Hyperaktive Eltern und kleine Monster

Hyperaktive Eltern und kleine Monster

Klausen (red) "Stellen Sie sich vor, auf der Stirn Ihres pubertierenden Kindes stünde: Wegen Umbau geschlossen". Mit Metaphern wie dieser und Imitationen pädagogisch hyperaktiver Eltern sowie trotziger Kinder brachte Jan-Uwe Rogge sein Publikum in der Wallfahrtskirche Klausen zum Lachen.

Dabei zeigte er den 180 Zuhörern deutlich: "Erziehung macht Spaß".
Jan-Uwe Rogge gastierte nach 2014 zum zweiten Mal in der Wallfahrtskirche Klausen im Rahmen des Programms "Kultur in der Wallfahrtskirche" und sprach diesmal zum Thema "Pubertät". Der Familientherapeut bringt ernste Themen mit süffisantem Humor und einem Augenzwinkern rüber. Auch in Klausen amüsierten sich die zuhörenden Mütter und Väter.
Hinter den Fassaden familiärer Harmonie lauert das Grauen.
Kleine Monster, heranwachsende Quälgeister und pubertierende Terroristen sind anscheinend einzig und allein nur aus einem Grund auf die Welt gekommen: Sie wollen ihre Eltern an den Rand des Wahnsinns und darüber hinaus bringen. Nein, so spricht kein Kinderhasser. So spricht einer, der nicht nur selbst Kinder und Enkelkinder hat, sondern sie sogar zu seinem Beruf gemacht hat. Jan-Uwe Rogge ist Familientherapeut.
Süffisant hält Rogge seinen Zuhörern den Spiegel vor: "Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als ihr noch keine Kinder hattet?", fragt er diebisch grinsend. Die meisten der vor ihm sitzenden Eltern fühlen sich ertappt. "Natürlich wolltet ihr alles anders und alles besser machen, als es eure Eltern getan haben." Zustimmendes Nicken. Doch jede Generation an Eltern macht die Rechnung ohne den Wirt: das Kind.
Rogge hat sie in unzähligen Sitzungen vor sich gehabt: Eltern von kleinen Kinder, Eltern von Pubertierenden. Was sie durchmachen müssen, erfüllt den Tatbestand der Beleidigung, der seelischen Grausamkeit, des Mobbings und des Psychoterrors. Bestes Beispiel ist die heranwachsende Tochter, die zur Party eingeladen ist. Die Mutter will, dass sie spätestens um 22 Uhr zuhause ist. Was folgt ist ein Psychoduell, gegen das die Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber wie ein Kaffeekränzchen anmuten.
Doch während Rogge von pädagogischen Zombies, homöopathisch bekifften Kindern oder Müttern, die Erziehung mit Yoga verwechseln, sprach, gab er auch wertvolle Tipps. "Dann drehen Sie halt mal durch. Seien Sie authentisch." Doch dafür solle der Vater oder die Mutter auch akzeptieren, wenn das Kind einmal durchdrehe. Selbst wenn der Sohn in der Trotzphase bei "Lidl" an der Kasse auf dem Boden liege oder in der Pubertät von der Polizei betrunken nach Hause gebracht werde, sollen Eltern zu ihrem Kind stehen.
Auch für diejenigen, die jeden Tag den pädagogischen Oscar verliehen bekommen wollen, hatte Rogge einen Rat: "Seien Sie demütig und akzeptieren Sie, was Sie nicht können."