Hunsrückverein pflegt Kultur und Landschaft in der Region
Hunsrück · Der Hunsrückverein gehört mit 2000 Mitgliedern zu den größten Vereinen der Region. In diesem Jahr ist er 125 Jahre alt geworden. Die Aufgaben des Vereins sind heute noch so aktuell wie bei seiner Gründung: Die Schönheiten der Landschaft herausstellen und die Kultur erhalten.
Den Hunsrück touristisch zu vermarkten ist heute die Aufgabe der Hunsrück-Touristik. Die Bestrebungen, das Mittelgebirge zwischen Mosel, Rhein, Nahe und Saar bekannt zu machen, reichen allerdings bis weit in die Vergangenheit hinein. Im Oktober 1890, also vor 125 Jahren, trafen sich im Morbacher Hotel Brauns 250 Männer und gründeten den Hunsrückverein. Das Ziel: "Unsere Absicht geht ausschließlich dahin, unsere Gegenden, die so wunderreich an Naturschönheiten sind, dem Dunkel und der Vergessenheit zu entreißen, welche sie für weite Teile unseres Volkes einhüllen", sagte der damalige Bernkasteler Landrat Rintelen zur Eröffnung der Gründungsversammlung, laut Recherchen des Morbacher Heimatforscher Berthold Staudt.
Dass so viele Menschen damals zur Vereinsgründung nach Morbach gereist waren, beeindruckt Thomas Auler aus Riesweiler, den aktuellen Vorsitzenden des Hunsrückvereins, heute noch. "Die fuhren ja damals nicht mit dem Auto, sondern reisten zu Fuß, per Pferd oder per Kutsche", sagt er. Die Grenzlinien der Vereinsregion gingen damals bis in die Täler der umliegenden Flüsse. "Die Menschen fühlten sich miteinander verbunden, egal, ob sie oben oder unten gewohnt haben", sagt er. Allerdings nicht darüber hinaus: Auf der nördlichen Moselseite gebe es den Eifelverein. Auler glaubt, dass es den Gründungsmitgliedern damals in der Hauptsache darum ging, die Einheimischen für ihre eigene Region zu begeistern.
Menschen die Schönheiten des Hunsrücks nahe zu bringen ist bis heute die Aufgabe des Hunsrückvereins, betont der Vorsitzende. Dabei habe man Glück, dass das Thema Wandern so aktuell sei, sagt er. Denn vor allem Wanderer wollen die Region kennen lernen, auch die Veränderungen durch Steinbrüche oder einem Windwurf nach einem Sturm. "Viele ehemalige Steinbrüche werden vom Hunsrückverein gestaltet", sagt er. Viele Wanderwege würden von Mitgliedern des Hunsrückvereins gepflegt, beispielsweise auch die Bänke gestrichen oder neue aufgestellt. Dazu gibt der Verein auch Stellungnahmen ab, beispielsweise zu Windrädern oder dem Nationalpark. Dabei wird vor allem untersucht, ob Schützenswertes betroffen ist. "Wir wollen den Hunsrück erhalten, wie er ist, müssen aber auch Zugeständnisse machen", sagt Auler.
Als Mammutaufgabe bezeichnet er die Unterhaltung des Wildfreigeheges Kempfeld, bei dem der Hunsrückverein Träger ist. Dort können die Besucher sehen, welche Tiere hier heimisch sind, doch sei es auch Ziel, die Tierwelt zu erhalten und zu retten. So würden aus dem dort befindlichen Wildkatzenzentrum Tiere ausgewildert.
Ein weiteres Augenmerk lege der Verein auf die Kultur, betont der Vorsitzende. Da sei das Hunsrücker Holzmuseum in Weiperath, das von der Morbacher Ortsgruppe des Hunsrückvereins betrieben werde, ein ganz tolles Beispiel. "Dort wird gezeigt, wie die Menschen früher gelebt haben", sagt er. Zudem sei der Hunsrück eine wunderschöne Kulturlandschaft mit vielen Sehenswürdigkeiten, wie den Schinderhannesturm in Simmern oder die Stummorgeln in zahlreichen Kirchen. Natürlich gehört zur Hunsrücker Kultur auch das Essen und Trinken, betont Auler. Kartoffelgerichte wie Hunsrücker Klöße und Reibekuchen oder Sauerkraut mit Rippchen, dazu gutes Bier aus Koblenz oder Kirn oder Wein aus den umliegenden Flusstälern, die noch zum Einzugsgebiet des Vereins gehören, der Hunsrücker trinke gerne Gersten- oder Traubensaft, sagt der Vorsitzende. Auler: "Am Essen sieht man, wie der Hunsrücker ist: Rau, aber herzlich, genau wie das Klima und die Landschaft."Extra
Der Hunsrückverein hat 2000 Mitglieder, die in 19 Ortsgruppen organisiert sind. Jede Ortsgruppe ist ein eigener Verein und gehört zum Dachverband Hunsrückverein. Ortsgruppen gibt es in folgenden Ortschaften: Bad Sobernheim, Birkenfeld, Deuselbach, Dhronecken, Ellern, Enkirch, Herrstein, Idarwald-Horbruch, Idar-Oberstein, Kempfeld-Wildenburg, Kirn, Koblenz, Meddersheim, Monzingen, Morbach, Rheinböllen, Simmern, Stromberg, Wolf. cst