"Ich habe ein Glasauge gefunden"

Schlüssel, Brillen und Schmuck landen von allen Gegenständen am häufigsten in Fundbüros. Doch in deren Listen finden sich auch Kuriositäten: Haustiere und körperliche Hilfsmittel wie Prothesen, Hörgeräte und Gebisse. Bei der Versteigerung - wie jüngst in Wittlich - zeigen die Bieter dann gerne mal Zähne.

Bernkastel-Wittlich. Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten … verkauft! Wenn diese Worte ertönen, haben die Fundbüros zur Versteigerung geladen. Doch längst nicht alles, was gefunden wird, landet dort auf dem Tresen. Denn bei den meisten Fundbüros gehören Schlüssel zu den Gegenständen, die am häufigsten verloren werden. 141 Schlüssel oder Schlüsselmäppchen wurden seit 2005 allein zum Fundbüro in Morbach gebracht.
Dann wird es schon kurios: "Als Zweithäufigstes werden Tiere abgegeben", sagt Andrea Göhl von der Gemeindeverwaltung Morbach. In den vergangenen sechs Jahren waren es 54 Hunde, Katzen oder sonstige Haustiere wie Kaninchen, verschiedene Vögel wie Nymphensittiche, Blaustern amazonen oder Wellensittiche. Dazu sind beim Morbacher Fundbüro auch schon Landschildkröten oder Meerschweinchen gelandet.
Touristen verlieren vieles


Die Haustiere kommen so schnell wie möglich in ein Tierheim. Früher nahmen die Mitarbeiter des Fundbüros die Tiere schon mal für eine Nacht mit nach Hause. Das gibt es bei Göhl und ihren Kollegen jedoch nicht mehr, da sie selbst Haustiere besitzen und die fremden Tiere Krankheiten übertragen könnten. "Manchmal behält ein Finder das Tier auch schon mal für eine Nacht", sagt Göhl.
Am dritthäufigsten werden Kleidungsstücke (50 Teile seit 2005) wie Jacken, Pullover oder Schuhe, am vierthäufigsten Geldbörsen (43 Stück) abgegeben. Zu den kuriosen Fundsachen im Morbacher Fundbüro gehören mehrere Gebisse, Hörgeräte und Gehstöcke. Insgesamt beträgt die Anzahl der abgegebenen Sachen zwischen 70 und 90 Gegenstände pro Jahr, sagt Göhl.
Bei merkwürdigen Fundstücken kann das Fundbüro der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues locker mit den Morbachern mithalten: "Zu unseren Kuriositäten zählen eine Beinprothese, ein Rollstuhl, ein Gebiss und ein Glasauge", teilt Büroleiter Heiner Nilles mit. Auch das Bernkastel-Kueser Fundbüro verzeichnet jährlich rund 90 gefundene Gegenstände, zählt jedoch Schlüssel und Fundsachen nicht mit, die am gleichen Tag abgeholt werden.
Die häufigsten Fundstücke sind Schlüssel, Fotoapparate, Handys, Fahrräder, Brillen und Kleidungsstücke. Vor allem Touristen verlieren vieles, sagt Nilles. Gegen Erstattung der Gebühren werden Fundstücke dem Eigentümer zugeschickt, "auch ins Ausland."
Das Fundbüro der Stadt Wittlich nimmt jedes Jahr rund 500 Fundstücke entgegen, vor allem Schlüssel, Brillen, Fahrräder und Schmuck. Auch Blutzuckermessgeräte, Krückstöcke und Schildkröten waren schon dabei.
Und was passiert mit den Fundstücken? Sechs Monate lang müssen sie aufbewahrt werden. Hat sich bis dahin kein Eigentümer gemeldet, kann der Finder entscheiden, was damit passieren soll. Will der Finder den Gegenstand nicht behalten, geht dieser ins Eigentum der Gemeinde über. Sie versteigert die Fundsachen - wenn es sich nicht gerade um ein Glasauge handelt.

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