Hundetherapie – Wenn Zehenschlecken gesünder macht

Hilfe für Louisa : Hundetherapie – Wenn Zehenschlecken gesünder macht (Fotos/Video)

Therapiehunde helfen der kranken fünfjährigen Louisa dabei, wieder selbstständiger zu werden. Die Eltern hoffen auf einen Kongress im November, der vielleicht Hilfe oder sogar eine Diagnose bringen könnte.

Therapiehündin Happy springt auf die Liege, wedelt mit dem Schwanz und beginnt dann, die Zehen der fünfjährigen Louisa abzuschlecken, die dort liegt und von zwei Erwachsenen auf jeder Seite gestützt wird, damit sie nicht herunterfällt. Louisa kann nicht laufen oder sprechen. Was sie kann, ist lachen, und das sehr viel. Keiner, der mit im Raum ist, kann sich dagegen wehren, mitlachen zu müssen.

Bis zum Jahr 2016 hat sich Louisa Karg aus Bernkastel-Kues ganz normal entwickelt. Irgendwann merkten ihre Eltern dann, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Sie verlernte das Laufen wieder und konnte schließlich auch nicht mehr selbstständig schlucken. Bis heute haben die Eltern keine Diagnose, sie wissen nur, dass eine Behandlung mit Kortison ein wenig Besserung gebracht hat. Im November fahren sie zu einem Ärztekongress in Göttingen, dort wird Louisa dann als der „ungelöste Fall“ vorgestellt. Jürgen Karg, Louisas Vater, sagt: „Bestenfalls bekommen wir dort eine Diagnose und wir wissen endlich, was los ist. Aber ein passendes Medikament würde uns auch schon sehr helfen.“ Die Hoffnung auf Besserung haben sie nicht aufgegeben. „Mein größter Wunsch wäre, dass sie irgendwann wieder Papa sagen kann“, sagt Karg.

Was Louisa neben der Kortison-Behandlung hilft, ist ihre Hundetherapie in Brauneberg. Jürgen Karg sagt: „Sie ist seitdem einfach viel offener und fröhlicher, sie kann greifen und lacht wieder viel. “ Die Hundetherapie wird nicht von der Krankenkasse bezahlt, das Geld für die Therapiestunden haben die Kargs über eine Spendenaktion der Benefizradler und des FSV Plein bekommen. Mittlerweile sind rund 28 000 Euro zusammengekommen. „Das hat uns wirklich umgehauen“, sagt Louisas Vater.

Als Louisa in ihrem Rollstuhl zur Therapiestunde kommt, lacht sie bereits bei der Erwähnung der Hunde und ihrer Therapeutin Alexandra Rex. Gerd Thiel, der die DogTher Naturakademie in Brauneberg leitet, begrüßt Louisa und ihre Eltern. Nach einer kurzen Besprechung im großen Therapieraum geht es dann los – Rex holt Therapiehündin Happy herein und beginnt damit, dass sie Louisa Leckerlis gibt, die sie an die Hündin weiterreichen kann.

So werden Hunde bei Therapiestunden eingesetzt

Louisa strahlt bereits über das ganze Gesicht, seitdem Happy im Raum ist. Die Übungen mit dem Futter helfen der Fünfjährigen, besser greifen zu können und auch ihre Arme wieder mehr bewegen zu können. Dafür verändert Rex immer wieder den Winkel, aus dem sie ihr die Leckerchen gibt. „Es ist wichtig für die Entwicklung ihres Gehirns, dass sie auch das über Kreuz zugreifen übt“, erklärt die Therapeutin.

Danach geht es weiter mit einem Röhrchen, durch das Louisa Futter für Happy rollen lassen kann. Sie greift es mit einer Hand und zeigt dann grinsend auf den Boden und auf Happy. „Ja genau, da muss das Leckerchen rausfallen, damit Happy es essen kann, super“, sagt Rex. Louisas Eltern stehen im Hintergrund und loben ihre Tochter, wenn sie ihre Sache gut macht und mitarbeitet. „Mal ganz abgesehen davon, dass ihr das Ganze so gut hilft, ist es auch mal eine Stunde Auszeit, in der wir nichts tun müssen und wissen, dass sie gut aufgehoben ist“, sagt Jürgen Karg.

Als letzte Station ist die gepolsterte Liege dran. Gerd Thiel und Alexandra Rex legen Louisa auf den Rücken, Happy springt sofort mit auf das Gestell und legt sich dazu. Nachdem die Therapeutin Futter an Louisas Ohr und zwischen ihren Zehen versteckt hat, schlabbert die Hündin die Fünfjährige gründlich an beiden Stellen ab. Louisa hat fast Mühe, mit dem Luftholen zwischen den Lachern hinterherzukommen, ebenso wie ihre Eltern und die beiden Therapeuten an der Liege. Gerd Thiel sagt: „Das ist einfach jedes Mal das Schöne an unserer Arbeit – die Menschen glücklich zu sehen.“

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