Hupperather Häuslebauer zahlen am wenigsten

Bernkastel-Wittlich · Wer im direkten Einzugsbereich von Wittlich ein Haus bauen will, der muss für das Grundstück in Altrich am tiefsten in die Tasche greifen und kommt in Hupperath am günstigsten weg. In den Ortskernen wird aber nur selten gebaut, viele Privatbesitzer wollen ihre Flächen nicht verkaufen.

Wo gebaut wird, wird auch investiert: Die Gemeinden rund um Wittlich sind bei Bauherren beliebt. Die Kommunen freut es, denn mehr Einwohner bringen auch mehr Geld in die Gemeindekassen.TV-Foto: Klaus Kimmling

Bernkastel-Wittlich. Wenn die Bagger rollen, rollt auch der Rubel - und die Ortschefs freuen sich. Denn neue Häuser, das bedeutet auch mehr Einwohner, mehr Schlüsselzuweisungen, mehr Leben in der Gemeinde und eine sichere Zukunft in einer Zeit, in der so mancher Ort um sein Überleben kämpfen muss.
Die Gemeinden rund um Wittlich müssen sich da wenig Sorgen machen. Vor allem dank der Nähe zur Säubrennerstadt und zur Autobahn ist das Leben dort attraktiv - und in der Regel günstiger als in Wittlich selbst.
Denn dort kostet ein Grundstück in städtischer Hand bis zu 125 Euro pro Quadratmeter. Deutlich günstiger sind Flächen in Wengerohr und Bombogen mit 75 beziehungsweise 80 Euro. Wirkliche Sparfüchse nehmen aber eine noch größere Distanz zu Wittlich in Kauf.
Denn wer sich zum Beispiel vor drei Jahren in Hupperath ein Grundstück gekauft hat, der musste nur 35 Euro für einen Quadratmeter zahlen. Jetzt gibt es nur noch Flächen in privater Hand, die nach Auskunft von Ortsbürgermeister Werner Dresen teurer sind. 15 bis 20 freie Grundstücke gebe es noch im alten Baugebiet in Richtung Sportplatz. Um selbst wieder Flächen anbieten zu können, diskutiert der Gemeinderat über ein mögliches weiteres Neubaugebiet. "Es rufen immer wieder Leute an und fragen nach", sagt Dresen. "Wir sterben nicht aus - das steht fest. Aber 35 Euro - das werden wir nicht mehr hinkriegen."
Mit 48 Euro pro Quadratmeter kommt ebenfalls vergleichsweise günstig weg, wer in Plein ein Haus bauen will. Dort entsteht derzeit das neue Baugebiet "Großer Schiffel", das im nächsten Jahr erschlossen sein soll. Fünf der 14 Grundstücke sind nach Auskunft von Ortschef Johannes Gerhards bereits reserviert, vier davon von Paaren aus dem Ort selbst. Nach Gerhards Erfahrung müssen die Gemeinden bei der Preisgestaltung einen Spagat hinbekommen, denn "wenn die Grundstücke zu teuer sind, wird man sie nicht los. Und wir wollen hier ja auch keine neue Geldquelle erschließen. Auf der anderen Seite haben die Gemeinden nicht mehr viele Einnahmequellen."
In Platten sind alle elf freien Grundstücke Auf Hostert in privater Hand, die Gemeinde hat ihre letzten Flächen dort 2007 für 54 Euro pro Quadratmeter verkauft. Zwar gebe es im Ortsinnern etwa 20 Grundstücke, die bebaubar wären, doch bieten die Eigentümer sie nicht zum Verkauf an, sagt Ortschef Alfons Kuhnen. Da drei junge Paare aus Platten bereits in den Nachbarort gezogen seien, prüfe die Gemeinde derzeit, ob sie ein neues Baugebiet ausweisen kann. "Es gibt immer Nachfragen", berichtet der Ortsbürgermeister von Bergweiler, Gottfried Eltges. Im Neubaugebiet Brühlstraße sind nur noch Grundstücke in privater Hand zu haben. Deshalb hält die Gemeinde schon Ausschau nach neuen Bauplätzen, allerdings dort, wo man innerhalb des Orts Lücken schließen kann. Derzeit sind in der Brühlstraße zwölf der 33 Grundstücke frei. Dort siedeln etwa je zur Hälfte Neubürger und Ur-Bergweilerer. 55 bis 60 Euro zahlen sie für einen Quadratmeter. Alte Gebäude im Ort an den Mann zu bringen ist schwieriger, "die Finanzierung ist bei einem Neubau klarer", zitiert Eltges die Häuslebauer. Ebenfalls 55,50 Euro kostet ein Quadratmeter in Bausendorf. Dort gibt es das COfreie Neubaugebiet Im Mühlenflur. Von den 52 Einheiten sind 18 erschlossen und zwölf noch zu haben. "Es geht langsam voran", berichtet Ortsbürgermeister Oskar Steinmetz. Und auch mitten im Ort würde noch das ein odere Haus Platz finden. Anders sieht es auf der Ürzigerhöhe aus. Innerhalb eines halben Jahres waren dort fast alle Bauplätze verkauft, "sensationell", sagt Ortschef Arno Simon. Nur noch zwei freie Grundstücke gibt es dort. Quadratmeterpreis: 59 Euro. "Wir sind eben die zentrale Stelle im Kreis - zwischen Traben-Trarbach, Bernkastel-Kues und Wittlich", begründet Simon.
Deutlich teurer wird es bereits in Flußbach. Derzeit gibt es dort noch vier freie Bauplätze mit einem Quadratmeterpreis von 63 Euro. Die Gemeinde plant zudem die Erschließung eines weiteren Neubaugebiets mit zehn Grundstücken. Am tiefsten aber müssen Grundstückskäufer in Altrich in die Tasche greifen: 75 Euro pro Quadratmeter im Neubaugebiet Großfeld III, das gerade ausgewiesen worden ist. Im ersten Bauabschnitt entstehen dort 26 Grundstücke. Immerhin ist Bauen in Altrich damit so teuer wie auf den günstigsten Flächen in Wittlich.
Video zum Thema

volksfreund.de/video
Extra

"Am attraktivsten sind die beiden Neubaugebiete im Konversionsgebiet, dies sei zurzeit sichtbar an der enorm zugenommenen Bautätigkeit", teilt die Stadt auf TV-Anfrage mit. In der Römerstraße seien derzeit noch acht Grundstücke für 104 bis 125 Euro pro Quadratmeter zu verkaufen. Im Weisrink, Lüxem, liegt der Quadratmeterpreis bei 96 Euro, in Wengerohr (Schulzentrum) bei 75 Euro und in Bombogen bei 80 Euro. Insgesamt habe die Stadt 2010/11 18 Baugrundstücke verkauft und vier weitere reserviert. uq