aber selbst die Ortsgemeinde Thalfang ein größeres Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten als die Kreisstadt Wittlich.

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