Kostenpflichtiger Inhalt: Landwirtschaft : 14 900 Hühner für Wallscheid?

Seit fast zwei Jahren plant ein Investor auf dem Kiefernhof in Wallscheid eine Hühnerfarm. Doch nun war es lange Zeit still um das Projekt. Vom Investor hat man länger schon nichts mehr gehört.

Wie steht es um die Hühnerfarm, die in Wallscheid geplant ist? Vor fast zwei Jahren wurden dem Gemeinderat Wallscheid die Pläne für eine Hühnerfarm auf dem Gelände des Kiefernhofes vorgestellt, doch seitdem hat man von dem Projekt wenig gehört. Was geplant ist: zu den 330 Wallscheidern sollen sich knapp 15 000 Hühner gesellen.  Denn der Eierhof Hennes aus Euskirchen möchte dort einen Freilandstall mit 14 900 Hühnern bauen. Der Plan besagt außerdem, die produzierten Freilandeier auf dem Kiefernhof zu sortieren und zu verpacken, und sie danach in Supermärkten zu verkaufen. In einer späteren Phase soll das Projekt dann um einen zweiten Stall der gleichen Größe erweitert werden. Dann würden rund 30 000 Hühner in Wallscheid ihre Eier legen. Für diesen erweiterten Bebauungsplan für mehr als 15 000 Tiere müsste nicht nur die Gemeinde ihr Einverständnis geben.

Auch schon bei der kleineren ­Variante mit 14 900 Hühnern würde ein höheres Verkehrsaufkommen entstehen. Fünf Mal pro Woche müssten Lastwagen die Eier abholen und einmal pro Woche würde Futter geliefert, erklärte der Investor einst im Ortsgemeinderat.  „Außerdem ist geplant, einmal in der Woche den Hühnertrockenkot abzuholen und in eine Biogasanlage zu liefern.“ Der zusätzliche Verkehr sollte aber kein Problem für die Wallscheider sein, da der Kiefernhof auch erreichbar ist, ohne durch den Ort zu fahren.

Die Wallscheider diskutierten in der Sitzung im Juni 2018 hautsächlich zwei große Bedenken: die Geruchs- und Lärmbelästigung, sowie die Verschmutzung des Bodens und des Grundwassers.  Um sowohl die Einwohner als auch den Bürgermeister von dem Projekt zu überzeugen, luden die neuen Grundstückseigentümer des Kiefernhofes Bürger und Ratsmitglieder in ihren bereits bestehenden Betrieb nach Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) ein. Dort bekamen die interessierten Bürger kurz nach der Sitzung die Chance, sich die kleine Variante des Projekts anzuschauen und den Betrieb kennenzulernen. Etwa 40 Wallscheider hatten sich mit Bürgermeister Uwe Kröffges auf den Weg gemacht um sich den Eierhof etwas genauer anzuschauen. Die ersten Bedenken, die sie bei der Sitzung zu Geruchs- und Lärmbelästigung hatten, seien auf der Rückfahrt schon weniger geworden, sagt Kröffges. Generell fällt es dem Bürgermeister momentan aber noch schwer, sich ein Bild über die möglichen Auswirkungen eines solchen  Hühnerstalls für Wallscheid zu machen. Das läge auch daran, sagt Kröffges, dass sich die Zusammensetzung des Gemeinderates seit der Vorstellung der Pläne vor fast zwei Jahren mit der Kommunalwahl vergangenes Jahr geändert habe. Außerdem sei auch noch nicht klar, ob es die kleine oder große Variante werde, erklärt Kröffges. Noch sei kein Bauantrag für die erste Phase gestellt worden. Die letzten Informationen, die die Gemeinde bekommen habe, datieren auf Anfang 2019: Da sei er darüber informiert worden, sagt Kröffges, dass das Unternehmen sein Projekt frühestens im ersten Quartal 2021 weiter voranbringen werde.

Auch Günter Weins, Fachbereichsleiter der Verbandsgemeinde  Wittlich-Land, sagt ebenfalls, dass die VG-Verwaltung lange Zeit nichts mehr von dem Investor und seinen Plänen gehört habe. Wir haben die Verwaltung gefragt, warum der Investor nicht direkt die große Variante mit 30 000 Hühnern umsetzen möchte. Weins erklärt die Unterschiede: „Ab 15 000 Hühnern ist ein landwirtschaftlicher Betrieb nicht mehr privilegiert. Außerdem muss ab 15 000 Hühnern ein Bebauungsplan erstellt, und parallel dazu der Flächennutzungsplan geändert werden.“ Das, so Weins, sei ein möglicher Grund, weswegen der Investor möglicherweise nicht schon zu Beginn einen Stall mit 30 000 Hühnern bauen wollen würde. Denn ab 15 000 Hühnern ist ein Eierhof kein landwirtschaftlicher Betrieb mehr, sondern müsse als Gewerbebetrieb angemeldet werden. Eine Änderung des Flächennutzungsplans, die bekanntermaßen Jahre dauern kann, sei für die Umsetzung der großen Variante notwendig.  Da mache es Sinn, das Projekt in zwei Phasen aufzuteilen.

Der TV hat den Investor, Eierhof Hennes, mehrfach telefonisch um eine Stellungnahme dazu gebeten, wann es auf dem Kiefernhof in Wallscheid los geht, doch leider keine Antwort erhalten. Das ehemalige landwirtschaftliche Gut, wo zuvor ein Milchviehbetrieb angesiedelt war, Damwild gehalten und eine Gaststätte betrieben wurde, steht seit geraumer Zeit leer.

Extra

Eierhof aus Euskirchen investiert in Wallscheid

Die Eierhof Hennes GmbH hat ihren Sitz in Euskirchen (NRW) und beschäftigt 200 Mitarbeiter. Im Jahr werden 1,3 Milliarden Eier abgesetzt und 130 Millionen Euro erwirtschaftet. In Deutschland betreiben sie an mehreren Standorten Hühnerfarmen mit 1,5 Millionen Hühnern. Weitere 2,3 Millionen Hühner haben sie verteilt bei Produzenten, die für Hennes produzieren. Weiterhin betreibt das Unternehmen eine Produktlinie für gekochte und geschälte Eier sowie ein Aufschlagwerk in Weiskirchen (Saarland) zur Produktion von Flüssigei. (Stand Juni 2018)