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Hunsrückbahn auf dem Abstellgleis

Hunsrückbahn auf dem Abstellgleis

Die Gleisanlagen der Hunsrückbahn weisen Schäden auf, die der Pächter wegen der hohen Kosten nicht schultern möchte. Deshalb hat er den Betrieb der Strecke zwischen Morbach und Büchenbeuren ausgeschrieben. Findet sich bis Anfang Mai kein Interessent, dürfte Schluss sein mit den Ausflugsfahrten.

Morbach. Am Morbacher Bahnhof sieht alles nach regem Zugverkehr aus. Vier rote Personentriebwagen stehen dort, mit denen die Hunsrückbahn im vergangenen Jahr noch Fahrten zwischen der Einheitsgemeinde und Büchenbeuren angeboten hat. Außerdem halten auf den Gleisen weitere drei Lokomotiven und Waggons. Am Bahnübergang wirbt ein großes Transparent für Touristikfahrten im Zeitraum von Mai bis Oktober.
Doch der Schein trügt. 2014 wird es keine Fahrten des Saar-Hunsrück-Expresses geben, sagt Betriebsleiter Bernd Heinrichsmeyer. Der Grund: "Eine Überprüfung der Strecke hat im Januar erhebliche Mängel an den Gleisanlagen ergeben, die keinen weiteren Personenverkehr auf der 20 Kilometer langen Strecke mehr zulassen", sagt er.
Den Investitionsbedarf, um die Linie wieder herzurichten, schätzt er auf 100 000 Euro. Doch Heinrichsmeyer will diese sechsstellige Summe nicht investieren. Denn die Einnahmen aus dem Zugverkehr entsprechen etwa den laufenden Kosten.
Im Jahr 2012 standen den Erlösen in Höhe von 45 000 Euro Kosten von 40 000 Euro entgegen. 2013 waren es nach seinen Angaben 35 000 Euro Einnahmen zu 55 000 Euro Kosten.
"Die zusätzlichen Kosten von 100 000 Euro können wir nicht schultern", sagt Heinrichsmeyer. Deshalb hat er die Strecke im Internet für andere Investoren ausgeschrieben.
"Wir können eine öffentliche Strecke nicht einfach sperren", sagt er. Erst wenn sich bis zum 5. Mai, dem Ende der Ausschreibungsfrist, kein anderer Interessent gefunden hat, kann er die Strecke stilllegen.
"Wir wollen das nicht, müssen aber von den Kosten runter, um die Strecke weiter zu betreiben", sagt Heinrichsmeyer.
In den vergangenen sechs Jahren habe er zwei Millionen Euro in die Bahnanlagen investiert, einen großen Teil davon in Gebühren, Genehmigungen und Überprüfungen. Der Pachtvertrag mit der Bahn läuft seit 2008. Jährliche Kosten: 14 000 Euro
Droht jetzt das Ende der Hunsrückbahn? Heinrichsmeyer hofft, dass sich in Verbindung mit dem künftigen Nationalpark noch mal eine Chance zum Betrieb ergibt. "Das Umweltministerium zeigt Interesse, noch ist die Bahn nicht verloren", sagt er.
Im Jahr 2010 hatte es Verhandlungen der Anliegergemeinden mit der Deutschen Bahn gegeben, damit diese die Strecke für damals 500 000 Euro kaufen können. Gescheitert sei dies daran, weil die Aufsichtsbehörden einen Zuschuss der Kreise über 175 000 Euro wegen der defizitären Haushalte nicht genehmigt hatten, erklärt Heinrichsmeyer (der TV berichtete).Morbach zuerst gefordert


Inzwischen sei die Bahn zwar um genau diese Summe mit ihrem Kaufpreis runtergegangen, "aber die Gemeinden kaufen trotzdem nicht", sagt er. Dann wäre die Einheitsgemeinde Morbach zuerst gefordert, denn auf ihrem Gebiet befindet sich der größte Streckenanteil, sagt der Pächter.
Der Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal sagt, dass die Region grundsätzlich ein großes Interesse daran hat, dass die Schienen bleiben, und bedauert, dass eine touristische Attraktion wegfällt. "Hier sind jedoch die Bahn und das Land gefordert, tragfähige Lösungen zu finden", sagt er.
In wenigen Tagen werden die Triebwagen am Morbacher Bahnhof verschwunden sein, da sie in Sachsen planmäßig gewartet werden. "Ob sie wieder zurückkommen, ist ungewiss", sagt Bernd Heinrichsmeyer.Extra

In der Ausschreibung werden die Gesamtinvestitionen, um die Bahnlinie zwischen Morbach und Büchenbeuren aufrechtzuerhalten, mit 300 000 Euro in den kommenden fünf Jahren angegeben, ohne eine nachhaltige Verbesserung des Gesamtzustandes zu erreichen. Hinzu kommen die laufenden Betriebskosten. Dem stehen bestenfalls Einnahmen zwischen 150 000 und 200 000 Euro gegenüber, heißt es dort. Folgende voraussichtliche Investitionen sind dort im Einzelnen aufgeführt: Mängel am Oberbau: 50 000 Euro; Sanierungsarbeiten an Durchlässen: 30 000 bis 60 000 Euro; Bahnübergang in Büchenbeuren: 58 000 Euro; Arbeiten am Oberbau: 60 000 Euro; Grabenräumung: 60 000 Euro. cst